Die BASF SE hat Evonik Industries AG in einer unverbindlichen Ansprache ein Übernahmeangebot von rund 10,3 Milliarden Euro beziehungsweise rund 22,15 Euro je Aktie unterbreitet, das der Essener Spezialchemiekonzern jedoch als zu niedrig zurückwies und am 28. September 2026 unmissverständlich ablehnte.
Sollte sich die Nummer eins der hiesigen chemischen Industrie mit der Nummer zwei zusammenschließen, entstünde ein Riese von historischer Dimension. Doch von einem Abschluss sind die beiden Konzerne weit entfernt. Evonik stellte unmissverständlich klar, dass derzeit keine Gespräche stattfinden.
Das Angebot und die Ablehnung durch Evonik
Hinter den Kulissen bot der Ludwigshafener Branchenprimus etwa 10,3 Milliarden Euro für sämtliche Aktien, was einem Stückpreis von rund 22,15 Euro entspricht. Nach Angaben von Finanz- und Unternehmenskreisen winkte der Vorstand in Essen ab, weil diese Summe den wahren Unternehmenswert nicht widerspiegelt. Die Beteiligten hatten die Kontaktaufnahme am Freitagnachmittag öffentlich bestätigt, nachdem BASF erklärt hatte, eine Übernahme zu sondieren.
Für die Aktionäre von Evonik brachte die Offerte Bewegung in die Kurse. Vor Bekanntgabe der Sondierungen lag der Aktienkurs in den vorangegangenen drei Monaten im Schnitt bei rund 15 Euro, wie die DZ Bank anmerkte. Ein Preis von 22 Euro entspräche demnach einer Übernahmeprämie von rund 46 Prozent und läge damit klar über der branchenüblichen Marge von 30 bis 40 Prozent, berichtet n-tv. Am 28. September 2026 notierte das Papier am Nachmittag bei 19,56 Euro.

Die Rolle der RAG-Stiftung und der Gewerkschaft IGBCE
Ein zentraler Schlüssel für jede Transaktion liegt in Essen: Die RAG-Stiftung, die die Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus finanziert, hält knapp 44 Prozent der Evonik-Anteile. Zusammen mit den beteiligten Unternehmen hatte die Stiftung am Freitag das Bestehen des Angebots offengelegt. Ob die Großaktionärin den Weg für eine Mega-Fusion freimacht, ist völlig offen.
Kritische Töne schlägt indes die Chemiegewerkschaft IGBCE an. Deren Vorsitzender Michael Vassiliadis erklärte in Hannover, dass eine bloße Vergrößerung durch den Zusammenschluss zweier erfolgreicher Unternehmen noch lange keine Zukunftsgeschichte für Standorte und Belegschaften garantiere.

„Für die Beschäftigten und Standorte von BASF wie von Evonik braucht es vielmehr Zukunftsperspektiven und Investitionszusagen.“
Michael Vassiliadis, IGBCE-Vorsitzender, via Zeit
Vassiliadis verwies darauf, dass beide Konzerne ohnehin harte Restrukturierungsprogramme abarbeiten und sich davor hüten müssten, diese Schraube zu überdrehen erklärte die Gewerkschaft in Hannover.
Restrukturierung bei Evonik und das wirtschaftliche Umfeld
Der Zeitpunkt des Vorstoßes fällt in eine Phase tiefgreifender innerbetrieblicher Umbrüche. Evonik treibt unter dem Namen Evonik Tailor Made
ein massives Sparprogramm voran. Erst am 22. September 2026 hatte der Konzern seine Wachstumsstrategie bis 2030 konkretisiert. Weltweit sollen 3.200 Stellen wegfallen, davon rund 2.150 in Deutschland, während gleichzeitig kleiner Standorte in Hamburg und Bitterfeld vor dem Aus stehen berichten regionale Nachrichtenportale unter Bezugnahme auf Ad-hoc-Mitteilungen.
Analysten weisen darauf hin, dass Evonik derzeit ein zyklisches Tief durchläuft. Zwar könnte ein auf mittleren Zyklen basierender Preis das Angebot von rund 22 Euro rechtfertigen. Strukturelle Probleme wie hohe Energiepreise, die Wachstumsschwäche in Europa und der scharfe Wettbewerb aus China lassen sich jedoch durch eine konjunkturelle Erholung allein nicht lösen. Marktbeobachter betonen, dass für solche dauerhaften Hürden keine Besserungsprämie
gerechtfertigt sei.
| Unternehmen | Sitz | Kennzahlen und jüngste Entwicklungen |
|---|---|---|
| BASF SE | Ludwigshafen am Rhein | Umsatz 2025 von rund 60 Milliarden Euro; rund 95.000 Beschäftigte weltweit. |
| Evonik Industries AG | Essen | RAG-Stiftung hält knapp 44 Prozent; Restrukturierungsprogramm sieht den Abbau von 3.200 Stellen vor. |
Ob BASF die Offerte nach der Abfuhr nachbessert oder ob die Sondierungen ergebnislos abgebrochen werden, bleibt abzuwarten. Beide Konzerne haben betont, dass der Ausgang völlig offen ist.