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Unternehmen

Alstom senkt Jahresprognose und Aktie bricht ein

Der französische Bahntechnikkonzern Alstom hat am Montag seine Jahresprognose drastisch nach unten korrigiert. Schuld daran sind massive Verzögerungen und technische Probleme bei Regionalzügen in Deutschland. Die Aktie stürzte daraufhin an der Börse in Paris um rund 25 bis 30 Prozent ab.

Für den Schienenfahrzeughersteller ist es bereits die zweite herbe Gewinnwarnung in diesem Jahr. Der Markt reagierte entsprechend heftig auf die Nachricht, dass das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr statt eines positiven Mittelzuflusses nun einen Barmittelabfluss von rund 1,5 Milliarden Euro verkraften muss. Nach den Angaben des Managements bricht die bereinigte operative Marge (Ebit) von zuvor avisierten 6,5 Prozent auf nur noch etwa 1 Prozent ein. An der Börse in Paris verlor das Papier zeitweise mehr als ein Viertel an Wert und rutschte auf ein Niveau ab, das zuletzt im Jahr 2024 verzeichnet worden war. Im frühen Handel brachen die Papiere um bis zu 31 Prozent auf 10,89 Euro ein, womit sich die Aktie auf dem Niveau von 2024 wiederfand. Gegen Mittag verzeichneten die Titel noch immer einen Abschlag von über 27 Prozent, während der breite Markt leichte Gewinne verbuchte. Der Kursrutsch zu Wochenbeginn beendete abrupt eine Phase der mehrmonatigen Stabilisierung der Papiere, und die Aktie testete zwischenzeitlich mit rund 11,50 Euro die fundamentale Unterstützungszone zwischen 10,00 und 12,00 Euro. Damit markierte das Papier den tiefsten Stand seit 2023 und hinterließ ein Gap-Down im Tageschart. Inzwischen schleppt der Konzern seit der Akquisition der Bahnsparte von Bombardier im Jahr 2021 altbekannte Altlasten wie margenschwache Festpreisverträge mit sich herum, bei denen Kostensteigerungen und Zeitverzug die Profitabilität vollständig aufzehren.

Technische Probleme bei Coradia-Max-Zügen in Deutschland belasten die Bilanz

Im Zentrum der Krise steht die Elektrotriebzug-Plattform Coradia Max, die von mehreren deutschen Bundesländern geordert wurde. Eigentlich sollten diese Doppelstockzüge, die seit 2021 gebaut werden, in diesem Jahr das Produktionswachstum des Unternehmens antreiben. Doch technische Probleme und zusätzliche Testanforderungen in den letzten Entwicklungsphasen haben den Zeitplan massiv verlängert und zu zusätzlichen Arbeiten sowie Terminüberschreitungen bei einigen Projekten geführt.

Alstom senkt Jahresprognose und Aktie bricht ein
Foto: n-tv.de

Finanzvorstand Bernard Delpit erklärte in einer Telefonkonferenz, dass die Verzögerungen bei einem der Coradia-Max-Projekte durch Probleme in den letzten Entwicklungsphasen verursacht wurden und einen Dominoeffekt auf alle anderen deutschen Projekte zur Folge hätten. Die Schwierigkeiten führten im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres zu einem Mittelabfluss von 1,25 Milliarden Euro (bzw. exakt 1,248 Milliarden Euro) und drückten die bereinigte operative Umsatzrendite in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres auf rund minus 4 Prozent, verglichen mit plus 6,4 Prozent vor einem Jahr. Die Produktion sank im Halbjahr auf 1.860 Wagen und damit um 8 Prozent.

Verärgertes Verkehrsministerium in Baden-Württemberg und drohende Vermögensverkäufe

Die spürbaren Verzögerungen treffen den Konzern an einer strategisch sensiblen Stelle. Die Auslieferung der Coradia-Max-Doppelstockzüge für den Bahnverkehr in Baden-Württemberg verzögert sich bis zum Jahr 2028. Ein gemeinsames Ersatzkonzept von Alstom und der SFBW soll dort gewährleisten, dass der Zugbetrieb bis zum Eintreffen der neuen Fahrzeuge aufrechterhalten werden kann.

Das Problem wurde Delpits Angaben zufolge entdeckt, nachdem Sion Teams entsandt hatte, um sich um problematische Projekte zu kümmern. Martin Sion erklärte dazu: „Seit meiner Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden im April 2026 habe ich eine gründliche Identifizierung und systematische Meldung von Risiken und Chancen auf Projektebene gefordert.

Alstom senkt Jahresprognose und Aktie bricht ein
Foto: XTB.com

Die erneute Korrektur der Prognose sei die Konsequenz daraus. Finanzchef Delpit sagte zudem, das Unternehmen führe eine umfassende Überprüfung der eigenen Organisation durch, um Umsetzung und Verantwortlichkeit zu verbessern, Kosten zu senken und Prozesse zu vereinfachen. Zudem läuft ein neuer Plan, um die Schulden um rund zwei Milliarden Euro zu reduzieren, welcher weitere Veräußerungen vorsieht. „We have identified the assets and are starting the process now, sagte Delpit zu möglichen zukünftigen Veräußerungen, ohne Details zu nennen.

Analysten bewerten die Lage und blicken auf den anstehenden Halbjahresbericht

An den Finanzmärkten wird der tiefgreifende Einschnitt unterschiedlich eingeordnet. Aus der aktualisierten Unternehmensprognose errechnet sich für das Fiskaljahr 2026/27 ein bereinigtes operatives Ergebnis von etwa 200 Millionen Euro, womit der Konsens um rund 85 Prozent verfehlt wird. Gupta bewertet die Aktien von Alstom bislang noch mit „Overweight“, da seine Empfehlung darauf basierte, dass der Bahntechnikkonzern keine Gewinnwarnung herausgeben müsse – oder zumindest keine, die so gravierend sei, dass eine unerwartete Kapitalerhöhung erforderlich werden könnte. Aktuell hält der Experte an seiner positiven Einschätzung fest, da das Risiko einer Kapitalerhöhung angesichts der günstigen Bewertung bereits im Kurs eingepreist sei und auch der hohe Anteil derjenigen Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt haben, darauf hinweise. Zuversichtlich stimmt Gupta zudem das günstige Nachfrageumfeld. Im ersten Halbjahr verzeichnete Alstom einen Auftragseingang von 11,0 Milliarden Euro, verglichen mit 10,5 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Umsatz betrug im gleichen Zeitraum 9,3 Milliarden Euro und stieg auf berichteter Basis um 3 Prozent.”

Doppelstock-Debakel: Alstom bricht um ein Viertel ein
Foto: Boersennews

Dennoch ist unklar, wie das Unternehmen die operative Wende bewerkstelligen will, während Konkurrenten wie Siemens Mobility profitabel wachsen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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