Ein massiver technischer Defekt im britischen Flugsicherungssystem hat am Dienstag mehr als 1.000 Flüge unmöglich gemacht und Hunderttausende Reisende auf Flughäfen in ganz Großbritannien und Europa gestrandet. Die zuständige Flugsicherheitsbehörde National Air Traffic Services implementierte in der Zwischenzeit einen Systemfix.
Nach stundenlangen Ausfällen und weitreichenden Annullierungen lief der Flugbetrieb auf britischen Flughäfen am Mittwoch wieder an. Die massiven Störungen trafen die Luftfahrtbranche mitten im Reiseverkehr und zwangen unter anderem British Airways, EasyJet, KLM und Lufthansa zu Flugstreichungen und Umleitungen.
Technische Störung im Flugsicherungssystem und Notfallmaßnahmen bei NATS
Der Ausfall ging von einem Fehler im Flugverarbeitungssystem der britischen Flugsicherung aus. Betroffen waren zahlreiche Knotenpunkte, darunter der wichtigste Drehpunkt des Landes, der Londoner Flughafen Heathrow, sowie Gatwick, Stansted, City, Manchester, Birmingham und diverse schottische Flughäfen. Auch internationale Verbindungen bekamen die Konsequenzen zu spüren; so meldete etwa Dublin Airport erhebliche Verspätungen und Flugausfälle von und nach Großbritannien.
Ingenieure rückten umgehend aus, um das Problem im Kern zu analysieren und zu beheben. Wir haben festgestellt, dass das Problem in unserem Flugverarbeitungssystem lag. Unsere Ingenieure sind vor Ort und arbeiten mit Hochdruck daran, den normalen Betrieb so schnell wie möglich wiederherzustellen, hieß es in einer offiziellen Erklärung der Flugsicherung, die von Nachrichtenagenturen zitiert wurde. Zwar blieb der britische Luftraum für Flüge offen und Maschinen starteten weiterhin, doch die massiven Kapazitätskürzungen führten zu einem enormen Rückstau.
Im Laufe des Abends meldete der Betreiber erste Fortschritte bei der Systemwiederherstellung. NATS erklärte in einem Update, dass ein Fix implementiert worden sei und das Flugsystem schrittweise in den Normalbetrieb zurückkehre. Dennoch mussten Fluggäste auch am Folgetag mit Folgeverzögerungen rechnen, da sich Flugzeuge und Crews durch die Kettenreaktionen der Vortage an falschen Positionen befanden.
Massive Auswirkungen auf Fluggesellschaften und gestrandete Passagiere
Die Dimensionen des Ausfalls übertrafen den normalen Alltagsbetrieb deutlich. Daten von Flugverfolgungssdiensten zeigten, dass mehr als 1.000 Flüge am Dienstag gestrichen wurden. Die Fluggesellschaften sahen sich gehorsam gegenüber Systemen, auf die sie nach eigenen Angaben keinen Einfluss hatten. So betonte ein Sprecher von British Airways, dass die Störung vollständig außerhalb der Kontrolle der Airline liege, während die Teams versuchten, die Kunden umzubuchen.

Besonders betroffen zeigte sich der Billigflugsektor. Ryanair-Konzernangaben zufolge waren rund 150,000 Fluggäste der irischen Fluggesellschaft von den Annullierungen am Dienstag betroffen, was zu mehr als 200 gestrichenen Flügen führte. Air India warnte ebenfalls vor Verzögerungen und Umleitungen auf Verbindungen in das Vereinigte Königreich. Der Budgetflieger EasyJet erklärte, die Störung habe Verzögerungen zu Flügen in ganz Europa ausgelöst. Passagiere berichteten derweil in sozialen Medien davon, stundenlang auf dem Rollfeld festgehangen zu haben, bevor ihre Flüge endgültig abgesagt wurden.
Politische Krisengespräche und scharfe Kritik am Management von NATS
Der Vorfall weckt schmerzhafte Erinnerungen an frühere Systemkollapse und löst heftige politische Reaktionen aus. Die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander zitierte den Chef der Flugsicherung, Martin Rolfe, zu einem persönlichen Gespräch am Mittwoch ein, um Aufklärung über die Vorfälle zu verlangen und die Zuverlässigkeit der nationalen Luftfahrtinfrastruktur überprüfen zu lassen.
Ich erwarte Zusicherungen, dass Lehren gezogen werden und die Systeme, die die Luftfahrt unterstützen, ihrer Aufgabe gewachsen sind. Heidi Alexander, Verkehrsministerin
Der Druck auf NATS-Chef Rolfe ist erheblich. Der Systemausfall erinnert an den verheerenden Systemmeltdown im August 2023, der auf einem verkehrsreichen Reisetag Kosten in Höhe von 100 Millionen Pfund (etwa 135 Millionen US-Dollar) verursachte, sowie an eine radarbedingte Störung im Juli 2025. Vor diesem Hintergrund erneuerten Airline-Manager ihre Kritik am Management und an der Investitionspolitik der Flugsicherung. Ryanair-Chief Operating Officer Neal McMahon bemängelte gegenüber Medien, dass die britische Luftfahrt im internationalen Vergleich regelmäßig hinterherhinke.
Wir hatten an anderen Orten kleinere Probleme, aber nichts in dem Ausmaß, das wir in Großbritannien kontinuierlich sehen. Neal McMahon, Chief Operating Officer bei Ryanair
McMahon kritisierte zudem die Eigentümerstruktur von NATS – einer öffentlich-privaten Partnerschaft, an der unter anderem Airlines wie British Airways und EasyJet, Pensionsfonds und die Regierung beteiligt sind. Er verwies darauf, dass NATS im Vorjahr 175 Millionen Pfund an Dividenden an seine Eigentümer ausgeschüttet habe, anstatt diese Gewinne in moderne Technologie und zusätzliches Personal zu reinvestieren.
Sicherheitsfragen und die Suche nach den Ursachen
Angesichts von Forderungen nach seinem Rücktritt, die seit den Vorfällen im Jahr 2023 unter anderem von Ryanair und dem britischen Chef von Wizz Air geäußert werden, verteidigte NATS-Chef Rolfe die Sicherheitsstandards der britischen Flugsicherung. Er wies Vorwürfe zurück, das Vereinigte Königreich stehe im Vergleich zu anderen Ländern schlechter da, und betonte, dass der Sektor in Sachen Sicherheit und Resilienz hoch angesehen sei.

Zu den genauen Hintergründen des Systemfehlers äußerten sich die Verantwortlichen vorsichtig. Ermittler und Techniker arbeiten an einer lückenlosen Aufklärung.
Wir haben zu diesem Zeitpunkt Cyberangriffe ausgeschlossen. Martin Rolfe, Chef von NATS
Rolfe fügte hinzu, dass dieser Vorfall sich von früheren Störungen unterscheide und ein Ereignis darstelle, wie man es in 50 Jahren Betrieb noch nicht in dieser Form erlebt habe. Während die Flughäfen und Fluggesellschaften nun darum kämpfen, den gewaltigen Rückstau abzuarbeiten, bleibt abzuwarten, welche strukturellen Konsequenzen die britische Regierung aus dem erneuten Kollaps der Luftfahrtinfrastruktur zieht.
der Verantwortliche, dass derzeit alle Optionen geprüft werden, um die genauen Ursachen des Systemfehlers sowie mögliche externe Einwirkungen vollständig zu klären.
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