Forschende haben in den Nebelwäldern Boliviens eine bislang unbekannte Wildkatzenart identifiziert. Die nach ihrem lokalen Namen Tilcayo-Tiger-Katze benannte Raubkatze wiegt nur etwa 1,4 Kilogramm und ist damit die weltweit erste neue Katzenspezies, die seit mehr als einem Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben wurde.
Katzen gehören zu den am besten erforschten Tiergruppen weltweit, weshalb diese Entdeckung in den Andenbiomen eine handfeste Überraschung darstellt. Das neu entdeckte Tier trägt den wissenschaftlichen Namen Leopardus tilcayo und unterscheidet sich deutlich von allen bisher bekannten Linien der Tigerkatzen. Die bisher letzte lebende Katzenart, die für die Wissenschaft neu beschrieben wurde, war die Muñoa-Pampaskatze im Jahr 1923, wie Recherchen unter anderem bei den OÖNachrichten dokumentieren.
Vom Fund in La Paz zur genetischen Bestätigung
Die Entdeckung der neuen Art begann mit einer Verwechslung im Alltag. Er versuchte zunächst, das kleine Tier mit Nudeln, Reis und Eiern zu füttern. Nach etwa einem Jahr wurde ihm jedoch klar, dass es sich um ein echtes Wildtier handelte, und er brachte es in eine lokale Auffangstation für Wildtiere.
Mitarbeiter der Station schalteten die Biologin Paola Nogales-Ascarrunz von der Universidad Mayor de San Andrés ein. Die Forscherin erinnerte sich an den Moment, als sie das Tier das erste Mal sah: Sie war so, so klein, ich konnte gar nicht glauben, wie klein sie war. Ich dachte zuerst, es sei ein Katzenbaby
, erklärte Nogales-Ascarrunz gegenüber Medien. Um den Verdacht einer neuen Art zu prüfen, analysierte ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Evolutionsbiologen Jonas Lescroart von der Universität Antwerpen das Erbgut von insgesamt 38 Katzen aus verschiedenen südamerikanischen Ländern.
Das Erbgut der Tilcayo-Tiger-Katze und fünf eigenständige Linien
Das Team publizierte die Ergebnisse im Fachjournal Current Biology.

Neben der Beschreibung der Tilcayo-Tiger-Katze definierte das Forschungsteam auch eine neue Unterart in den peruanischen Yungas: Leopardus tigrinus antisuyo, benannt nach einer historischen Region des Inkareichs.
Lebensraum in den Yungas und der Einfluss indigener Bezeichnungen
Die Tilcayo-Tiger-Katze bringt es auf eine Körperlänge von rund 46 Zentimetern und wiegt etwa 1,4 Kilogramm. Sie besitzt ein hellbraunes Fell mit Rosetten und ist damit kleiner als die meisten gewöhnlichen Hauskatzen (so die OÖNachrichten). Sie bewohnt die Yungas, eine subtropische Bergwaldregion an den östlichen Hängen der Anden. Kotproben und Aufnahmen von Kamerafallen legen nahe, dass sie nachtaktiv ist und sich vorwiegend von kleinen Nagetieren ernährt.
Wissenschaftlich war die Spezies zwar gänzlich unbeschrieben, doch die lokale Bevölkerung kannte sie seit Generationen.
Gefahren für den Lebensraum und kommende IUCN-Bewertungen
Trotz der Euphorie über den Fund blicken Forschende mit Sorge auf die Zukunft des kleinen Raubtiers. Der Lebensraum in den Yungas ist durch Abholzung, Landwirtschaft, Bergbau und Brände massiv bedroht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) führt Tigerkatzen derzeit als gefährdet. Das Forschungsteam hat seine Daten an die Organisation übermittelt, damit bei der nächsten Überprüfung alle fünf Linien einzeln bewertet werden können.

Experten werten die Entdeckung auch als Warnsignal für den weltweiten Artenschutz.
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