Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat am Donnerstag einen Schulversuch zur Einführung der sechsjährigen Volksschule ab dem Schuljahr 2027/28 angekündigt, der in mindestens fünf Schulen und drei Bundesländern starten soll. Das Vorhaben trifft auf heftige Kritik von ÖVP und FPÖ, die den Plan als inhaltsleeren PR-Auftritt oder ideologischen Schritt werten.
Schulversuch zur Einführung der sechsjährigen Volksschule ab dem Schuljahr 2027/28
Das österreichische Schulsystem steht möglicherweise vor einem tiefgehenden Umbruch. Ab dem Schuljahr 2027/28 soll die vierjährige Volksschule im Rahmen eines Pilotversuchs an mindestens fünf ausgewählten Standorten in wenigstens drei Bundesländern um zwei Jahre verlängert werden, wie Bildungsminister Christoph Wiederkehr am Donnerstag bekannt gab. Die Teilnahme für Schulen erfolgt auf freiwilliger Basis, ein weiterer Durchgang ist für das darauffolgende Jahr geplant.
Ein weiterer Durchgang sei im Jahr darauf geplant. Laut Wiederkehr ist die Teilnahme von Gymnasien essenziell, um aussagekräftige Daten über die Effekte der verlängerten Volksschulzeit zu gewinnen. Die Volksschuldauer beträgt aktuell vier Jahre, und mit rund zehn Jahren müssen sich Heranwachsende zwischen AHS-Unterstufe und Mittelschule entscheiden. Dass der Bildungserfolg und die finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses in Österreich einen so massiven Einfluss auf die schulischen Perspektiven der Kinder haben, betonte Wiederkehr in diesem Zusammenhang. Nicht selten entscheide das soziale Umfeld über die Schultypwahl und nicht die tatsächliche Leistung der Schüler. Eine Verlängerung der Volksschulzeit sei deshalb „vor allem eine Frage der Chancengerechtigkeit“, derzeit würden die Kinder in Österreich früher getrennt als in fast allen anderen Ländern der EU. Eine Aufteilung erst mit zwölf soll den Schülerinnen und Schülern zwei zusätzliche Jahre bringen, um in vertrauter Lernumgebung ihre Stärken zu entwickeln.”
Ein späterer Wechsel und sanfterer Übergang solle außerdem Druck herausnehmen und eine „informiertere“ Entscheidung über den weiteren Schulweg ermöglichen: „Ziel ist ein Schulsystem, das Kinder nicht schon mit zehn Jahren schubladisiert, sagte Wiederkehr.
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Struktur und Kooperationen des neuen Modells
Inhaltlich soll das Modell den Druck von den Kindern nehmen und eine „informiertere Entscheidung über den weiteren Schulweg ermöglichen. Derzeit müssen sich Zehnjährige nach der vierten Klasse zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe entscheiden. Laut Wiederkehr geschieht diese Trennung zu früh und begünstigt soziale Ungleichheiten. Im Gegensatz zur bisherigen Praxis soll der Unterricht in den ersten zwei Klassen unverändert bleiben, während ab dem dritten Schuljahr auch Fachlehrer aus Mittelschulen oder Gymnasien punktuell mitwirken.

Die sechsjährige Volksschule soll aus drei Grundstufen bestehen – sie dauern jeweils zwei Schuljahre. In der ersten Grundstufe steht laut Wiederkehr das Unterrichten durch die Volksschullehrerin im Fokus. Für den Unterricht ab dem dritten Schuljahr sind zudem bereits Fachkräfte aus Mittelschulen oder AHS vorgesehen. Nach den Lehrplänen von AHS oder Mittelschulen wird bereits ab dem fünften Schuljahr und damit der dritten Grundstufe unterrichtet. Danach treten die Schüler in die siebte Schulstufe der AHS oder Mittelschule über.
Ab dem fünften Schuljahr, der sogenannten Grundstufe III, wird nach den Lehrplänen der Sekundarstufe I unterrichtet. Für den Übertritt in die siebte Schulstufe garantiert das Modell einen festen Platz, bei entsprechender Eignung auch im Gymnasium.
Bedingungen für den Pilotversuch sind streng geregelt
Hohe Hürden für interessierte Standorte
Die Bedingungen für den Pilotversuch sind streng geregelt. Interessierte Volksschulen sollen sich bis 16. Oktober melden, es könnten auch einzelne Klassen am Pilotprojekt teilnehmen, so der Minister. Damit ein Standort den Zuschlag erhält, ist die Befürwortung durch die jeweiligen Lehrer- und Elternvertretungen sowie die Erziehungsberechtigten und Lehrkräfte der betroffenen Klassen zwingend erforderlich, ergänzt durch eine verlässliche Kooperation mit einer nahegelegenen Sekundarstufe-I-Schule (AHS-Unterstufe oder Mittelschule). Alternativ kommt als Durchführungsort auch die Umsetzung an Praxis-Volks- und -Mittelschulen in Betracht, die den Pädagogischen Hochschulen (PH) und damit dem Ministerium unterstehen. Eine Weisung zur Teilnahme werde es von ihm aber nicht geben, stellte Wiederkehr klar. Um räumliche Engpässe zu vermeiden, kann der Unterricht der fünften und sechsten Klasse organisatorisch auch direkt in den Partnerschulen stattfinden.
ÖVP und FPÖ kritisieren Bildungsminister Christoph Wiederkehr
Kritik von Koalitionspartnern und Opposition
Das Vorhaben wurde im Vorfeld weder mit der ÖVP noch mit der SPÖ abgestimmt, da der Bildungsminister für Schulversuche alleine zuständig ist. Die politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die ÖVP zeigte sich äußerst skeptisch gegenüber dem Projekt.
Auch die FPÖ lehnte das Vorhaben entschieden ab. FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl bezeichnete das Projekt als reinen PR-Auftritt und warf dem Minister vor, die sozialistische Gesamtschule einführen zu wollen. Lebensjahr fehle.
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