Ein 24-jähriger Niederländer wurde in Amsterdam als mutmasslicher Anführer der Hackergruppe ShinyHunters festgenommen. Die niederländische Polizei vollzog die Razzia bereits am 15. September 2026, eine Woche bevor die Erpresserbande behauptete, in FBI-Server eingedrungen zu sein. Auf seinem Laptop fanden Ermittler zudem Hinweise auf eine geplante Mordanstiftung im Ausland.
Nach Angaben der niederländischen Polizei vom Dienstag soll der Verdächtige eine zentrale Rolle in der Erpresserbande ShinyHunters einnehmen. Ein Gericht in Rotterdam ordnete inzwischen eine 90-tägige Untersuchungshaft an. Die US-amerikanische Bundespolizei FBI stuft den Verhafteten in einer auf YouTube veröffentlichten Stellungnahme als massgeblichen Akteur oder Anführer der Gruppierung ein.
Frühere Verurteilung und rasche Rückkehr in die IT-Sicherheit
Die niederländischen Behörden nennen den Verdächtigen aus Datenschutzgründen lediglich beim Kürzel Pepijn van der S.
, wie unter anderem der amerikanische Cybersicherheits-Experte Brian Krebs berichtete. Der junge Mann ist den Justizbehörden kein Unbekannter. Im Jahr 2023 wurde er wegen Hacking, Erpressung, Ransomware-Angriffen und Geldwäsche von über 1,5 Millionen Euro in Kryptowährungen zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt, von der ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt war. Im Dezember 2025 kam er aus dem Gefängnis frei und stand zum Zeitpunkt der aktuellen Razzia noch unter Bewährung.
Nur wenige Monate nach seiner Entlassung fand er eine Anstellung als IT-Sicherheitsexperte bei einer Amsterdamer IT-Sicherheitsfirma. Am 15. September 2026 durchsuchte eine Spezialeinheit der niederländischen Polizei sein Haus im Amsterdamer Stadtteil Rivierenbuurt sowie die Büroräume seines Arbeitgebers. Der Geschäftsführer der Firma bestätigte die Durchsuchung, betonte jedoch, dass keine Kundensysteme kompromittiert wurden. Die Justiz hielt den Zugriff zunächst knapp zwei Wochen lang unter Verschluss.
FBI-Warnung und brisante Funde auf beschlagnahmten Datenträgern
Brisanterweise erfolgte die Festnahme exakt eine Woche vor der öffentlichen Behauptung von ShinyHunters, sie seien in Server des FBI eingedrungen und hätten unter anderem Personaldaten erbeutet. Das FBI reagierte darauf am Dienstag mit einer Videobotschaft.
Ihr wisst, wie ihr uns findet, und wir wissen, wie wir euch finden. Ich schlage vor, ihr meldet euch zuerst, solange ihr noch die Wahl habt.
Brett Leatherman, stellvertretender Leiter der Cyberabteilung des FBI
Neben den Ermittlungen im Zusammenhang mit ShinyHunters – einer Dachmarke für Cyberkriminelle, die mit der sogenannten Pay-or-Leak
-Taktik und Angriffen auf Cloud-Plattformen schätzungsweise mindestens 70 Millionen US-Dollar erpresst haben soll – stiessen die Ermittler bei der Auswertung sichergestellter Datenträger auf ein weiteres Verbrechen. Auf dem Laptop des 24-Jährigen fanden sich Beweise für eine versuchte Anstiftung zu zwei Morden im Ausland. Die niederländische Polizei stellte klar, dass dieser Verdacht in keinem direkten Zusammenhang mit den Cyberkriminalitäts-Ermittlungen steht.
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