Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) verlängern die Lizenzen und den Support für ihre problematische Software Sopre um zweieinhalb Jahre mit dem französischen Unternehmen Dassault Systèmes. Das Programm, das 2011 für 18,8 Millionen Franken erworben wurde, sorgt seit seiner Einführung für Lokomotivführer im November 2017 für anhaltende Pannen und hohe Betriebskosten.
Die Software Sopre, deren Name für «Simulation, Optimierung und Planung Ressourcen» steht, sollte ursprünglich die Einsatzplanung von Lokführern und Zugpersonal bei den SBB revolutionieren. Statt manueller Prozesse sollte das hochkomplexe Computerprogramm die Schichtplanung automatisieren. Doch was als sparsame Investition begann, entwickelte sich zu einem der grössten IT-Flops der SBB-Geschichte.
Chronologie eines IT-Desasters bei den Schweizerischen Bundesbahnen
Die Probleme begannen im November 2017, als die SBB die Software für die komplexere Schichtplanung der über 2000 Lokomotivführer einführten. Zuvor lief die Dienstplanung für das übrige Zugpersonal noch reibungslos. Nach der Ausweitung kam es zu Zugausfällen und Verspätungen, was bereits am 8. Januar 2018 eine Krisensitzung und den Einbezug externer IT-Experten erforderte.
Da die externen Spezialisten das System nicht stabilisieren konnten, mussten die SBB intern 60 Angestellte umdisponieren, um die planerischen Irrläufe manuell zu korrigieren. Die damalige SBB-Sprecherin verteidigte das System in der «NZZ am Sonntag» mit dem Hinweis, dass Sopre jährlich sieben Millionen einzelne Planungsleistungen erbringen müsse. Dennoch hielten die Schwierigkeiten an, bis der damalige SBB-Chef Vincent Ducrot im Jahr 2021 die Reissleine zog und das System für eine künftige Ablösung freigab.
Laufender Betrieb und intransparente Lizenzverlängerung
Bis heute ist Sopre im täglichen Einsatz und plant mehr als 7000 Züge pro Tag. Ein internes Team aus 13 Personen betreut die Software permanent manuell, um die verbleibenden Mängel auszugleichen. Insider berichten über anhaltende Fehler bei Abstellorten von Zügen und fehlerhafte Zeitrechnungen. Obwohl eine Ablösung erst ab 2028 schrittweise geplant ist, haben die SBB in dieser Woche die Verträge mit der französischen Firma Dassault Systèmes verlängert.

Die konkreten Kosten für diese Verlängerung der Lizenzen und Supportleistungen halten die SBB unter Verschluss. Die Bundesbahnen berufen sich dabei auf eine gesetzliche Ausnahme zum Schutz berechtigter wirtschaftlicher Interessen der Anbieterin.
Kritik an der Intransparenz öffentlicher Beschaffungen
Dieses Vorgehen stösst in Fachkreisen auf scharfe Kritik. Rika Koch, Professorin für öffentliche Beschaffungen an der Berner Fachhochschule, kritisiert die Geheimniskrämerei der Bundesbahnen scharf. Grundsätzlich gelte das Transparenzgebot, weshalb die SBB den Steuerzahlern die Offenlegung des Preises schulden.

Die Argumentation der SBB, sich auf ein schützenswertes Geschäftsgeheimnis zu berufen, will die Expertin nicht gelten lassen. Lizenzen und Support für eine Standardsoftware stellten ein Produkt dar, das bei öffentlicher Beschaffung nicht pauschal der Geheimhaltung unterliegen dürfe.
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