Die kanadische Bergläuferin Kalie McCrystal wird seit dem 1. September 2026 auf der italienischen Seite des Matterhorns vermisst. Die 38-jährige Athletin wollte einen neuen Rekord aufstellen. Rettungskräfte aus dem Aostatal suchen mit Hubschraubern, Recco-Geräten und einer neu entdeckten SIM-Karte nach der Sportlerin.
Verschollen am Liongrat: Der letzte Selfie-Standort
Seit fast einer Woche fehlt von der kanadischen Bergläuferin Kalie McCrystal am Matterhorn jede Spur. Die 38-Jährige war am 1. September 2026 im hochalpinen Gelände der italienischen Südseite unterwegs, um einen neuen Berglauf-Rekord aufstellen. Ihr Plan sah vor, den Auf- und Abstieg in weniger als fünf Stunden zu schaffen. McCrystal hatte zuvor auf Instagram angekündigt, das Matterhorn über den Liongrat bestiegen und in weniger als fünf Stunden wieder absteigen zu wollen.
Ihr letztes dokumentiertes Lebenszeichen stammt von demselben Dienstag, dem 1. September. McCrystal schoss ein Selfie oberhalb der Jean-Antoine-Carrel-Hütte auf einer Höhe von rund 3830 Metern, wie aus Berichten hervorgeht. Auf dem Bild trug sie nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa kurze Hosen, eine leichte Jacke sowie einen Trailrunning-Rucksack. Erst als eine Freundin vergangene Woche 48 Stunden lang nichts mehr von der 38-Jährigen gehört hatte, alarmierte sie die Bergrettung. Zuvor war McCrystal Medienberichten zufolge auf dem Abstieg vom Pic Tyndall, einem kleinen Gipfel unterhalb des Matterhorns auf 4241 Metern. Offenbar handelte es sich um einen Vorbereitungslauf, und sie war allein am Berg unterwegs.
Grosse Suchaktion im Aostatal und eine neue technische Spur
Die Suche wird von der alpinen Rettung des Aostatals sowie der italienischen Finanzpolizei in Cervinia durchgeführt, wo die Finanzpolizei für die alpine Bergrettung zuständig ist. Am Donnerstag durchkämmten die Rettungskräfte die gesamte italienische Normalroute am Matterhorn. Dabei setzten sie Helikopter sowie ein Recco-Suchgerät ein, wobei Suchen mittels Helikopter und Recco-Reflektor bislang erfolglos blieben.

Da Versuche, Kontakt zum Handy von McCrystal aufzunehmen, ebenfalls erfolglos blieben, verfolgen die Retter nun einen neuen Ermittlungsansatz. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet, trug McCrystal eine zweite SIM-Karte bei sich. Die Retter wollen nun ermitteln, wann diese SIM-Karte aktiv war, mit dem Ziel, den letzten Standort der Vermissten genau zu bestimmen, um Helikopterflüge koordinieren zu können.
Weisse Kleidung erschwert die Rettungsarbeiten
Die Suche am Berg gestaltet sich aus mehreren Gründen äusserst schwierig. Die Route über die Südseite des Matterhorns gilt als anspruchsvoll, technisch schwieriger als viele klassische Bergtouren und führt durch hochalpines Gelände mit Fels, Schnee und ausgesetzten Passagen. In Bergsteiger-Foren wird die Besteigung als technisch etwas schwerer als der Hörnligrat und als ein etwas weniger überlauferner Weg beschrieben.

«Sie war ganz in Weiss gekleidet.»
Italienische Medien zitieren die Retter
Erschwert wird die Suche laut Rai News auch durch McCrystals Kleidung, da das Aussehen zwischen Felsen und Schnee die Erkennung erschwert. Ergänzend erklärten die Retter, dass ihre weisse Jacke es noch schwieriger mache, sie am Berg zu entdecken. Dennoch gibt es eine konkrete Beobachtung: Eine Gruppe polnischer Wanderer will Berichten zufolge die Sportlerin am frühen Dienstagnachmittag unterhalb des Pic Tyndall gesehen haben.
Erfahrung im Hochgebirge und die Schweizer Vortour
McCrystal hat Erfahrung am Berg und gilt als erfahrene Athletin. Eine Freundin von ihr schrieb auf Facebook über sie: «Sie ist eine Weltklasse-Athletin, eine erfahrene Berggängerin und eine der besten Bergläuferinnen der Welt. Kalie ist eine Spitzensportlerin, die für solche Bedingungen trainiert, und wir wissen in unseren Herzen, dass sie eine Kämpferin ist. Bitte betet mit uns für die sichere Rückkehr von Kalie McCrystal.» Auch die Athletics Canada hat eine Stellungnahme abgegeben: «Sie verfügt über umfassende Kenntnisse und Erfahrung im alpinen Gelände und hat bereits das Matterhorn bestiegen.» Ihre Familie stehe zudem in direktem Kontakt mit der Bergrettung.
Auf der Schweizer Seite hatte sie den Berg über den Hörnligrat erst vor wenigen Wochen allein bewältigt – in 6 Stunden, 47 Minuten und 33 Sekunden. Die Hoffnung, McCrystal lebend zu finden, schwindet mit jedem Tag, doch die Suche nach der Kanadierin läuft weiter.
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