Eine am 10. September 2026 im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie mit rund 70.000 Erwachsenen zeigt, dass bereits zügiges Gehen in kürzeren Einheiten das Sterberisiko senkt. Das traditionelle Ziel von 10.000 Schritten ist demnach nicht zwingend erforderlich, da auch die Schrittintensität und das Gehtempo entscheidend zur Langlebigkeit beitragen.
Für Millionen Menschen weltweit galt die Marke von 10.000 Schritten am Tag jahrzehntelang als eiserner Standard für ein gesundes Leben. Doch neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese Zahl historisch bedingt und keineswegs in Stein gemeißelt ist. Ein internationales Forschungsteam aus Australien und Spanien hat untersucht, wie sich die Kombination aus täglicher Schrittzahl und Bewegungsgeschwindigkeit auf das Sterberisiko auswirkt.
Ursprung des 10.000-Schritte-Ziels und neue Erkenntnisse
Die Ursprünge der bekannten Schrittvorgabe gehen auf eine japanische Schrittzähler-Kampagne in den 1960er-Jahren zurück und basierten damals nicht auf klinischer Evidenz. Nicholas Koemel von der Monash University, ein Mitautor der aktuellen Studie, weist auf die psychologische Hürde hin, die starre Ziele oft erzeugen: Für ältere Menschen, chronisch Schmerzkranke oder vielbeschäftigte Personen kann eine solche Vorgabe entmutigend wirken und dazu führen, dass sie sich gar nicht erst bewegen.

Um diese Zusammenhänge genauer zu beleuchten, griffen die Forscher auf Daten der Großbritannien-basierten Gesundheitsdatenbank UK Biobank zurück. Dabei wurden die Aktivitätsmuster von etwa 70.000 Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 69 Jahren ausgewertet, die zwischen 2013 und 2015 Handgelenks-Tracker getragen hatten. Die Leitung der Untersuchung lag bei Emmanuel Stamatakis vom Charles Perkins Centre der University of Sydney.
Die Studienautoren erklärten via ABC News und AOL, dass ihre Studie über ansätze mit einer einzelnen messgröße hinausgeht (z. B.
Das Tempo der Spitzen-30-Minuten im Fokus
Anstatt nur die Gesamtzahl der täglichen Schritte zu zählen, analysierte das Team auch die sogenannte Peak-30-Minuten-Kadenz. Damit ist die durchschnittliche Schrittzahl pro Minute während der aktivsten 30 Minuten des Tages gemeint. Entscheidend ist dabei, dass diese halbe Stunde nicht am Stück absolviert werden muss. Auch kurze Phasen beschleunigter Bewegung, die über den Tag verteilt sind, fließen in diesen Wert ein.

Die Auswertung der Daten von fast 64.743 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 61,5 Jahren über einen Zeitraum von rund acht Jahren zeigte deutliche Unterschiede im Sterberisiko je nach Kombination von Tempo und Volumen. Als Vergleichsgruppe diente eine Kategorie von Menschen mit weniger als 5.000 Schritten täglich und einer sehr langsamen Gehgeschwindigkeit.
Zahlen und Kombinationen im direkten Vergleich
Die Ergebnisse belegen, dass verschiedene Wege zu einer besseren gesundheitlichen Verfassung führen können. Wer sein Tempo erhöht, kann laut der Untersuchung auch mit einer geringeren Gesamtanzahl an Schritten bemerkenswerte Effekte erzielen.

| Schrittkategorie pro Tag | Geh-Intensität / Kadenz | Geschätzte Risikoreduktion im Vergleich zur Referenzgruppe |
|---|---|---|
| Unter 5.000 Schritte | 60 bis 90 Schritte pro Minute (Spitzen-30-Minuten) | Signifikant verringertes Sterberisiko; bei 80 Schritten pro Minute eine geringere Sterbewahrscheinlichkeit |
| 5.000 bis 7.500 Schritte | Ruhigeres Tempo (ca. 60 Schritte pro Minute) | Eine geringere Sterbewahrscheinlichkeit |
| 7.500 bis 10.000 Schritte | Höheres Tempo (ca. 100 Schritte pro Minute) | Niedrigstes Sterberisiko im Gesamtkollektiv, mit einer geringeren Sterbewahrscheinlichkeit |
Die Gruppe mit 7.500 bis 10.000 Schritten pro Tag verzeichnete die geringste Sterbewahrscheinlichkeit, und das unabhängig davon, wie schnell diese Schritte im Einzelnen absolviert wurden. Dennoch zeigt die Analyse, dass Personen mit einem vermeintlich sedentären Lebensstil von unter 5.000 Schritten durch eine höhere Schrittfrequenz in ihren aktivsten Phasen gesundheitliche Vorteile erzielen können.
Bedeutung für die klinische Praxis und individuelle Barrieren
Mitautor Matthew Ahmadi betont, dass es keine universelle Geschwindigkeit gibt, die für jeden Menschen gleichermaßen passt, da die relative Intensität von Alter und persönlicher Fitness abhängt. Koemel fasst zusammen, dass ein hohes Ziel für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oft kontraproduktiv sei, während flexiblere Ansätze die Motivation fördern.
Die Studienautoren fügten via ABC News und AOL hinzu, dass diese Erkenntnisse als grundlage für schrittbasierte interventionen für menschen im mittleren und höheren alter dienen können, insbesondere für personen mit hindernissen bei der steigerung ihrer täglichen schrittzahl oder schrittintensität.
Die Untersuchung macht deutlich, dass sowohl das Schrittvolumen als auch die Kadenz wichtige Stellschrauben für die langfristige Gesundheitsvorsorge sind, weshalb zukünftige öffentliche Richtlinien diese kombinierten Dimensionen stärker berücksichtigen sollten.