Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann wird am 25. Juni 2026 100 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums strahlt NDR Kultur vom 22. Juni bis 3. Juli die Lesereihe „Am Morgen Vorgelesen“ aus. Die Sendung beleuchtet Bachmanns Weg von der Lyrik zur Prosa und ihre Rolle als eine der bedeutendsten Stimmen der Nachkriegsliteratur.
Die Lesereihe „Am Morgen Vorgelesen“ beim NDR

Alle Tage,
Die gestundete Zeit,
Erklär mir, Liebeund
ReklameBekanntheit erlangte, verschob sie ihren Fokus später auf die Prosa. Ein wichtiger Übergang war das Jahr 1958, in dem sie das Hörspiel
Der gute Gott von Manhattanveröffentlichte. Besondere Bedeutung messen Literaturhistoriker den Erzählbänden
Das dreißigste Jahraus dem Jahr 1961 sowie
Simultanvon 1972 bei. Diese Werke gelten als Meilensteine der deutschsprachigen Literatur seit 1945.
Die Sprache der Gewalt und die „Gaunersprache“

Gaunersprache– eine Form der Kommunikation, die Wahrheiten verzerrt und den Einzelnen in der Arbeitswelt oder der Kleinfamilie entmenschlicht. Diese Perspektive stützte sie auf die Theorien von Adorno und Horkheimer. In ihrer Erzählung
Allesbeschreibt sie etwa eine Gewaltspirale innerhalb der Familie, in der ein Kind durch Hass
zum Menschen geschlagenwird. Die Suche nach absoluter Wahrhaftigkeit war für die Autorin ein zentrales Motiv. Sie sah in der Philosophin Simone Weil ein Vorbild für diesen
tödlichen Ernst.
Biografische Abgründe: Celan und die Familiengeschichte
Moderne Rezeption und das Erbe in Klagenfurt

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. Auch in ihrer Heimatstadt Klagenfurt wird das Erbe gewürdigt. Der Friedenspreisträger Anselm Kiefer widmete der Autorin zum 100. Geburtstag eine Skulptur. Diese ist mit einem Zitat aus Bachmanns Frankfurter Poetikvorlesungen von 1959 versehen:
Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht. Die heutige Einschätzung ihrer Bedeutung ist hoch. Die Schriftstellerin Helga Schubert, die die Eröffnungsrede beim Bachmann-Preis hielt, bezog sich in einem Interview auf den Kritiker Marcel Reich-Ranicki.
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat einmal gesagt, Bachmann sei die bedeutendste deutschsprachige Dichterin seit 1945 – zu dem Ergebnis bin ich jetzt auch gekommen.Helga Schubert, Schriftstellerin, via tagesschau.de Laut einem Beitrag von SZ.de war Bachmann für ihre Zeit
zu frei und klug. Ihr Image als zarte Poetin, das oft durch ihre Affären mit Max Frisch und Paul Celan zementiert wurde, verdeckt laut Kritikern oft ihre Rolle als frühe Feministin und scharfe Analytikerin gesellschaftlicher Gewalt. Bachmanns Vermächtnis bleibt eine Herausforderung an die Sprache: die Forderung, dass Worte nicht nur schmücken, sondern die Wahrheit aushalten müssen.
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