Eine aktuelle europäische Studie zeigt, dass der tägliche Verzehr von 60 bis 100 Gramm Vollkorn das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und wichtige kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Cholesterin, Blutdruck und Blutzucker verbessern kann. Gleichzeitig untersuchten Forscher die Wirkung von 100-prozentigem Orangensaft auf Gefäßgene.
Die klassische Ernährungsberatung empfiehlt seit Jahren den Griff zu Vollkornprodukten, doch nun bringt eine Meta-Analyse im European Heart Journal genauere Zahlen ans Licht. Wer täglich vier bis sechs Portionen beziehungsweise etwa 60 bis 100 Gramm Vollkorn verzehrt, erzielt die deutlichsten Verbesserungen bei entscheidenden Herzgesundheitsfaktoren. Die Auswertung zeigt, dass diese einfache Ernährungsumstellung gleichzeitig den Cholesterinspiegel, den Blutzucker, den Blutdruck sowie das Körpergewicht positiv beeinflusst.
Ergebnisse der Vollkorn-Studie im European Heart Journal
Die Forscher betonen, dass es sich dabei nicht um drastische Hauruck-Effekte handelt, sondern um kontinuierliche positive Veränderungen, die sich im Alltag summieren. Vollkornprodukte wirken demnach über mehrere biologische Pfade gleichzeitig, indem sie verschiedene Risikofaktoren für Herzerkrankungen abfedern. Dennoch weisen die Auswertungen auch auf wissenschaftliche Grenzen hin.
However, most of the trials we included were relatively short, with an average duration of about eight weeks. As a result, we cannot determine whether these benefits are maintained over the long term. In addition, relatively few studies evaluated very high wholegrain intakes, above 140 grams per day, so the effects at those intake levels remain uncertain. Study Lead Researcher and Research Director, INRAE
Zudem lässt sich der Nutzen nicht allein auf die Ballaststoffe reduzieren.
Molekulare Effekte von Orangensaft auf Gefäßgene
Neben festen Bestandteilen wie Vollkorn stehen auch flüssige Nahrungsbestandteile im Fokus neuerer Untersuchungen. Eine klinische Studie aus dem Fachjournal Food & Function widmete sich der Frage, ob ein tägliches Glas Orangensaft die Herzgesundheit unterstützen kann. Dabei untersuchte ein Team um Dr. Christine Morand, Forschungsleiterin der Human Nutrition Unit bei INRAE in Frankreich, die Wirkung von Zitrus-Bioaktiven auf die Genaktivität.
An der Untersuchung nahmen 37 ansonsten gesunde Männer mit erhöhtem Taillenumfang teil, was sie anfälliger für Typ-2-Diabetes oder Herzerkrankungen macht. Die Teilnehmer tranken über jeweils sechs Wochen drei verschiedene Getränke im Wechsel: 330 Milliliter 100-prozentigen Orangensaft, ein zuckerangepasstes Kontrollgetränk sowie dasselbe Kontrollgetränk mit dem Hesperidin-Gehalt des Orangensaftes. Hesperidin gehört zur Familie der Polyphenole, die auch in Kakao, Tee und Beeren vorkommen.

Dr. Christine Morand erklärte als leitende Forscherin der Studie und Forschungsdirektorin, man habe klare Beweise dafür gefunden, dass bioaktive Verbindungen aus Orangensaft vom Körper absorbiert wurden und die Expression von Genen regulierten, die an biologischen Pfaden im Zusammenhang mit der Herz-Kreislauf-Funktion beteiligt sind. Diese molekularen Veränderungen hätten in dieser Gruppe zwar nicht zu messbaren kurzfristigen Verbesserungen des Blutdrucks oder der Blutgesundheit geführt, sie zeigten jedoch, dass Zitrusverbindungen biologisch aktiv seien und uns einen wichtigen Hinweis darauf gäben, wie sie die Gefäßgesundheit beeinflussen könnten. Nun seien längere Studien erforderlich, um herauszufinden, ob sich diese Effekte im Laufe der Zeit in gesundheitliche Vorteile übersetzen.
Einordnung durch Ernährungsexperten und Ausblick
Die beobachteten Veränderungen umfassten sowohl Steigerungen als auch Senkungen der Aktivität verschiedener Gene, wodurch ein Muster entstand, das laut den Forschern vorteilhaft für die Regulierung der Blutgefäße sein könnte.
Dr. Frankie Phillips, eine registrierte Ernährungsberaterin des Fruit Juice Science Centre, führte aus, dass Herz- und Kreislauferkrankungen nach wie vor eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen im Vereinigten Königreich seien, weshalb ein besseres Verständnis darüber, wie alltägliche Lebensmittel und Getränke mit dem Körper interagieren, einen wichtigen Forschungsbereich darstelle. Diese Studie lege nahe, dass Verbindungen, die natürlicherweise in Orangensaft enthalten sind, Gene beeinflussen könnten, die mit der Kontrolle der Blutgefäßfunktion verknüpft sind, was wiederum unseren Blutdruck beeinflussen könne. Da Orangensaft auch eine Quelle von Kalium sei, einem Mineral, das einen normalen Blutdruck unterstütze, bestätige der Befund, dass ein kleines Glas täglich dank der in Orangensaft vorhandenen vielfältigen Verbindungen ein einfacher Weg sein könnte, die kardiovaskuläre Gesundheit über mehrere Pfade hinweg zu begünstigen. Es sei zudem bedeutsam gewesen, dass selbst das Trinken der doppelten empfohlenen Menge bei den untersuchten Männern keinerlei negative Auswirkungen auf Körpergewicht, Blutzucker, Insulin oder Cholesterin gehabt habe.
Beide Forschungsansätze verdeutlichen, dass gezielte, kleine Ernährungsanpassungen – sei es durch die Erhöhung der Vollkornzufuhr auf 60 bis 100 Gramm täglich oder durch den Verzehr citrusbasierter Polyphenole – messbare biologische Reaktionen im Körper hervorrufen. Weitere Langzeitstudien sollen nun klären, in welchem Maße sich diese molekularen Mechanismen dauerhaft in handfeste gesundheitliche Vorteile für das Herz-Kreislauf-System übersetzen lassen.