Jimmy Kimmel hat ein für Donnerstagabend geplantes Interview mit dem demokratischen US-Senatskandidaten James Talarico kurzfristig von der Fernsehbildfläche genommen. Grund für die Verlegung auf YouTube sind wiederholte Drohungen der Federal Communications Commission unter der Regierung von US-Präsident Donald Trump gegen den Sender ABC und dessen lokale Stationen.
Verlegung ins Netz nach behördlichen Druck
Die für den Sendeplatz im Fernsehen geplante Begegnung zwischen Jimmy Kimmel und dem texanischen Politiker wird ausschließlich auf dem Videoportal YouTube zu sehen sein. In seiner Eröffnungsansprache erklärte der Moderator, dass er in den mehr als 20 Jahren seiner Sendung stets problemlos mit Politikern beider großer Parteien Gespräche geführt habe. Dazu zählten in der Vergangenheit auch Auftritte von Donald Trump selbst, der im Jahr 2015 und 2016 als Präsidentschaftskandidat in der Show zu Gast war.
Doch die politische Großwetterlage hat sich grundlegend gewandelt. Nach Angaben des Moderators versucht die Regulierungsbehörde FCC unter Vorsitz von Brendan Carr, herkömmliche redaktionelle Entscheidungen und Gästebuchungen zu sanktionieren. Um die lokalen Sendeanstalten und insbesondere die ABC-Partnerstationen in Texas vor den rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen dieses Drucks zu bewahren, fiel die Entscheidung gegen die Fernsehausstrahlung. Kimmel begründete den Schritt vor dem Publikum demnach damit, dass sein Interview am nächsten Tag mit James Talarico aus Rücksichtnahme auf die lokalen Stationen, insbesondere die ABC-Partner in Texas, die sich mit diesem Unsinn herumschlagen müssten, nicht im Fernsehen ausgestrahlt werde, wie unter anderem Variety berichtete.
Parallelen zum Fall Stephen Colbert
Der Vorgang erinnert stark an einen ähnlichen Vorfall vom Jahresanfang, der die Medienbranche erschütterte. Im Februar sah sich der damalige Late-Night-Moderator Stephen Colbert gezwungen, ein geplantes Interview mit demselben texanischen Kandidaten von der Fernsehausstrahlung bei CBS auszuschließen. Damals erklärten die Juristen des Senders, dass ein Auftritt wegen der strengeren Auslegung der sogenannten Gleichbehandlungsregeln für politische Kandidaten nicht im regulären Programm laufen könne.

Die darauffolgende Veröffentlichung des Gesprächs auf YouTube erwies sich für die Kampagne des Politikers jedoch als unerwarteter Schub. Innerhalb von 24 Stunden nach der Absage im linearen Fernsehen sammelte Talarico Spenden in Höhe von 2,5 Millionen US-Dollar für seinen Senatswahlkampf in Texas.
Der juristische Konflikt zwischen Disney und der FCC
Hinter den Kulissen hat der Streit längst die Gerichtssäle erreicht. Der Mutterkonzern Disney hat im August Klage gegen die Bundeskommunikationsbehörde eingereicht. Das Unternehmen wirft der Regierung vor, mit der vorgezogenen Überprüfung von acht lokalen ABC-Sendern einen verfassungswidrigen Eingriff in die freie Meinungsäußerung zu begehen. Nach Angaben aus der Klageschrift wird insbesondere der Sender KTRK in Houston wegen redaktioneller Entscheidungen im Zusammenhang mit politischen Beiträgen gezielt ins Visier genommen.

Die Federal Communications Commission erklärte in einer Stellungnahme gegenüber der Presse, dass alle Rundfunkveranstalter die gesetzliche Verpflichtung hätten, im öffentlichen Interesse zu handeln, selbst Disney.
Während die Regulierungsbehörde die Untersuchungen als notwendige Prüfung rechtfertigen will und dem Medienkonzern vorwirft, sich rechtlichen Vorgaben zur Diversität und Berichterstattung entziehen zu wollen, wachsen in der Fernsehbranche die Sorgen vor dauerhaften Repressalien.
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