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Technik und Wissenschaft

Fruchtfliege-Connectom: Digitales Gehirn steuert Videospiele

Forscher haben das bislang detaillierteste Gehirn einer Fruchtfliege rekonstruiert. Das frei zugängliche Connectome MaleCNS v1.0 umfasst mehr als 166.000 Neuronen und rund 125 Millionen Synapsen. Kurz nach der Veröffentlichung im September 2026 begannen Softwareingenieure jedoch, das digitale Nervensystem in Videospielen wie Doom und Minecraft zu testen.

Ein Jahrzehnt lang arbeiteten Wissenschaftler von Google Research und dem HHMI Janelia Research Campus an einem der ambitioniertesten Projekte der modernen Neurowissenschaft.

Um diese Datenmenge zu gewinnen, zerlegten die Forscher das Insektengehirn in Millionen extrem dünner Scheiben, scannten diese mit Elektronenmikroskopen und setzten die Aufnahmen mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu einem gigantischen digitalen Schaltplan zusammen. Das Ziel der Wissenschaftler ist es, zu verstehen, wie neuronale Netzwerke Reize verarbeiten und wie beschädigte Nervenbahnen eines Tages repariert werden könnten. Doch kaum war der Datensatz online, nutzten Programmierer ihn für gänzlich andere Zwecke: Sie schlossen das digitale Fliegengehirn an klassische Videospiele an.

Alex Wormuths Experiment: Das Fliegengehirn kämpft sich durch Doom

Zu den ersten Entwicklern, die den neuen Datensatz in die Praxis umsetzten, gehörte der Coinbase-Ingenieur Alex Wormuth. Er programmierte eine Simulation, bei der das neuronale Netzwerk die Steuerung des Klassikers Doom aus dem Jahr 1993 übernimmt. Die Spielmechanik greift dabei direkt in die Simulation ein.

Jeder Doom-Frame stimuliert Sensorneuronen. Die neuronale Aktivität wird auf die Spielsteuerung abgebildet. Schaden löst einen Reiz an zwei PPL101-Dopaminzellen als Verstärkung aus.

Wormuth übertrug das Experiment in einen Livestream, der die Sicht des Spiels sowie eine dreidimensionale Darstellung des virtuellen Körpers zeigt. Nach Angaben von Moneycontrol unternahm die künstliche Fliege bis Mitte September 2026 bereits mehr als 6.385 Versuche, ohne das Spiel bisher erfolgreich zu bezwingen. Das Projekt demonstriert jedoch, dass der neuronale Schaltplan in der Lage ist, willkürliche digitale Sinneseindrücke in Bewegungen umzusetzen.

Von Minecraft bis Super Mario 64: Entwickler entdecken das Connectome

Doom blieb nicht das einzige Spiel, das mit den Daten von MaleCNS v1.0 betrieben wurde. Unter dem Projektnamen NeuroCraft Fly gelang es dem Entwickler Evan Sinclair Smith, das gesamte neuronale Netz mit 166.700 simulierten Neuronen in Minecraft zu integrieren. Ereignisse wie Nahrung, Licht oder Angriffe in der Klötzchenwelt werden dabei in Inputs umgewandelt, die das virtuelle Insektenmodell steuern, wie die International Business Times berichtet. Smith betonte jedoch ausdrücklich, dass damit kein echtes Bewusstsein erschaffen wurde, sondern lediglich eine biologisch inspirierte Rechenstruktur als Steuerung dient.

Fruchtfliege-Connectom: Digitales Gehirn steuert Videospiele
Photo: gizmodo.com
  • Die Entwicklerin Lyra Bubbles nutzte das Fliegenmodell für das Rhythmusspiel Beat Saber, wobei das motorische System überfitet wurde, um eine aufgezeichnete Bewegungssequenz zu reproduzieren, wie die International Business Times ergänzt.
  • Ein weiterer Entwickler namens Macroblock reagierte auf die teils stressigen Spielumgebungen mit dem Bau einer friedlichen Umgebung namens „Fruit Fly Heaven“, in der die digitale Fliege ungestört umherfliegen und Futter suchen kann.

Flywire.AI und die Zukunft der Gehirnforschung bei Google

Neben dem von Google veröffentlichten männlichen Connectome existieren weitere Projekte wie Flywire.AI, das in Zusammenarbeit mit der Princeton University entwickelt wurde und auf dem Gehirn einer weiblichen Fruchtfliege basiert, wie TweakTown darlegt. Während diese viralen Gaming-Experimente vor allem zeigen, wie schnell Entwickler wissenschaftliche Open-Source-Daten in kreative Sandkästen verwandeln, blicken die Forscher bereits voraus. Google arbeitet nach Angaben von Gizmodo bereits an vergleichbaren Connectomen für Fische und Mäuse, um die Erforschung komplexerer biologischer Nervensysteme voranzutreiben.

Google
Photo: tweaktown.com
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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