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Technik und Wissenschaft

AI could put people off tech jobs and hurt the economy, warns Raspberry Pi boss

Eben Upton, der Gründer des britischen Computerherstellers Raspberry Pi, warnte am 14. Mai 2026 vor den wirtschaftlichen Folgen einer KI-Überbewertung. In einem Podcast erklärte er, dass die Angst vor dem Wegfall von IT-Berufen junge Talente abschrecken könnte. Dies würde den bestehenden Fachkräftemangel verschärfen und das langfristige Wirtschaftswachstum gefährden.

Die aktuelle Begeisterung für generative Künstliche Intelligenz führt zu einer paradoxen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Während die technologischen Möglichkeiten von Werkzeugen wie ChatGPT und Claude gefeiert werden, wächst zeitgleich die Sorge, dass diese Systeme menschliche Experten in der Informatik überflüssig machen. Eben Upton, der Gründer von Raspberry Pi, sieht darin ein erhebliches Risiko für die wirtschaftliche Stabilität.

Die Gefahr der Fehlwahrnehmung von KI-Fähigkeiten

In einem Gespräch im Podcast Big Boss Interview der BBC argumentierte Upton, dass eine Tendenz zur Überschätzung der KI-Fähigkeiten die Karriereentscheidungen künftiger Generationen negativ beeinflussen könnte. Menschen neigten derzeit dazu, die tatsächlichen Möglichkeiten dieser Werkzeuge überzubewerten, was zu einer verzerrten Wahrnehmung des Arbeitsmarktes führe. Diese Fehlwahrnehmung könne die Entscheidungen der Menschen so verzerren, dass der Fachkräftemangel eher verschlimmert als verbessert wird.

Die Sorge gilt insbesondere der Annahme, dass eine Vielzahl von Programmier- und Informatikrollen in den kommenden Jahren komplett verschwinden wird. Upton warnt davor, dass die Begeisterung für die Werkzeuge den Blick auf die notwendigen Grundlagen verstellt. Wenn angehende Entwickler und Studierende glauben, dass ihre Fähigkeiten durch KI ersetzt werden, sinkt der Anreiz, die notwendige Ausbildung zu absolvieren.

Eine Überschätzung der Fähigkeit von Chatbots, Menschen zu ersetzen, könnte viel von der guten Arbeit zunichtemachen, die nicht nur von Raspberry Pi, sondern von vielen anderen Organisationen geleistet wurde, um Menschen für technische Berufe zu begeistern.

Eben Upton, Gründer von Raspberry Pi

KI als Sündenbock für Personalabbau

Die Befürchtungen über den Wegfall von Arbeitsplätzen werden durch die jüngsten Entwicklungen bei großen Technologieunternehmen befeuert. Amazon, Meta und Microsoft machten im vergangenen Jahr zehntausende Entlassungen mit der Einführung von KI-Technologien fertig. Diese öffentlich kommunizierten Gründe verstärken das Narrativ einer Substitution von menschlicher Arbeit durch Maschinen.

Analysten und Experten hinterfragen diese Kausalität jedoch. Es gibt Hinweise darauf, dass die Künstliche Intelligenz in diesen Fällen als Sündenbock dient, um Personalabbau zu rechtfertigen. Tatsächlich könnten die Entlassungen eine Reaktion auf die übermäßige Einstellung von Personal während der Post-Covid-Phase sein. Die KI-Narrative würden es den Unternehmen ermöglichen, notwendige Korrekturen der Belegschaft strategisch zu tarnen, anstatt Fehlplanungen in der Personalpolitik einzugestehen.

Bildungsentscheidungen in einem Datenvakuum

Besonders kritisch sieht Upton die Auswirkungen auf die Bildungsebene. Eltern und Schüler stehen heute vor der Frage, wie sie ihre schulische Laufbahn in einer Zukunft gestalten sollen, die von KI geprägt ist. In Großbritannien betrifft dies konkret die Wahl der GCSE-Fächer (General Certificate of Secondary Education), die den Weg zu weiterführenden Qualifikationen ebnen.

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Die Frage, welche Orientierungshilfe man seinem Kind bei der Wahl der GCSE-Fächer im Kontext einer KI-Zukunft geben solle, lässt sich derzeit nicht mit belastbaren Daten beantworten. Laut Upton gibt es keine rationalen Grundlagen für solche langfristigen Entscheidungen, da die tatsächlichen Auswirkungen der KI auf die Berufswelt noch nicht messbar sind.

Seine Empfehlung an Eltern und Bildungseinrichtungen ist daher eine strategische Geduld: Warten Sie fünf Jahre, warten Sie zehn Jahre, und dann wissen wir vielleicht etwas. Eine voreilige Abkehr von technischen Fächern auf Basis aktueller Trends könnte eine Lücke hinterlassen, die in einem Jahrzehnt nicht mehr zu schließen ist.

Die Abhängigkeit des Wirtschaftswachstums von Ingenieuren

Die langfristigen ökonomischen Folgen einer sinkenden Attraktivität von Tech-Berufen sind gravierend. Für Upton ist der Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Fachkräften und dem Wirtschaftswachstum direkt. Auf die Frage, ob die aktuelle Tendenz, junge Menschen von technischen Berufen abzuschrecken, das Wachstum schädigen könne, antwortete er: Absolut. Wir brauchen ein Angebot an Ingenieuren.

Raspberry Pi, dessen Geräte die meistverkauften Computer eines britischen Unternehmens sind, hat eine zentrale Rolle bei der Förderung des Programmierens als Hobby und Beruf eingenommen. Die Gefahr besteht darin, dass die Begeisterung für das „Machen“ und Verstehen von Technik durch die Bequemlichkeit automatisierter Lösungen ersetzt wird. Wenn die Basis an Ingenieuren schrumpft, sinkt die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, eigene Innovationen zu entwickeln, anstatt nur bestehende KI-Werkzeuge ausländischer Anbieter zu konsumieren.

Die aktuelle Situation zeigt eine Diskrepanz zwischen dem kurzfristigen Hype um generative KI und den langfristigen Anforderungen an eine funktionierende industrielle und digitale Infrastruktur. Während die Werkzeuge zweifellos genuin unglaublich sind, bleibt die menschliche Expertise die notwendige Bedingung für deren Weiterentwicklung und Anwendung.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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