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Technik und Wissenschaft

Petermann-Gletscher: Riesiger Eisberg kollidiert mit Joe-Insel

Ein rund 76 Quadratkilometer großer Eisberg hat sich im August vom Petermann-Gletscher im Nordwesten Grönlands gelöst und ist auf dem Weg durch den Nares-Strafen-Wasserweg direkt mit der felsigen Joe-Insel kollidiert. Wissenschaftler beobachteten den spektakulären Zusammenstoß, den die riesige Eisscholle unbeschadet und ohne weitere Fragmentierung überstand.

Der Kalbungsakt am Petermann-Gletscher

Der Sommer brachte in Grönlands gletschergespeisten Fjorden beträchtliche Aktivität mit sich, und 2026 bildete dabei keine Ausnahme. Besonders markant war dabei jene Eisscholle – ungefähr so groß wie St. Thomas in den U.S. Virgin Islands –, die sich im August von der Eiszunge des Petermann-Gletschers abspaltete. Wie die Berichte dokumentieren, handelte es sich dabei um das größte Kalbungsereignis eines arktischen Gletschers seit dem Jahr 2020. Die entstandene eisige Plattform misst an der Oberfläche 76 Quadratkilometer und besitzt eine Mächtigkeit von bis zu 150 Metern. Petermann ist einer von Grönlands größten marinen Auslassgletschern und fungiert als Torwächter für Eis, das vom Eisschild in den Ozean fließt, weshalb seine künftige Stabilität Implikationen für den Meeresspiegelanstieg hat.

Entdeckt wurde der Vorbruch am 4. August von Adam Garbo, einem Doktoranden der Glaziologie an der Universität von Ottawa, bei der Auswertung von Aufnahmen der Sentinel-1-Mission der Europäischen Weltraumorganisation. Das Ereignis markiert den größten Verlust von schwimmendem Eis des Gletschers seit 2012. Damals brachen noch massivere Eismassen ab, während frühere bedeutende Brüche in den Jahren 2008 und 2010 verzeichnet wurden, wie weitere Beobachtungen durch NASA-USGS-Landsat-Satelliten bestätigten.

Greenland's Wayward Ice Island Just Smashed Into Joe Island—and

Gezielte Risse und die Überraschung bei der Bruchkante

Das Ausmaß des Ereignisses im Sommer 2026 hätte allerdings noch größer ausfallen können. Adam Garbo und ein internationales Team von Kollegen hatten zuvor über längere Zeit hinweg große Risse im eisigen Gefüge der Zunge überwacht und erwartet, dass ein kompletter Durchriss die freigesetzte Fläche weiter vergrößern würde. Die Natur verlief jedoch anders als vorausberechnet.

Adam Garbo, Doktorand der Glaziologie an der Universität von Ottawa, erklärte, sie seien überrascht gewesen, dass die Kalbung stattdessen einer anderen Bruchlinie gefolgt sei und eine kleinere Eisinsel hervorgebracht habe, als sie ursprünglich erwartet hatten.

Trotz dieser Abweichung bleibt das System hochgradig instabil. Fachleute rechnen in naher Zukunft mit mindestens zwei weiteren größeren Abbrüchen, die voraussichtlich Flächen von etwa 94 beziehungsweise 84 Quadratkilometern umfassen werden, wenngleich genaue Zeitpunkte ungewiss bleiben.

Der Zusammenstoß mit der Joe-Insel

Ice Island Survives Run-In With Joe Island

Nach der Trennung von der 70 Kilometer weit in den Arktischen Ozean ragenden Eiszunge nahm der Koloss Fahrt auf. In der ersten Woche driftete er mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von drei Kilometern pro Tag durch den tiefen Petermann-Fjord. Am Ausgang des Fjords wartete jedoch ein natürliches Hindernis: die felsige Joe-Insel, lokal als Joe Ø bekannt.

Ice Island Survives Run-In With Joe Island
Photo: NASA

Die kleine Insel liegt exakt an der Mündung und stellt ein Hindernis für driftende Eismassen dar. In der Vergangenheit bedeutete dieser Punkt oft das Ende intakter Großstrukturen. Im Jahr 2010 etwa zerbrach ein gigantischer Eisberg nach dem Aufprall auf den Felsen in zwei Teile. Entsprechende Aufnahmen des Operational Land Imager auf Landsat 9 vom 23. und 24. August hielten den neuen Zusammenstoß fest. Glaziologe Mauri Pelto vom Nichols College verfolgte den Eisberg ebenfalls, während Petermann-Berge tendenziell dünner und zerbrechlicher sind als solche von Gletschern wie Jakobshavn oder Helheim.

Adam Garbo betonte, sie hätten die Interaktion mit der Joe-Insel sicherlich genau beobachtet und seien beeindruckt gewesen, dass sie die Begegnung ohne weitere Fragmentierung überstanden habe.

Petermann-Gletscher: Riesiger Eisberg kollidiert mit Joe-Insel
Photo: Gizmodo

Trift im Nares-Strafen-Wasserweg und künftige Risiken

Getrieben von Winden und Oberflächenströmungen drehte sich die Eisscholle nach der Berührung weg von der Insel und setzte ihren Weg in südwestlicher Richtung durch den Nares-Strafen-Wasserweg fort. Im weiteren Verlauf ihrer Reise wird das Objekt durch Gezeiten, Windkräfte, Strömungen und Schmelzung unweigerlich in kleinere Stücke zerfallen.

Im Gegensatz zu den dicken Eisbergen, die von Gezeitengletschern ohne schwimmende Eisschelf-Erweiterungen kalben und auf dem Meeresboden auf Grund laufen können, treiben Eisinseln wie die vom Petermann oft später ab und können sich vor Küsten wie jenen von Coburg und Baffin Island festsetzen. Forscher betonen, dass solche treibenden Fragmente beträchtliche Distanzen zurücklegen und Gefahren für maritime Aktivitäten und lokale Infrastruktur darstellen, während sie gleichzeitig Süßwasser in den Ozean transportieren, während die NASA Earth Observatory Bilder von Lauren Dauphin unter Verwendung von USGS-Daten bereitstellte.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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