In den 1990er-Jahren finanzierte Boeing das streng geheime Tarnkappenflugzeug YF-118G „Bird of Prey“ mit rund 67 Millionen Dollar aus eigener Tasche.”
Um die Entwicklungskosten im Rahmen zu halten, setzte das US-Unternehmen auf ein bemerkenswertes Sparprinzip. Statt für das streng geheime Projekt jedes Bauteil neu zu konstruieren, griffen die Ingenieure auf bereits existierende Komponenten zurück. So stammten das Fahrwerk der Maschine aus einer Beech King Air, der Schleudersitz aus einer Harrier und das Triebwerk aus einem kommerziellen Pratt-&-Whitney-JT15D-5C-Turbofan, das normalerweise in Geschäftsflugzeugen zum Einsatz kommt. Selbst die Cockpit-Bedienelemente wurden aus anderen Flugzeugen übernommen, was laut Berichten zu Scherzen unter Testpiloten über die Herkunft der Cockpit-Uhren führte.
Ein fliegendes Versuchslabor auf der Area 51
Das Projekt lief von 1992 bis 1999 unter strengster Geheimhaltung. Die eigentlichen Flugtests fanden zwischen 1996 und 1999 auf dem Testgelände der Area 51 statt. Insgesamt brachte es das unkonventionelle Fluggerät auf 38 Flüge. Der Name „Bird of Prey“ lehnte sich an das gleichnamige Raumschiff der Klingonen aus der Science-Fiction-Serie Star Trek
an, was bei dem Anblick des futuristischen Rumpfes nahelag.
Die YF-118G war jedoch zu keinem Zeitpunkt als Hochleistungsjäger konzipiert. Das Flugzeug erreichte lediglich eine Reisegeschwindigkeit von rund 483 km/h und eine maximale Flughöhe von etwa 6100 Metern. Damit flog die Maschine langsamer als eine C-130 Hercules, ein militärisches Transportflugzeug. Dieser Umstand war kein Konstruktionsfehler, sondern eine bewusste Designentscheidung. Im Fokus stand die Erprobung von Techniken, um ein Flugzeug sowohl für Radar als auch für das bloße Auge möglichst unsichtbar zu machen, während Geschwindigkeit und Flughöhe eine untergeordnete Rolle spielten.
Konstruktion und finanzielle Dimension
Die äußere Form der YF-118G zeichnete sich durch fließende Übergänge zwischen Rumpf und Tragflächen, abgeschirmte Triebwerkseinlässe sowie ein Minimum an sichtbaren Kanten und Fugen aus. Zudem fertigten die Ingenieure den Rumpf aus einer großformatigen Verbundstruktur. Mit der Eigenfinanzierung in Höhe von 67 Millionen Dollar ging Boeing ein kalkuliertes Wagnis ein. Die Investition stammte nicht aus einem Auftrag des US-Verteidigungsministeriums, sondern wurde vom Konzern selbst getragen, um neue Erkenntnisse für künftige Rüstungsprojekte zu gewinnen, ohne von langwierigen und teuren Regierungsprogrammen abhängig zu sein.
In der Welt der Militärluftfahrt handelte es sich bei der Summe um eine vergleichsweise überschaubare Investition. Laut dem Bericht von „19FortyFivelagen die Kosten unter dem Preis eines einzelnen F-35-Tarnkappenjägers, und auch zwei neue Passagiermaschinen des Typs Boeing 737 kosteten damals mehr.
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