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Welt

Kroatien führt für Gastronomiebetriebe neue Preisangaben ab Oktober 2026 ein

Ab dem 1. Oktober 2026 müssen Gastronomiebetriebe und Dienstleister in Kroatien neben dem aktuellen Preis auch einen historischen Referenzpreis auf ihren Speisekarten und Preislisten ausweisen. Die kroatische Regierung begründet die neue Vorgabe mit mehr Preistransparenz für Urlauber und Einheimische angesichts steigender Lebenshaltungskosten.

Wer in den kommenden Wochen an der Adria in ein Restaurant oder Café einkehrt, muss sich auf ungewohnte Anblicke auf der Speisekarte einstellen. Statt wie gewohnt nur einen Betrag vorzufinden, verlangt das Wirtschaftsministerium von sämtlichen Betrieben die Angabe eines sogenannten Ankerpreises als verbindliche Orientierungshilfe für Verbraucher.

Als historisches Referenzdatum ist dafür der 10. September 2026 festgelegt worden. Kostete eine Pizza im Vormonat noch 18 Euro und schlägt im Oktober mit 20 Euro zu Buche, müssen laut den neuen Vorgaben des Wirtschaftsministeriums beide Beträge direkt nebeneinander aufgeführt werden. Das gilt selbst dann, wenn der Preis für ein Gericht unverändert geblieben ist.

Strengere Vorgaben für digitale Speisekarten und Rabatte

Die neue Verordnung beschränkt sich keineswegs auf gedruckte Menükarten vor Ort. Betriebe, die über einen eigenen Internetauftritt verfügen, sind angehalten, ihre Preislisten dort ebenfalls anzupassen und als maschinenlesbare Dateien bereitzustellen.

Treten Preisänderungen in Kraft, müssen Dienstleister diese digitalen Verzeichnisse spätestens bis acht Uhr morgens am Tag der Gültigkeit aktualisieren. Ältere Preislisten müssen zudem für die Dauer von mindestens 30 Tagen öffentlich abrufbar bleiben. Bei Angeboten mit Preisnachlässen wird es noch unübersichtlicher: Dann schreibt die Regelung vor, dass mindestens drei verschiedene Preisangaben gleichzeitig auf oder an dem Produkt erscheinen müssen.

Hintergrund der Verordnung und steile Preisanstiege

Hintergrund der Massnahme ist die anhaltende Teuerungswelle, die Kroatiens Ruf als preiswerte Alternative im Mittelmeerraum seit Jahren belastet. Offizielle Zahlen des kroatischen Statistikamts belegen, dass die Preise in der Tourismusbranche zwischen 2015 und 2024 um 70 Prozent gestiegen sind. Hinzu kam die Euro-Einführung Anfang 2023, die von zahlreichen Betrieben für kräftige Preiserhöhungen genutzt wurde. Im August verharrte die Inflation bei 4,2 Prozent.

Restaurants in Kroatien müssen neuen Referenzpreis angeben
Foto: Blick

Wirtschaftsminister Ante Šušnjar verteidigt die Massnahme als notwendigen Schritt für Transparenz, damit Konsumenten die Preisentwicklung leichter nachvollziehen können. Von der Pflicht ausgenommen sind lediglich Unterkunftspreise auf Vermittlerplattformen.

Heftige Kritik aus der Gastronomie und Verbandsreaktionen

Bei den betroffenen Unternehmen stösst die staatliche Vorgabe auf massiven Widerstand.

Kroatien führt für Gastronomiebetriebe neue Preisangaben ab Oktober 2026 ein
Foto: FOCUS online

Letica befürchtet erhebliche Verwirrung darüber, welcher Betrag letztlich zu bezahlen ist. Ein Teil der Zagreber Gastronomie prüft daher rechtliche Schritte gegen die Regelung. Auch der kroatische Arbeitgeberverband HUP warnt davor, dass gut gemeinte Transparenz in eine technisch und administrativ überbordende Belastung umschlagen könnte. Unterdessen zeigen Umfragen unter Verbrauchern ein gespaltenes Bild: Während ein Drittel die Transparenz begrüsst, hält ein ebenso grosser Teil die Massnahme für unnötig kompliziert.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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