Unter großer Anteilnahme hat das Königreich Norwegen am Mittwoch Abschied von König Harald V. genommen. Angeführt vom neuen König Haakon VIII. begleiteten hochrangige europäische Royals, Staatsgäste wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und zehntausende Bürger in Oslo den Sarg des langjährigen Staatsoberhauptes auf seinem letzten Weg.
Zehntausende Menschen säumten am Mittwoch den Straßenrand in Oslo, als der Sarg mit dem verstorbenen Monarchen im Schritttempo vom Königsschloss zum Trauergottesdienst in den Dom gefahren wurde. Dem Staatsbegräbnis für Harald V. war eine tiefe Trauerwoche vorausgegangen, nachdem der beliebte Monarch am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben war. Er hatte das wohlhabende skandinavische Land mehr als 35 Jahre lang regiert.
Staatsoberhäupter und europäische Königshäuser erweisen die letzte Ehre
Hinter der norwegischen Königsfamilie folgten zahlreiche internationale Würdenträger im langsamen Trauermarsch dem Sarg. Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an der Prozession teil. Steinmeier hatte Harald bereits an dessen Todestag als großen Versöhner gewürdigt und betont, dass Europa mit ihm eine prägende Persönlichkeit verliere.
Zahlreiche europäische Königshäuser entsandten hochrangige Delegationen nach Oslo. Für die Niederlande reisten König Willem-Alexander, Königin Máxima sowie die Kronprinzessin der Niederlande und Prinzessin Beatrice an, die als enge Vertraute des verstorbenen Königs galt. Das spanische Königshaus wurde durch König Felipe VI., Königin Letizia und Königin Sofia vertreten, während das belgische Königspaar König Philippe und Königin Mathilde ebenfalls Abschied nahm. Gustaf reihte sich ebenso in den Kreis der Monarchinnen und Monarchen ein wie Vertretungen aus Luxemburg, Liechtenstein, Monaco, Jordanien und Saudi-Arabien.
Das britische Königshaus entsandte den Thronfolger Prinz William sowie Prinzessin Anne. Letztere nahm in privater Eigenschaft als Patentante des neuen norwegischen Königs Haakon VIII. an den Feierlichkeiten teil. König Charles III. hatte Harald nach dessen Tod als seinen lieben Cousin bezeichnet.
Ministerpräsident Jonas Gahr Støre und die emotionale Trauerrede
Im Osloer Dom würdigte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre das Lebenswerk des verstorbenen Königs und dessen tiefe Verbundenheit mit dem Volk. Harald sei in guten wie in schweren Zeiten an der Seite der Bürger gestanden.
Støre erinnerte in seiner Rede auch an die dunklen Momente der jüngeren norwegischen Geschichte, in denen der Monarch Trost spendete, wie nach den rechtsterroristischen Anschlägen im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011. Mit den Worten König Harald hat alles für Norwegen gegeben
schloss der Regierungschef seine Ansprache, bevor er sich direkt an den neuen Monarchen wandte und rief: Lang lebe der König.
Während des emotionalen Gottesdienstes rangen Mitglieder der Königsfamilie offen mit den Tränen. Königin Sonja, Kronprinzessin Mette-Marit sowie Kronprinzessin Ingrid Alexandra mussten sich wiederholt die Augen wischen. Auf dem Trauerkranz der Witwe stand schlicht der Satz Danke für ein gutes Leben
, während Haakon, Mette-Marit und ihre Kinder auf ihrem Kranz das Wort Takk
wählten.
Private Beisetzung in der Festung Akershus und der Blick nach vorn
Nach dem Gottesdienst im Dom wurde der Sarg in die Schlosskirche der Festung Akershus überführt. Dort fand die eigentliche Beisetzung im engsten Kreis der Familie, mit royalen Gästen und staatlichen Würdenträgern unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Haralds Sarkophag ruht nun in der Krypta neben denen seiner Großeltern, König Haakon VII. und Königin Maud, sowie seiner Eltern, König Olav V. und Kronprinzessin Märtha.

Sein Sohn Haakon, der im Moment des Todes seines Vaters automatisch den Thron bestieg und wenige Tage später im Parlament den Eid auf die Verfassung ablegte, zeigte sich am Ende des Tages gemeinsam mit Königin Mette-Marit und den Kindern Ingrid Alexandra und Sverre Magnus auf dem Balkon des Schlosses, um der versammelten Menge zu danken.