OpenAI hat nach eigenen Angaben das Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem gelöst, eines der berühmten mathematischen Millennium-Probleme aus dem Jahr 2000. Für die Durchbruchsleistung setzte das Unternehmen rund 10.000 KI-Agenten ein, die innerhalb von etwa 88 Stunden rund 300 Milliarden Output-Token verbrauchten.
Im Jahr 2000 veröffentlichte das Clay Mathematics Institute eine Liste von sieben besonders schwierigen mathematischen Aufgaben, die als Millennium-Probleme bekannt wurden. Für die Lösung jeder dieser Aufgaben setzte das Institut ein Preisgeld von einer Million US-Dollar aus. Bisher war in all den Jahren erst eines dieser Probleme gelöst worden. Nun will OpenAI das Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem mithilfe künstlicher Intelligenz bewältigt haben.
Das Navier-Stokes-Problem und der technische Aufwand bei OpenAI
Das Navier-Stokes-Existenz- und Glattheitsproblem beschäftigt Mathematiker und Physiker seit Jahrzehnten. Die zugrunde liegenden Gleichungen beschreiben die Bewegung von Fluiden wie Wasser oder Luft – angefangen bei Wellen, die einem Boot folgen, bis hin zu turbulenten Luftströmungen um moderne Düsenflugzeuge. Die zentrale Frage dabei ist, ob diese Gleichungen immer gelten oder ob es unter bestimmten Bedingungen nicht mehr genutzt werden kann.
Für die Bearbeitung nutzte OpenAI ein internes Modell, das Unternehmensangaben zufolge deutlich leistungsfähiger ist als GPT-6 Astra. Der Rechenaufwand war enorm: Rund 10.000 KI-Agenten arbeiteten parallel für ungefähr 88 Stunden an dem Problem. Dabei verbrauchten sie schätzungsweise 300 Milliarden Output-Token, was umgerechnet einem Wert von etwa 22,5 Millionen US-Dollar entspricht.
Die von der KI erarbeitete Lösung zeigt nach Angaben des Unternehmens, dass die Dynamik der Navier-Stokes-Gleichungen für Strömungsbewegungen in endlicher Zeit eine Singularität entwickeln kann. Trotz des Erfolgs kündigte OpenAI an, das Preisgeld der Clay-Stiftung nicht beanspruchen zu wollen. Das Unternehmen betonte, dass dieser Durchbruch keinen Endpunkt darstelle, sondern lediglich eine Momentaufnahme des rasanten Fortschritts in der KI-Entwicklung sei.
Streit um den Lösungsweg und Vorwürfe der Mathematiker
Die Bekanntmachung vom 8. September 2026 wird jedoch von Kritik überschattet. Tristan Buckmaster, Mathematiker an der New York University, und Levent Alpöge, der für Anthropic arbeitet, erhoben Vorwürfe gegen das Unternehmen. Die beiden Mathematiker hatten parallel ebenfalls an einer Lösung für dasselbe Millennium-Problem gearbeitet und dabei einen ähnlichen Ansatz verfolgt.
Buckmaster erklärte öffentlich, dass OpenAI noch vor der Veröffentlichung von ihrer eigenen Arbeit erfahren haben soll. Laut seinen Schilderungen kursierten bereits Anfang September Gerüchte, dass Anthropic kurz vor einem mathematischen Durchbruch stehe, woraufhin Informationen über das Projekt an OpenAI gelangt seien. Ein E-Mail-Austausch mit einem OpenAI-Mathematiker ergab demnach, dass das Unternehmen erst in den Tagen nach Bekanntwerden dieser Gerüchte mit der intensiven Arbeit an dem Problem begonnen hatte.

Obwohl Buckmaster und Alpöge bei ihren eigenen Forschungen verschiedene KI-Tools wie Anthropics Claude und OpenAIs Codex verwendeten, arbeiteten sie völlig unabhängig von den beiden Firmen. Im weiteren Verlauf des Austauschs sollen den Mathematikern laut den Berichten zwei Optionen angeboten worden sein: Entweder hätten sie die Ergebnisse für ein anderes Problem veröffentlicht und OpenAI hätte die Lösung des Millennium-Problems einen Tag später präsentiert, oder Buckmaster hätte die Arbeit allein publizieren und dabei betonen müssen, dass ein OpenAI-Modell den entscheidenden Durchbruch geliefert hatte.
Reaktionen und die Haltung der Institutionen
Während OpenAI betont, dass die eigenen KI-Agenten ohne direkten Zugriff auf die konkreten Arbeitssitzungen der Mathematiker operierten, bleibt die Frage des Umgangs mit Trainingsdaten und vorab durchgesickerten Informationen ungeklärt. Auf die direkte Nachfrage, ob die Vorarbeiten für das Training genutzt wurden, soll es vonseiten des Unternehmens keine Antwort gegeben haben.
Das Clay Mathematics Institute hat sich zu den Vorgängen und zur Bekanntmachung von OpenAI bisher nicht geäußert. Auch die Frage, wie die mathematische Welt die Leistung letztlich bewertet, bleibt offen, da unabhängige Fachkreise die Details der jeweiligen Lösungswege erst noch vollständig prüfen müssen.
Verwandte Artikel