Der Chemiekonzern BASF hat Evonik mit einem unverbindlichen Vorschlag für ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot aller Aktien angesprochen. Gespräche laufen nach Angaben beider Unternehmen derzeit nicht, während eine mögliche Transaktion vor allem von der RAG-Stiftung als Großaktionärin abhängt. Evonik-Aktien reagierten mit einem deutlichen Kursplus.
Der Ludwigshafener Branchenriese BASF hat ein Auge auf den Spezialchemieanbieter Evonik geworfen
Mitten in einer anhaltenden Branchenkrise sorgt ein möglicher Großangriff im deutschen Chemiemarkt für Aufsehen. Der Ludwigshafener Branchenriese BASF hat ein Auge auf den Spezialchemieanbieter Evonik geworfen und ist mit einer unverbindlichen Ansprache an den Essener Konkurrenten herangetreten. Das Ziel ist ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft. Zuvor hatten Medien entsprechend berichtet, unter anderem die Financial Times
und die Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg hat BASF seit mehreren Monaten mit Beratern einen Deal sondiert. Die „FT“ berichtete am Freitag zuvor unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass die Ludwigshafener hinsichtlich einer Übernahme nicht nur mit dem Unternehmen, sondern auch mit der RAG-Stiftung als Evonik-Großaktionärin gesprochen hätten. Bereits am Dienstag hatte das Fachmagazin „Dealreporter“ über Interesse der Ludwigshafener an Evonik berichtet, seither zog der Kurs sukzessive an. Demnach soll BASF in diesem Jahr Gespräche mit Evonik über eine mögliche Transaktion geführt haben. Dealreporter habe diese Angaben von drei Personen erhalten, die mit der Angelegenheit vertraut seien. Auch Mergermarket, ein auf Fusionen und Übernahmen spezialisierter Informationsdienst, habe über entsprechende Übernahmegerüchte berichtet, sagte ein Analyst. „Grundsätzlich kommentieren wir keine Marktgerüchte oder Spekulationen, teilte ein BASF-Sprecher auf Anfrage mit. Evonik lehnte ebenfalls eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

Reaktionen an der Börse und der deutliche Kurssprung der Evonik-Aktie
Die Nachricht über die Sondierungen schickte die Evonik-Aktie steil nach oben. Die Aussicht auf eine mögliche Übernahme durch BASF hat der Aktie von Evonik am Freitag einen deutlichen Kurssprung von 7,9 Prozent beschert. Das Papier schloss bei 19,44 Euro und markierte am selben Tag mit 20,00 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Am Freitag springt der Kurs zeitweise um rund 11 Prozent auf gut 20 Euro. Die Nachricht schickt die Evonik-Aktie auf den höchsten Stand seit Mai 2025 — und liefert der Übernahmefantasie der vergangenen Tage plötzlich handfeste Substanz. Laut Reuters trieben die Spekulationen über einen Zusammenschluss den Handel an.
Ganz anders stellte sich das Bild beim potenziellen Übernehmer dar. BASF-Aktien geben im Gegenzug rund 3 Prozent nach und rutschen an ihre 100-Tage-Linie. Die Aktien von BASF gaben spürbar nach, während Evonik-Papiere kräftig anzogen. Im Xetra-Handel stand die BASF-Aktie bei 50,42 Euro (-3,59 %). Evonik bringt an der Börse rund 8,4 Milliarden Euro auf die Waage, inklusive Nettoverschuldung liegt der Unternehmenswert bei etwa zwölf Milliarden Euro. BASF selbst kommt auf einen Marktwert von rund 47 Milliarden Euro. Gemeinsam würden beide Konzerne einen Umsatz von 74 Milliarden Euro stemmen. Ein Deal wäre angesichts Evoniks Börsenwert groß. Dieser kletterte wegen des Kursanstiegs infolge des Vorstoßes.
Die Rolle der RAG-Stiftung als zentraler Schlüssel für einen möglichen Deal
BASF hat Evonik und dessen Großaktionär RAG-Stiftung einem Zusammenschluss vorgeschlagen
Aus Spekulation wird offenbar ein handfestes Angebot: BASF hat Evonik und dessen Großaktionär RAG-Stiftung einem Zusammenschluss vorgeschlagen. BASF bestätigte Sondierungen mit Evonik sowie der RAG-Stiftung über eine denkbare Übernahme, betonte dabei jedoch, dass Fortgang und Ausgang des Vorhabens offen sind. Ein konkretes Angebot liegt nach Informationen des Handelsblatts bislang nicht vor. Eine Schlüsselrolle bei den Vorgängen kommt der RAG-Stiftung zu. Die Stiftung bestätigte, von BASF bezüglich eines möglichen Angebots kontaktiert worden zu sein. Mit einem Anteil von rund 43,8 Prozent an den ausgegebenen Evonik-Aktien (bzw. rund 43 Prozent laut anderen Angaben) ist die RAG-Stiftung die größte Anteilseignerin des Konzerns. Um ihre Abhängigkeit von der Chemiebranche zu reduzieren, plant die Stiftung jedoch, ihre Beteiligung langfristig auf 25,1 Prozent zu senken.

Der weltgrößte Chemiekonzern wolle mit einem Kauf seinen regionalen Fußabdruck sowie seine Produktpalette ausbauen, unter anderem, um im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stärker dazustehen, hieß es in dem Blatt. Die Ludwigshafener wollen mit dem Zusammenschluss ihren globalen Fußabdruck vertiefen und das Portfolio im Spezialchemie-Geschäft stärken — in einem Branchenumfeld, das beiden Konzernen zuletzt zu schaffen machte. BASF soll bereits seit Jahresbeginn mit Banken über eine mögliche Übernahme gesprochen haben.
Die US-Bank JPMorgan hält allerdings eine Übernahme von Evonik durch BASF für eher unwahrscheinlich
Die US-Bank JPMorgan hält allerdings eine Übernahme von Evonik durch BASF für eher unwahrscheinlich. Nach Ansicht von Analyst Chetan Udeshi gäbe es für BASF bessere Alternativen. Zudem ist ohnehin fraglich, ob die Ludwigshafener in dieser schwierigen Phase einen teuren Deal stemmen wollen, während die Essener bestätigten, dass der Ludwigshafener Chemiegigant mit einer unverbindlichen Ansprache auf das Unternehmen zugegangen ist. Konkrete Gespräche laufen laut Evonik derzeit keine. Evonik stellte klar, dass derzeit keine Gespräche stattfinden, und die Essener bestätigten am Freitag offiziell den Eingang der unverbindlichen Ansprache zu einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot für sämtliche Aktien.

Parallel laufende Konzernumbauten und Sparprogramme bei beiden Chemiekonzernen
Mitten in einer tiefen Branchenkrise streckt BASF die Hand nach Evonik aus. BASF und Evonik sehen sich beide einem Branchenumfeld gegenüber, das beiden Konzernen zuletzt zu schaffen machte.