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Ferienflüge könnten 2027 wegen hoher Kerosinpreise teurer werden

Steigende Kerosinpreise und geopolitische Spannungen könnten Ferienflüge im Jahr 2027 spürbar verteuern. Experten warnen vor allem bei Langstreckenflügen vor steigenden Ticketkosten, während Fluggesellschaften wie Swiss und Edelweiss aktuell noch auf Absicherungen setzen, wie Recherchen zeigen.

Steigende Energiekosten und geopolitische Krisen setzen den europäischen Luftverkehr massiv unter Druck. Für Reisende drohen im Jahr 2027 deutlich höhere Ticketpreise, da der Kerosinpreis als einer der wichtigsten Kostenfaktoren für Fluggesellschaften stark schwankt und auf einem sehr hohen Niveau verharrt.

Kerosinpreise und Absicherungsstrategien bei Swiss und Edelweiss

Treibstoff macht ungefähr ein Drittel der Gesamtkosten einer Airline aus. Entsprechend sensibel reagieren Fluggesellschaften auf Marktveränderungen. Die Fluggesellschaften Swiss und Edelweiss spüren die hohen Treibstoffkosten bereits im laufenden Betrieb. Während die Swiss nach Angaben ihrer Mediensprecherin Anja Beeler für das restliche Jahr 2026 rund 86 Prozent ihres erwarteten Kerosinverbrauchs über ein sogenanntes Fuel-Hedging abgesichert hat, bietet dieser Mechanismus keinen dauerhaften Schutz.

Beim Fuel-Hedging sichern sich Fluggesellschaften gegen Preisschwankungen ab, indem sie für einen Teil des benötigten Treibstoffs im Voraus Konditionen festlegen. Steigt der Marktpreis danach rasant an, trifft die Verteuerung den abgesicherten Anteil nicht sofort. Dennoch betont Luftfahrtexperte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen, dass diese Puffer zeitlich begrenzt sind. Sobald günstigere Absicherungen auslaufen und das Preisniveau hoch bleibt, steigt der Kostendruck so stark, dass Fluggesellschaften entweder geringere Gewinne akzeptieren oder die Mehrkosten über Tickets und Zusatzgebühren an die Kunden weitergeben müssen.

Umwege durch den Nahen Osten treiben den Treibstoffverbrauch

Zusätzlich zur reinen Preisentwicklung an den Energiemärkten belasten geopolitische Konflikte die Bilanzen der Fluggesellschaften. So führt die Krise im Nahen Osten zu spürbaren operationellen Erschwernissen. Edelweiss-Mediensprecher Andreas Marti erklärte dazu, dass aufgrund der Krise im Nahen Osten teilweise grössere Umwege geflogen werden müssen, was den Treibstoffbedarf und damit die Kosten weiter anheizt.

Trotz dieser Belastungen betonen beide Fluggesellschaften, dass höhere Kerosinpreise nicht automatisch und sofort zu flächendeckenden Preiserhöhungen führen. Ticketpreise hängen von einem komplexen Zusammenspiel aus Marktnachfrage, verfügbaren Kapazitäten, dem Wettbewerb auf bestimmten Strecken und dem Buchungszeitpunkt ab. Aktuell plant keine der beiden Gesellschaften Streichungen von Flugplänen oder Annullationen aufgrund der Treibstofflage.

Langstreckenflüge als Haupttreiber von Klima- und Kostenbelastungen

Während Kurzstreckenreisende im europäischen Raum auf alternative Verkehrsmittel wie die Bahn oder Busse ausweichen können, stellt sich die Situation bei Fernreisen grundlegend anders dar. Auf Langstrecken könnten Tickets stärker steigen, da Reisende dort kaum praktische Alternativen haben und die Nachfrage in bestimmten wohlhabenden Märkten wie der Schweiz eine Weitergabe von Kosten eher erlaubt.

Dass gerade Langstreckenflüge im Fokus stehen, zeigt sich auch an deren ökologischen und strukturellen Auswirkungen. Im Jahr 2025 stammten die emissionsreichsten Abflüge ab Europa ausschliesslich aus dem Langstreckenbereich, wie Verbindungen von London nach New York oder von Frankfurt nach Shanghai verdeutlichen. Allein die stark frequentierte Route von London nach New York stösst jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen CO₂ aus – eine Menge, die den Emissionen aller Personenkraftwagen in einer Stadt von der Grösse Münchens entspricht.

Umweltkosten und der europäische Luftverkehr im Wandel

Zusätzlich zu den reinen Kohlendioxidemissionen verursachen Langstreckenflüge sogenannte non-CO2 emissions, wozu vor allem Kondensstreifen und damit verbundene Wolkenbildungen gehören, die das Klima nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens ebenso stark erwärmen wie das CO₂ selbst. Bislang sind derartige internationale Flüge vielerorts von wirksamen Steuern befreit.

Ferienflüge könnten 2027 wegen hoher Kerosinpreise teurer werden
Photo: 20min

Einige europäische Länder steuern hierbei um. So planen beziehungsweise implementieren Länder wie die Niederlande distanzbasierte Flugsteuern, um Einnahmen für grüne Technologien und nachhaltige Flugkraftstoffe wie E-Kerosin zu generieren. Für Reisende bedeutet dies, dass neben den wirtschaftlichen Marktkräften und auslaufenden Absicherungen der Airlines auch regulatorische Massnahmen und ökologische Abgaben den Flugverkehr in den kommenden Jahren verteuern dürften.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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