In der Demokratischen Republik Kongo hat sich ein Ebola-Ausbruch auf insgesamt 63 Gebiete in sieben Provinzen ausgeweitet. Die durch das Bundibugyo-Virus verursachte Welle gilt als der tödlichste Ausbruch in der Geschichte des Landes.
Laut Regierungsdaten und Berichten des staatlichen Gesundheitsinstituts liegen die Zahlen der bestätigten Infektionen bei 8.067, während die Zahl der Todesopfer auf 3.901 gestiegen ist. Damit hat diese Epidemie die Ausbrüche der Jahre 2018 bis 2020 übertroffen und stellt weltweit die zweitschwerste Ebola-Welle dar, nur übertroffen von der Westafrika-Epidemie 2014 bis 2016.
Ausweitung des Virus nach Bulu und Dungu
Die Weltgesundheitsorganisation meldete am Freitag, dass sich das Virus auf zwei weitere Gesundheitszonen ausgebreitet hat. Betroffen sind nun Bulu in der Provinz Sud-Ubangi sowie Dungu in der Provinz Haut-Uele, welche unmittelbar an den Südsudan grenzen. Insgesamt sind mittlerweile 63 Gebiete in sieben Provinzen infiziert.
Regionale Konflikte erschweren die Lage.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte, dass regionale Konflikte und massive Vertreibungen die Bekämpfung massiv erschweren. Der eingeschränkte Zugang zu bestimmten Gebieten hindere das Gesundheitspersonal daran, Kontaktpersonen aufzuspüren. Gleichzeitig erhöhe die Beengtheit in den Unterkünften der Vertriebenen das Risiko für weitere Übertragungen.

Testimpfungen mit Ervebo in der Provinz Ituri
Ein zentrales Problem im aktuellen Kampf gegen die Epidemie ist das Fehlen zugelassener Impfstoffe für den spezifischen Bundibugyo-Stamm des Virus. Bisher ist ein Schutz durch den Impfstoff Ervebo lediglich bei der Zaire-Variante nachgewiesen. Um diese Lücke zu schließen, wurden in der vergangenen Woche 20.000 Dosen von Ervebo für eine klinische Studie in der Provinz Ituri bereitgestellt.
Die Testimpfungen richten sich primär an Mitarbeiter des Gesundheitswesens, da diese dem Virus am stärksten ausgesetzt sind. Die WHO versucht damit, die Wirksamkeit des Vakzins gegen die aktuelle Variante zu prüfen, da das Fehlen einer Therapie dazu führen kann, dass Betroffene Behandlungszentren aus Angst oder Misstrauen meiden.

Historischer Vergleich der globalen Ebola-Wellen
Die Schwere des aktuellen Ausbruchs wird besonders im Vergleich zu früheren Krisen deutlich.
| Zeitraum/Region | Infektionen | Todesfälle |
|---|---|---|
| Westafrika (2014–2016) | über 28.600 | über 11.000 |
| DR Kongo (aktuell 2026) | 8.067 | 3.901 |
Trotz der hohen Zahlen berichtet die WHO, dass die Fallzahlen insgesamt zurückgehen. Verbesserungen seien bei der Kontaktverfolgung, den sicheren Bestattungen und der Einbindung der lokalen Bevölkerung zu verzeichnen, auch wenn die Übertragung in den betroffenen Zonen weiterhin uneinheitlich verläuft.
Aufruf zur Pandemievorsorge und Kritik an Desinformation
Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise mahnte Tedros Adhanom Ghebreyesus die Staaten zur Stärkung ihrer Pandemievorsorge. Zwar sei Ebola unlikely als künftige globale Pandemie, doch warne er vor potenziellen Erregern der Atemwege. In diesem Zusammenhang verwies er auf das im Mai 2025 verabschiedete Pandemieabkommen der Weltgesundheitsversammlung.
Tedros kritisierte zudem die Verbreitung von Fehlinformationen über dieses Abkommen. Behauptungen, es handle sich dabei um einen Machtgriff der WHO zur Aufhebung nationaler Souveränität, wies er als völlig falsch zurück.