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Technik und Wissenschaft

Britisches Parlament: Abgeordnete nutzen heimlich immer mehr KI-Texte

Wissenschaftler haben aufgedeckt, dass im britischen Parlament vermehrt KI-generierte Texte ohne jegliche Kennzeichnung verwendet werden.

Im britischen Parlament greifen Abgeordnete bei ihrer täglichen Arbeit zunehmend zu künstlicher Intelligenz. Laut einer Untersuchung von Forschern der Edinburgh Napier University und der Chalmers University of Technology in Schweden tauchen in parlamentarischen Texten immer mehr Ausschnitte auf, die von Large Language Models verfasst wurden (wie die Hochschule berichtete). Überraschend für die beteiligten Wissenschaftler war vor allem der Umstand, dass kein einziger Politiker diese Unterstützung offenlegte.

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Anstieg im Westminster-Parlament und internationaler Vergleich

Das Forschungsteam analysierte rund 4.200 politische Vorschläge aus dem Westminster-Parlament. Dabei stoss es auf 243 Texte mit KI-Anteilen, wobei der prozentuale Anteil im Jahresvergleich kontinuierlich zunahm. Während der Wert im Jahr 2022 noch bei 3,5 Prozent lag, wuchs er in den darauffolgenden Jahren über 4,4 Prozent im Jahr 2023 und 6,1 Prozent im Jahr 2024 auf 8,1 Prozent im Jahr 2025 an. Für das Jahr 2026 kletterte der Wert schließlich auf 15 Prozent der untersuchten Westminster-Anträge. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich im schwedischen Parlament, wo im Sitzungszeitraum 2025 bis 2026 fast zehn Prozent der Anträge mit KI-Hilfe entstanden.

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Die automatisierte Textanalyse mittels des Instruments Pangram zeigte laut Medienberichten, dass mittlerweile im Schnitt jedes zehnte Wort in den britischen Parlamentsdebatten maschinell entworfen wird. Im direkten internationalen Vergleich zeigt sich, dass Grossbritannien keineswegs isoliert dasteht. Unter den englischsprachigen Parlamenten nutzen australische und kanadische Abgeordnete die Technologie noch intensiver; ihre entsprechenden Reden wurden dreimal so häufig registriert wie im britischen Parlament.

Britisches Parlament: Abgeordnete nutzen heimlich immer mehr KI-Texte
Foto: 20min

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Nutzungsverhalten einzelner Abgeordneter und Reaktionen

Mehr als die Hälfte der britischen Abgeordneten setzt KI kaum für ihre Reden ein, während eine kleinere Gruppe die Technologie besonders intensiv nutzt. Zu den produktivsten Anwendern gehören häufig jüngere Abgeordnete, die erst im Jahr 2024 gewählt wurden. Angeführt wird die Statistik vom konservativen Abgeordneten Neil Shastri-Hurst, bei dem drei Viertel der parlamentarischen Beiträge aus dem vergangenen Jahr als KI-geschrieben markiert wurden. Auch der unabhängige nordirische Abgeordnete Alex Easton, Steve Yemm und Sarah Hall von der Labour Party gehören zu den intensivsten Nutzern.

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Während einige Politiker ihre Hilfsmittel offen einräumen, reagieren andere überrascht oder bestreiten den Einsatz. Steve Yemm erklärte, sein Büro nutze allgemeine KI-Produktivitätswerkzeuge im Rahmen der parlamentarischen Richtlinien für viele Aufgaben, darunter auch die Redevorbereitung.

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Jede beim Schreiben einer Rede eingesparte halbe Stunde bedeutet weitere 30 Minuten, die wir für die Unterstützung meiner Wähler einsetzen können.

Sarah Hall, Labour Party

Bei den Führungspersonen und Ministern, deren Teams besser ausgestattet sind, bleibt der KI-Anteil in Reden hingegen gering. Bei Beiträgen von Politikern wie Kemi Badenoch, Sir Ed Davey oder Nigel Farage ließen sich keine nennenswerten maschinellen Anteile nachweisen.

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Methodik der Detektoren und Forderungen nach Transparenz

Für die Untersuchung entwickelten die Forscher um Minerva Suvanto, Andrea McGlinchey, Dr. Peter J. Barclay und Professor Mattias Wahde spezielle Detektoren für Englisch und Schwedisch. Die Klassifikatoren wurden mit tausenden Anträgen aus der Zeit vor dem Erscheinen generativer KI-Werkzeuge trainiert und basieren auf statistischen Mustern von Wortkombinationen. Tests mit Texten aus dem Jahr 2021 bestätigten eine hohe Verlässlichkeit der Systeme.

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Wissenschaftler warnen vor den Folgen unkontrollierter KI-Nutzung. Chatbots neigen dazu, auf wiederkehrende Formeln zurückzugreifen, und können unbeabsichtigt den Tonfall verändern oder Fehler einbauen. Dr. Peter J.

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Other research shows that the use of AI may change the intended ‘tone’ of a document, or even potentially introduce outright errors.

Dr. Peter J. Barclay, Edinburgh Napier University

Zudem zeigen Umfragen, etwa vom britischen Statistikamt im Juni 2026, dass nur vier Prozent der Befragten KI bei Regierungsentscheidungen vertrauen. Angesichts dieser Bedenken fordern die Studienautoren eine offenere Handhabung.

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While our research does not address regulatory frameworks and focuses only on evidence of undisclosed AI usage in the language patterns of parliamentary texts, our results suggest that greater transparency is required.

Andrea McGlinchey, Edinburgh Napier University

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.