Ford Motor hat am 10. September 2026 eine Investition von 1 Milliarde US-Dollar in ein neues Lackierwerk im Kentucky Truck Plant angekündigt. Die Entscheidung folgt auf scharfe Kritik des US-Verkehrsministeriums an den US-Fertigungsstrukturen und China-Beziehungen des Autobauers, die von der US-Regierung kurz darauf wieder relativiert wurden.
Die Ford Motor Company treibt ihre Investitionen in den USA vor Ort massiv voran. Wie das Unternehmen am 10. September 2026 offiziell bekannt gab, fließen 1 Milliarde US-Dollar in den Umbau und die Modernisierung der Fertigungsanlagen am wichtigsten Produktionsstandort des Konzerns, dem Kentucky Truck Plant in Louisville.
Eine Milliarde US-Dollar für das wichtigste US-Werk von Ford
Das Werk in Kentucky gilt intern als das wichtigstens und rentabelste Werk des Automobilriesen weltweit. Dort laufen die margenstarken Super-Duty-Trucks der Serien F-250 bis F-550 sowie der Ford Expedition und der Luxus-SUV Lincoln Navigator vom Band. Das neue Lackierprojekt soll die bisherigen, in die Jahre gekommenen Anlagen ersetzen. Ziel ist es, die bestehende Lackieranlage zu ersetzen und einen der wichtigsten Fertigungsbetriebe von Ford weiter zu modernisieren, wie das Unternehmen mitteilte.
Nach Angaben aus Unternehmensberichten soll der Spatenstich noch im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Die dortige Fertigung arbeitet in extremem Takt: Historisch bedingt rollt im Werk im Durchschnitt alle 45 Sekunden ein fertiges Fahrzeug vom Fließband. Mit dem Bau der hochmodernen Lackiererei will der Konzern die Effizienz steigern und strengere Umweltstandards erfüllen.
Politischer Druck aus Washington und das Echo im Weißen Haus
Die milliardenschwere Investition fällt in eine hochsensible politische Phase. Nur zwei Tage vor der Bekanntgabe hatte US-Verkehrsminister Sean Duffy in einem offiziellen Schreiben profonde Bedenken hinsichtlich der US-amerikanischen Fertigungsintegrität von Ford geäußert. Die Kritik zielte vor allem auf Verbindungen des DETROITer Autokonzerns zu chinesischen Unternehmen und Technologiepartnern ab, die von der Regierung als potenzielles Risiko für die nationale Sicherheit eingestuft wurden.
Ford wies die Vorwürfe umgehend zurück und bezeichnete die Attacke als einen verfehlten Versuch, Schlagzeilen zu machen. Die Kontroversen entzünden sich unter anderem an der Nutzung lizensierter Technologie des chinesischen Batterieherstellers CATL für den Batteriepark in Michigan sowie an Kooperationen im europäischen Ausland. Marktbeobachter und Analysten werten das neue Milliardeninvestment in Kentucky daher nicht nur als industriellen Schritt, sondern auch als politisches Signal zur Stärkung der heimischen US-Produktionsbasis.
Der öffentliche Schlagabtausch beruhigte sich jedoch rasch wieder. Nachdem Ford eine ausführliche Stellungnahme eingereicht hatte, äußerte sich der offizielle Pressestab des Weißen Hauses via X ausgesprochen positiv über den Traditionskonzern und bezeichnete das Unternehmen als ein GROSSES amerikanisches Unternehmen.
Langfristige Strategie und steuerliche Unterstützung in Kentucky
Das nun angekündigte Projekt baut auf einer Reihe weiterer Investitionen auf. In den vergangenen Jahren hat Ford bereits rund 4 Milliarden US-Dollar in seine Standorte im Bundesstaat Kentucky gesteckt. Dazu gehört auch eine Vereinbarung mit der lokalen Wirtschaftsförderungsbehörde, der Kentucky Economic Development Finance Authority, die das bestehende Steueranreizprogramm für Ford-Projekte im Juni auf insgesamt 578 Millionen US-Dollar aufgestockt hat.

Diese Investitionen zeigen unser Vertrauen in die Belegschaft von Kentucky, unser Bekenntnis zur amerikanischen Fertigung und unsere Überzeugung, dass die Zukunft von Mobilität und Energie genau hier in den Vereinigten Staaten aufgebaut wird. Jim Farley, CEO der Ford Motor Company
Auch Kentuckys Gouverneur Andy Beshear begrüßte das Vorhaben ausdrücklich und betonte die jahrzehntelange Verbundenheit des Autobauers mit der Region. Von unserer Vergangenheit über unsere Gegenwart bis hin zu unserer Zukunft ist Ford ein zentraler Teil von Kentuckys Geschichte, die der Welt weiterhin zeigt, dass die amerikanische Fertigung stark bleibt, erklärte der Gouverneur.
Hintergrund der Fabrikexpansion und nächste Schritte
Das Kentucky Truck Plant wurde im Jahr 1969 eröffnet und seitdem mehrfach erweitert, unter anderem im Jahr 1997 sowie durch ein 1,1 Millionen Quadratfuß großes Projekt im Jahr 2016. Bereits im September 2025 hatte das Unternehmen angrenzende Wohngrundstücke für fast 41,3 Millionen US-Dollar erworben und im Januar entsprechende Erschließungsanträge eingereicht, um Flächen für die industrielle Fertigung vorzubereiten.

Neben den Truck-Aktivitäten treibt Ford im selben Bundesstaat auch die Transformation zu Elektrofahrzeugen voran. So läuft am Standort Louisville Assembly Plant ein 2-Milliarden-US-Dollar-Projekt für neue E-Modelle wie den für 2027 angekündigten Truck namens Fathom. Auch die Umrüstung des Werks in Glendale für kommerzielle Batteriespeicher durch die Konzerntochter Ford Energy schreitet voran.
Für Anleger und Marktbeobachter bleibt nun abzuwarten, wie sich die Kapitalintensität der neuen Lackieranlage auf den freien Cashflow auswirkt und wie das Verkehrsministerium die weiteren Schritte des US-Herstellers bewertet. Die Ford-Aktie notierte im Zuge der Entwicklungen an den Börsen bei 11,925 Euro und verzeichnete ein Tagesplus von 2,93 Prozent.