Die Hypothekenzinsen in den Vereinigten Staaten haben den höchsten Stand seit über einem Jahr erreicht. Steigende Anleiherenditen und geopolitische Spannungen im Nahen Osten belasten den Immobilienmarkt schwer, während immer mehr Käufer auf risikofreudigere Darlehensformen ausweichen, wie aktuelle Branchenberichte zeigen.
Steigende Zinsen und geopolitischer Druck im Anleihemarkt
Die durchschnittlichen Zinsen für 30-jährige Festhypotheken kletterten in den vergangenen Wochen spürbar nach oben. Laut Angaben der Mortgage Bankers Association stieg der Zinssatz für entsprechende Darlehen auf 6,85%, während der konkurrierende Anbieter Freddie Mac einen Wert von 6,71% verzeichnete. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch den US-Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf fast 4,8% – ein Niveau, das seit late 2023 nicht mehr erreicht wurde.
Rückgang der Nachfrage und Flucht in riskantere Finanzierungen
Die hohen Zinsen hinterlassen im herbstlichen Immobilienmarkt deutliche Spuren. Die gesamte Hypotheken-Antragsvolumen sank nach den saisonbereinigten Indizes der Mortgage Bankers Association um 1,5% gegenüber der Vorwoche. Besonders hart trifft es Refinanzierungen, die um 3% zurückgingen und auf den niedrigsten Stand seit Februar 2025 fielen.

Käufer und Hausbesitzer suchen händeringend nach Einsparmöglichkeiten. Das führt dazu, dass vermehrt zu sogenannten Adjustable-Rate Mortgages (ARMs) gegriffen wird – also Darlehen mit variablen Zinssätzen. Mike Fratantoni erklärte gegenüber dem Sender CNBC, da die festen Zinsen viel höher seien, hätten sich mehr Kreditnehmer für variable Darlehen entschieden, wobei der Anteil dieser Kredite 9,8% erreicht habe, da die Zinssätze für 5/1-ARMs mehr als einen Prozentpunkt niedriger lagen als die für Darlehen mit festen Zinssätzen.
Marktstagnation und Blick auf die Notenbank
Verkäufer, die während der Pandemie von extrem niedrigen Zinsen unter 4% profitiert haben, zeigen wenig Neigung, ihre Immobilien zu veräußern und sich im aktuellen Umfeld mit fast 7% Zinsen zu belasten. Diese Dynamik erzeugt ein strukturelles Ungleichgewicht aus Angebot und Nachfrage, welches die Preise trotz sinkender Transaktionszahlen hoch hält. Gleichzeitig entziehen rückläufige Refinanzierungen den Kreditgebern eine wichtige Einnahmequelle.

Während US-Präsident Trump öffentlich Zinssenkungen gefordert hat, richtet sich der Blick der Märkte auf die anstehenden Entscheidungen der Federal Reserve. Ob die Notenbank reagieren kann oder den geldpolitischen Kurs angesichts der Inflationsdaten und der Energiepreise beibehalten muss, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Monate.