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Obersteirische Molkerei stimmt Fusion mit Berglandmilch zu

Die Mehrheit der Genossenschafter der Obersteirischen Molkerei hat am Dienstag in Kobenz mit 92 Prozent für eine Fusion mit der oberösterreichischen Berglandmilch gestimmt. Der Schritt erfordert noch Beschlüsse der Berglandmilch und grünes Licht der Bundeswettbewerbsbehörde bis zum Jahresende, um die Zukunft der rund 1.200 Milchbauern in der Region zu sichern.

Die Obersteirische Molkerei steht vor einem historischen Umbruch. Bei einer Generalversammlung in Kobenz im Bezirk Murtal stimmten die Mitglieder am Dienstag über die Eingliederung der Milchsparte der Obersteirischen Molkerei in die Berglandmilch ab. Von 791 Stimmberechtigten waren 714 für die Fusion, also 92 Prozent. 60 Stimmen gab es dagegen. Für eine Zustimmung war eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Dies berichtete zuerst der ORF Steiermark online, während eine Bestätigung der Obersteirischen Molkerei im Vorfeld noch ausstand.

Generalversammlung in Kobenz: Deutliches Votum trotz anfänglicher Skepsis

Es ging um eine Richtungsentscheidung für die 2.800 Mitglieder der Obersteirischen Molkerei und die 1.200 steirischen Bauern, die die OM mit Milch beliefern. Die Pläne sorgten im Vorfeld für Verunsicherung, die die Leitung der Obersteirische Molkerei mit Infoveranstaltungen in den letzten Wochen nehmen wollte, was aber nicht bei allen gelang. Unter den stimmberechtigten Genossenschaftsmitgliedern herrschte ein Ausdruck der Spaltung. Ein Mitglied äußerte sich kritisch: „Es war sehr spontan die ganze Sache. Es ist ein bisschen überraschend auf uns zu gekommen. Information hätte man sich wesentlich mehr erwartet zu dem ganzen Thema.

Ein anderes Mitglied sagte dagegen: „Für mein Dafürhalten sind wir ausreichend informiert worden, aber natürlich sollte man sich als Mitglied auch interessieren für die Vorgänge in der Genossenschaft, und da bekommt man dann schon die richtigen Informationen.

Befürworter sahen die Investitionskraft von Berglandmilch und eine weiterhin gesicherte Milchabnahme als große Vorteile. Den Gegnern ging alles zu schnell, und sie hatten Sorge vor dem Verlust der regionalen Eigenständigkeit. Jakob Karner, dem Obmann der OM und damit Vertreter der Landwirte, zufolge sei es schwierig, ohne Eingliederung in die Berglandmilch wettbewerbsfähig zu bleiben. Er betonte: „Es geht darum, auch in Zukunft einen wettbewerbsfähigen, einen überdurchschnittlichen Milchpreis an unsere Bauern auszuzahlen. Es geht wirklich darum, dass die bäuerliche Jugend auch in der Milchwirtschaft in unserer Gegend eine Zukunft hat.

„Es ist ein Verlassen aus der Komfortzone, aber es ist eine Entscheidung für die Zukunft.

Geschäftsführer Michael Riegler

Wirtschaftlicher Druck und die Rolle der Berglandmilch

Die Obersteirische Molkerei mit dem Unternehmenssitz in Knittelfeld und die Berglandmilch waren in intensive Fusionsgespräche eingestiegen, wie unter anderem Berglandmilch ihren Mitgliedern mitteilte. Auch OM-Obmann Jakob Karner und Geschäftsführer Michael Riegler wandten sich in der Sache an ihre Mitglieder und erklärten: „Konkret geht es bei der OM um die Herauslösung des operativen Molkereigeschäftes und Einbringung dieses in die Berglandmilch. Alle anderen Unternehmensbereiche der Genossenschaft wären davon nicht betroffen.

Obersteirische Molkerei stimmt Fusion mit Berglandmilch zu
Photo: topagrar.com

Die Obersteirische Molkerei arbeitet mit rund 1.200 Milchlieferanten zusammen und verarbeitet knapp 180 Mio. kg Milch pro Jahr. Gemeinsam mit ihren Tochterunternehmen erzielte die Molkerei einen Umsatz von knapp 400 Mio. € (wobei in anderen Berichten ein Jahresumsatz von 390 Mio. Euro genannt wird) und ist damit der viertgrößte heimische Milchverarbeiter. Gegenstand des angestrebten Mergers ist die Milchsparte mit den Standorten Knittelfeld und Spielberg.

Obersteirische Molkerei stimmt Fusion mit Berglandmilch zu
Photo: nachrichten.at

Die oberösterreichische Berglandmilch eGen gehört als Genossenschaft über 10.000 Milchbauern (bzw. ungefähr 8.000 Lieferanten in weiteren Angaben) und ist mit einem Umsatz von zuletzt über 1,3 Mrd. Euro (Stand 2024 lag der Umsatz bei 1,3 Mrd. €) die mit Abstand größte Molkerei in Österreich. Das Unternehmen aus Wels verarbeitet jährlich rund 1,3 Mrd. kg Milch (zusammen käme man also auf rund 1,5 Mrd. kg Milchaufkommen pro Jahr). Zu Berglandmilch gehören Marken wie Schärdinger, Tirol Milch, Latella und Jogurella. Der Marktführer teilte am Dienstagnachmittag auf Anfrage schriftlich mit, dass man mit der Obersteirischen Molkerei in intensive Verhandlungen eingestiegen sei. Die Berglandmilch könnte mit der Fusion nicht zuletzt auch das Geschäft aus dem Hofer-Projekt „Zurück zum Ursprungausbauen, in das eine beträchtliche Menge Biomilch der OM fließt.

Auswirkungen auf Standorte und rechtliche Hürden bis zum Jahresende

Alle anderen Unternehmensbereiche der Obersteirischen Molkerei wie etwa Landforst Lagerhaus & Co KG oder Öforst Forsttechnik GmbH wären von der Einbringung nicht betroffen. Die Molkerei in Kapfenberg mit rund 34 Mitarbeitern sei laut OM-Obmann Jakob Karner ebenfalls nicht Teil der Einbringung in die Berglandmilch; sie würde im Falle des Abschlusses des Projekts an die Berglandmilch vermietet werden.

Obersteirische Molkerei stimmt Fusion mit Berglandmilch zu
Photo: Derstandard

Beide Unternehmen teilten weiters mit, dass es dazu in den nächsten Wochen die entsprechenden Eigentümerbeschlüsse und Informationsveranstaltungen geben soll. Am Freitag muss die Generalversammlung der Berglandmilch dieser Fusion noch zustimmen. Dann dürfte der Eingliederung der OM in die Berglandmilch nichts mehr im Wege stehen, vorausgesetzt, die Wettbewerbsbehörde stimmt der Fusion zu. Nun sind somit die Gremien der Berglandmilch am Zug, und bei einem Ja zur Fusion liege die Genehmigung der Transaktion bei der Bundeswettbewerbsbehörde. Das sollte sich bis zum Jahresende ausgehen, hieß es am Dienstag.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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