Forscher haben an der Küste Brasiliens zwischen November 2023 und August 2025 bei 18 von 45 untersuchten, gestrandeten Meeressäugern Erbgut von Influenza-A-Viren nachgewiesen.
Bei systematischen Untersuchungen von gestrandeten Meeressäugern an der brasilianischen Küste fanden Wissenschaftler in 40 Prozent der analysierten Fälle virales Erbgut von Influenza-A-Viren. Das Projekt, das von November 2023 bis August 2025 lief, umfasste insgesamt 45 Tiere aus 13 verschiedenen Arten, die in den Küstenregionen der Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Rio de Janeiro und Ceará geborgen worden waren.
Nachweise bei gefährdeten Delfinarten an Brasiliens Küste
Nicht jedes Tier, das positiv auf Influenza-A getestet wurde, trug automatisch den spezifischen H5N1-Erreger in sich. Den tückischen H5N1-Stamm wiesen die Forscher in exakt zwei Proben nach. Betroffen waren ein Franciscana-Delfin sowie ein Clymene-Delfin.
Insgesamt erstreckten sich die Influenza-A-Nachweise über sechs verschiedene Arten von Meeressäugern. Neben den beiden genannten Delfinen gehörten dazu auch Lahille-Tümmler, Rauzahndelfine, kleine Pottwale und Fraser-Delfine. Für den Artenschutz ist dieser Befund von Bedeutung: Der Franciscana-Delfin gilt offiziell als gefährdet, während der Lahille-Tümmler sogar als vom Aussterben bedroht eingestuft wird. Die Wissenschaftler werten das Zirkulieren der Influenzaviren daher als zusätzliche, ernst zu nehmende Belastung für diese ohnehin schon schrumpfenden Populationen.
Viren in inneren Organen und Gewebeproben
Um auszuschließen, dass es sich bei den Funden lediglich um eine oberflächliche Verunreinigung der Tierkörper durch die Meeresumwelt oder Vögel handelte, untersuchten die Biologen neben Abstrichen auch innere Gewebe. Das Ergebnis: Virales Erbgut ließ sich unter anderem in Proben aus dem Gehirn, dem Darm sowie der Luftröhre nachrichten.
Dennoch bleiben wissenschaftliche Einschränkungen bestehen. Zwar sprechen die Funde in den Organen für echte Infektionen, doch konnten die Forscher eine sekundäre Kontamination der gestrandeten Kadaver durch See- und Küstenvögel nicht vollkommen ausschließen. Zudem waren die nachgewiesenen Virusmengen insgesamt gering. Histologische Untersuchungen an Geweben von sechs Influenza-A-positiven Tieren zeigten zudem keine typischen Krankheitsveränderungen, was allerdings auch an dem fortgeschrittenen Verwesungsstadium vieler Kadaver lag.
Parallelen zu früheren Ausbrüchen bei Robben
Die aktuellen Entdeckungen reihen sich in ein besorgniserregendes Muster ein, das Fachleute seit mehreren Jahren in ganz Südamerika beobachten. Das H5N1-Virus hat sich längst von einem reinen Vogelerreger zu einem Erreger entwickelt, der regelmäßig verschiedene Säugetierarten infiziert. Bereits im Jahr 2023 kam es an der brasilianischen Küste zu massiven H5N1-Ausbrüchen mit hoher Sterblichkeit bei Robbenarten.

Auch international wurden immer wieder Infektionen bei Walen und Delfinen dokumentiert. Die Wissenschaftler halten es deshalb für wahrscheinlich, dass das Virus mittlerweile dauerhaft in marinen Ökosystemen verankert ist und dort zwischen verschiedenen Tierarten übertragen wird. Als Konsequenz fordern die Autoren der Untersuchung eine kontinuierliche und systematische Überwachung der Meeressäuger, um die Ausbreitungswege zwischen Wildvögeln, marinen Säugern und ihrer Umwelt besser zu verstehen.
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