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Britisches Unterhaus lehnt Gesetzentwurf zur Sterbehilfe überraschend ab

Am Freitag, dem 11. Nach einer emotionalen und über viereinhalbstündigen Debatte stimmten 286 Abgeordnete gegen das Vorhaben, während 270 dafür votierten.

Die Abstimmung über den Entwurf zur Sterbehilfe für unheilbar kranke Erwachsene markiert eine deutliche Wende im britischen Parlament. Noch im Juni 2025 hatten Abgeordnete die Gesetzgebung in einer früheren Phase mit 314 zu 291 Stimmen unterstützt. Der nun abgelehnte Entwurf sah vor, dass volljährige Personen mit einer verbleibenden Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten unter strengen Auflragen assistiert sterben könnten.

Das Votum im Unterhaus: Lauren Edwards und die politische Wende

Eingebracht hatte das Vorhaben die Labour-Abgeordnete Lauren Edwards, die das Gesetz nach dessen Scheitern im Oberhaus in der vorherigen Sitzungsperiode erneut in das Parlament getragen hatte. Sie argumentierte, das Parlament müsse die Blockade durch das unejgewählte Oberhaus überwinden und einen entscheidenden Schritt für ein würdevolles Lebensende gehen. Doch im Gegensatz zu den vorherigen Abstimmungen schwenkte die Stimmung im Unterhaus um. Die Regierung verhielt sich neutral, und die Fraktionen gaben keine Weisungen aus, sodass die Abgeordneten nach ihrem eigenen Gewissen abstimmten.

Ich bin am Boden zerstört. Aber es ist nicht das Ende. Es hat viele Anläufe gebraucht, um das Abtreibungsgesetz zu ändern, und so wird es weitergehen. Jess Phillips, Labour-Abgeordnete

Ashley Dalton und die emotionalen Debatten im Parlament

Die Debatte am Freitagmorgen war von persönlichen und emotionalen Beiträgen geprägt. Eine der wirkungsvollsten Reden kam von der Labour-Abgeordneten Ashley Dalton, die selbst an unheilbarem, metastasierendem Brustkrebs im Stadium vier erkrankt ist. Sie berichtete im Unterhaus offen über ihre eigene Diagnose und die Ängste, die eine solche Nachricht auslöst, und rief ihre Kollegen dazu auf, das Gesetz abzulehnen.

Legalised dying bill for England and Wales faces vote in Commons
Photo: news.ssbcrack.com

Das letzte Mal, als dieses Haus diesen Gesetzentwurf in zweiter Lesung berücksichtigte, hielt ich ein Geheimnis geheim. Während ehrenwerte Abgeordnete über das Thema debattierten, rang ich mit meiner eigenen unheilbaren Diagnose. Ashley Dalton, Labour-Abgeordnete

Dalton warnte, dass schwer kranke Menschen durch unzureichende Schutzvorgaben in dem Gesetz verunsichert würden und das Gesundheitssystem nicht bereit sei. Sie betonte, dass Schmerzen bei entsprechender palliativer Versorgung in den allermeisten Fällen gelindert werden könnten und Ängste vor einem qualvollen Tod oft unbegründet seien.

Unterschiedliche Argumente und die öffentliche Meinung

Befürworter des Gesetzes argumentierten hingegen, dass sterbenskranke Menschen ein Recht auf Selbstbestimmung und einen schmerzfreien Tod haben sollten. Kim Leadbeater, die das Gesetz ursprünglich auf den Weg gebracht hatte, betonte, das Vorhaben ziele darauf ab, menschliches Leid zu verringern und eine unzureichende Gesetzeslage zu korrigieren. Befürworter verwiesen zudem auf Umfragen, wonach in der Bevölkerung eine breite Zustimmung für das Prinzip der Sterbehilfe existiert. Laut Erhebungen des Policy Institute und der Complex Life and Death Decisions-Gruppe am King’s College London vom September befürworteten 63 Prozent der Befragten eine Legalisierung für unheilbar Erwachsene innerhalb der kommenden fünf Jahre.

Britisches Unterhaus lehnt Gesetzentwurf zur Sterbehilfe überraschend ab
Photo: aol.com

Trotz dieser gesellschaftlichen Debatte bleibt die Rechtslage in England, Wales und Nordirland unverändert: Sterbehilfe ist illegal, und Beihilfe zur Selbsttötung kann mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden. Premierminister Andy Burnham hatte sich vor der Abstimmung bewusst enthalten, um die Debatte nicht ungebührlich zu beeinflussen, betonte jedoch im Juli, dass der Ausbau der palliativen und sozialen Pflege absoluten Vorrang haben müsse, bevor über solche Reformen entschieden werde.

LIVE: British MPs Debate New Assisted Dying Bill for Terminally Ill Adults in England & Wales | APT
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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