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Kommission stellt Behördenversagen im Fall eines Jugendklubs in Berlin fest

Eine Untersuchungskommission hat gravierende Fehler des Berliner Jugendamts beim Umgang mit dem Fall einer 16-Jährigen festgestellt, die Ende 2025 in einem Jugendklub in Berlin-Neukölln mutmaßlich vergewaltigt wurde. Konkrete Anhaltspunkte für eine bewusste Vertuschung durch Behörden oder Fachkräfte ergaben sich aus dem Bericht jedoch nicht.

Nach monatelangen Debatten und schweren Vorwürfen liegt der Abschlussbericht der vom Bezirksamt Neukölln eingesetzten Untersuchungskommission vor. Die Auswertung offenbart massives Behördenversagen im Fall eines minderjährigen Mädchens, das in der Freizeiteinrichtung an der Wutzkyallee in der Gropiusstadt Opfer einer mutmaßlichen Vergewaltigung wurde nach Vergewaltigungsvorwürfen in einem Berliner Jugendzentrum. Weder die Einrichtung selbst noch die zuständigen Behörden schritten nach den ersten Übergriffen oder dem schwerwiegenden Vorfall rechtzeitig ein. Nach Angaben des Neuköllner Bezirksamts kann der vollständige Bericht aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden. Die Bearbeitung des Falls sei »von unklarer Kommunikation, unterschiedlicher Interpretation des Gesagten oder Berichteten, Missverständnissen und fehlendem stringenten Führungsverhalten durch das Jugendamt geprägt«, heißt es in dem Bericht.

Berlin: Kommission sieht Behördenversagen bei sexueller Gewalt in Jugendklub

Unklare Strukturen und fehlendes Führungsverhalten im Jugendamt

Die Bearbeitung des Falls durch das Jugendamt war nach Angaben der Kommission von strukturellen Mängeln gezeichnet. Zwar wurde der Vorfall auf mehreren Leitungsebenen intensiv besprochen, verbindliche und klar verantwortliche Entscheidungen blieben jedoch aus.

Die Kommission kam zu dem Schluss, dass das Jugendamt bei ersten Hinweisen eine eigene Einschätzung hätte vornehmen und ein eigenständiges Schutzkonzept für Mädchen hätte entwickeln müssen, statt diese Aufgaben vollständig dem Jugendzentrum zu überlassen. Das Jugendzentrum tat nämlich nichts, um dem Mädchen zu helfen. Auch ein Video und Erpressungen von Mädchen durch männliche Jugendliche sowie die gewünschte Strafanzeige hätte das Jugendamt einbeziehen müssen statt dies zu ignorieren. Stattdessen habe es zunächst nur Gespräche auf verschiedenen Ebenen gegeben. Die zuständige Jugendstadträtin Sarah Nagel (41, Die Linke), die demnächst aus dem Amt schied, räumte die Fehler ein.

„Ihr seid nicht ausreichend geschützt und gehört worden. Das hätte nicht passieren dürfen.“

Sarah Nagel, Jugendstadträtin

Vergewaltigung im Jugendclub: Komplettes Behördenversagen

Keine Belege für eine bewusste Vertuschung der Taten

Kommission stellt Behördenversagen im Fall eines Jugendklubs in Berlin fest
Photo: BZ Berlin

Im Frühjahr 2026 stand der Vorwurf im Raum, die Behörden hätten den Fall bewusst unter den Kehrricht gekehrt, um die mutmaßlichen Täter mit Migrationshintergrund nicht zu stigmatisieren. Diese Anschuldigung wurde von der Kommission explizit entkräftet.

Dennoch erfuhren die Ermittlungsbehörden erst spät von dem Verbrechen. Nachdem weder das Jugendzentrum noch das Jugendamt Anz erstatteten, schritt erst der Vater des Mädchens im Februar 2026 ein und brachte den Fall zur Anzeige. Die Polizei erfuhr davon erst durch die Anzeige des Vaters im Februar 2026. Mittlerweile haben das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Berlin die Ermittlungen übernommen. Seit Vergewaltigungsvorwürfen ist der Jugendclub geschlossen.

Vergewaltigung im Jugendclub

Spannungen zwischen Sozialarbeitern und Warnsignale vor Ort

Kommission stellt Behördenversagen im Fall eines Jugendklubs in Berlin fest
Photo: DIE ZEIT

Der Bericht der Kommission beleuchtet zudem das Klima innerhalb der Jugendarbeit vor Ort. Die Vorsitzende Elke Nowotny stellte den Abschlussbericht gemeinsam mit Bezirksstadträtin Sarah Nagel vor. Die Diplompsychologin Elke Nowotny erklärte, das Jugendamt hätte bei ersten Hinweisen auf Probleme eine eigene Einschätzung vornehmen und ein eigenes Schutzkonzept für Mädchen entwickeln müssen und dies nicht dem Jugendzentrum überlassen dürfen. Allerdings wurden Mädchen offenbar immer wieder bedrängt, ohne dass sie ausreichend geschützt wurden. Elke Nowotny sagte zu dem Zustand der Betroffenen: Die betroffene Jugendliche fühle sich inzwischen unterstützt, »aber insgesamt geht es ihr nicht gut«.

Bereits seit Frühjahr wurden Vorwürfe laut, in dem Jugendclub in der Hochhaussiedlung Gropiusstadt sei eine Jugendliche vergewaltigt worden. Nun zeigt sich: schon zuvor wurden die Mädchen nicht gut geschützt. Befragte Jugendliche berichteten, dass Mädchen regelmäßig bedrängt wurden und das Personal entweder nicht eingriff oder die Situationen herunterspielte.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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