Ein beispielloser Machtkampf erschüttert einen der größten indischen Wirtschaftskonzerne, die 158 Jahre alte Tata Group. Im September setzte die Führung der Holding Tata Sons die Wiederwahl ihres Vorstandschefs gegen den Hauptanteilseigner Tata Trusts durch, was einen tiefen Riss im traditionsreichen Firmenimperium offenbart.
Machtkampf an der Spitze von Tata Sons und Tata Trusts
Der Disput entbrannte um die Zukunft des Konglomerats und gipfelte in einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand der Holdinggesellschaft Tata Sons und dem mächtigen Mehrheitsgesellschafter Tata Trusts.
Auslöser der Eskalation war eine Abstimmung am 17. September im Board von Tata Sons. Dabei wurde der amtierende Vorstandschef N. Chandrasekaran in einer Abstimmung mit 4 zu 1 Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt. Überstimmt wurde dabei Noel Tata, der als nominierter Vertreter der Familienstiftungen im Gremium sitzt.
Umstrittene Wiederwahl und juristische Schritte
Der Streit hat weitreichende Konsequenzen für das Gefüge des Konzerns. Zuvor hatte Chandrasekaran erklärt, er strebe nach Februar 2027 keine weitere Amtszeit an. Der Vorstand von Tata Sons bat ihn jedoch, im Interesse der larger interests
des Konzerns seine Entscheidung zu überdenken – eine Bitte, die Chandrasekaran annahm.
Noel Tata, der nach dem Tod von Ratan Tata im Jahr 2024 den Vorsitz der Tata Trusts übernommen hat, kritisierte die Wiederwahl scharf. Er stufte den Vorgang als unzulässig ein. Zur Begründung verwies er auf die Statuten von Tata Sons, wonach die beiden Vertreter der Familienstiftungen im Vorstand ihr Stimmverhalten koordinieren müssen. Während Noel Tata gegen die Wiederwahl stimmte, votierte der zweite Stiftungsvertreter, Venu Srinivasan, dafür.
Die Wiederwahl ist illegal.
Dieser Konflikt zwischen dem Management und den Familienstiftungen, die 66 Prozent der Anteile an Tata Sons halten, soll nun vor den Gerichten geklärt werden.
Strategische Weichenstellungen und Druck zur Börsennotierung
Hinter der offenen Konfrontation stehen fundamentale Richtungsstreitigkeiten über die künftige Ausrichtung des jahrhundertealten Wirtschaftsimperiums. Neben der Personalie Chandrasekaran geht es vor allem um die Frage, ob die Holdinggesellschaft Tata Sons an die Börse gebracht werden soll. Während externer Druck von Behörden auf eine solche Notierung drängt, stellt dies einen Bruch mit der jahrzehntelangen Praxis der als sozial orientiert geltenden Stiftungen dar.
Ebenfalls im Raum stehen Überlegungen, dem zweitgrößten Anteilseigner des Unternehmens, Shapoorji Pallonji, einen geregelten Ausstieg zu ermöglichen. Die Tragweite dieser Entscheidungen betrifft nicht nur die Zentrale in Bombay House, sondern auch zahlreiche Kleinanleger sowie Pensionskassen, Versicherungen und Investmentfonds, deren Interessen laut Einschätzungen der Beratungsfirma InGovern eng mit dem Schicksal des Konzerns verknüpft sind.
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