US-Dieselpreise haben einen historischen Höchststand erreicht und klettern im Durchschnitt auf 5,85 Dollar pro Gallone. Der anhaltende Krieg mit Iran beeinträchtigt den weltweiten Treibstofffluss, verteuert Fracht- und Lieferketten spürbar und treibt die Kosten für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs nach oben.
Rekordpreise an Zapfsäulen durch globale Konflikte und den Iran-Krieg
Auslöser für diesen nie dagewesenen Preissprung ist der nunmehr sechs Monate andauernde Krieg mit Iran, der die internationalen Lieferketten massiv stört. Vor dem Beginn der militärischen Auseinandersetzungen durch die USA und Israel Ende Februar lag der nationale Durchschnittspreis für Diesel laut AAA noch bei etwa 3,76 US-Dollar je Gallone. Innerhalb weniger Monate legte der Preis damit um mehr als zwei Dollar zu.
Die Erschütterungen des globalen Marktes zeigen sich vor allem im Persischen Golf. Der wichtigste Tankerverkehr ist in der entscheidenden Straße von Hormus stark eingeengt. Zwar kühlten die Preise während kurzer Friedenshoffnungen im Sommer etwas ab, doch flammten die Kämpfe erneut auf. Der internationale Standard Brent-Rohöl kletterte im Handel auf über 95 US-Dollar pro Barrel, verglichen mit rund 70 US-Dollar vor Ausbruch des Krieges. Die Preise an den Zapfsäulen folgen dieser Entwicklung unmittelbar.
Auch Benzinpreise ziehen an, wenn auch in geringerem Tempo. Der Durchschnittspreis für reguläres Normalbenzin liegt bei 4,15 US-Dollar pro Gallone, verglichen mit 3,20 US-Dollar im Vorjahr. Vor dem Iran-Krieg lag dieser Wert bei 2,98 US-Dollar. Den bisherigen Höchststand bei Diesel verzeichneten Verbraucher im Juni 2022 nach Beginn des Ukraine-Krieges und den Sanktionen gegen Russland, als der Preis fast 5,82 US-Dollar pro Gallone erreichte.
Die drei T des Transportwesens spüren den Druck
Diesel treibt den industriellen Sektor und die Logistik in den Vereinigten Staaten an. Patrick De Haan, Erdölanalyst bei der Reise- und Kraftstoff-Tracking-App GasBuddy, beschreibt die Bedeutung des Treibstoffs für die Wirtschaft kurz und prägnant.

Patrick De Haan, Erdölanalyst bei GasBuddy, erklärt, Diesel sei das Blut der Wirtschaft und bilde den Motor, mit dem Güter, Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse vom Bauernhof zum Supermarkt transportiert werden.
Wegen dieser starken Verflechtung führt jede Verteuerung zu einer Kettenreaktion. Die Berichterstattung über die Kraftstoffmärkte hebt hervor, dass die Transportkosten über Züge, Traktoren und Lkw unmittelbar in die Endverbraucherpreise einfließen. Neben dem Frachtverkehr sind rund 90 Prozent der 500.000 Schulbusse im Land auf Diesel angewiesen, was die Budgets der Schulbezirke zu Beginn des neuen Schuljahres stark belastet.

Zusätzlich verengen internationale Exportstrukturen den Markt. Raffinerien in Asien haben ihre Dieselausfuhren gedrosselt. Gleichzeitig haben ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien zahlreiche Anlagen außer Betrieb genommen, weshalb Russland den eigenen Export einschränken musste und nun selbst Kraftstoff aus Ländern wie Indien, Kasachstan und Belarus importiert. Nach Einschätzung von Jaime Brito, dem Leiter von Dow Jones Energy, steuerten Raffinerien in den USA zudem um, um angesichts der Preisimpulse verstärkt Kerosin zu produzieren. Dadurch sank die verfügbare Dieselmenge auf dem Markt weiter.
Jaime Brito, Leiter von Dow Jones Energy, führt aus, US-Raffinerien hätten die Gelegenheit des Preisanreizes genutzt, um vermehrt Kerosin zu produzieren.
Auswirkungen auf den Lebensmittelmarkt und die Inflation
Die spürbaren Preissteigerungen treffen Verbraucher besonders im Lebensmittelbereich. Kraftstoff macht laut Angaben der Independent Grocers Alliance, einem Zusammenschluss von 7.500 Supermärkten weltweit, etwa 15 bis 30 Prozent der Gesamtkosten für Nahrungsmittel aus. Der Einsatz von Diesel ist auf Feldern, bei Fischereifahrzeugen und im gesamten Kühlketten-Transport unverzichtbar.
Artikel, die während des Transports gekühlt werden müssen, verzeichnen demnach am schnellsten steigende Kosten. Während die allgemeinen Lebensmittelpreise im Juli im Jahresvergleich um 2,7 Prozent stiegen, erhöhten sich die Preise für Fisch und Meeresfrüchte um 7 Prozent und für frisches Obst um 4,9 Prozent. Dennoch mahnt Ortega zur Differenzierung, da Preisschwankungen auch von anderen Faktoren wie saisonalen Erntebedingungen oder Marktnachfragen beeinflusst werden.
Die wirtschaftliche Belastung fügt sich in ein breiteres Inflationsbild ein. Die Gesamtinflation lag im August bei 3,4 Prozent im Jahresvergleich. Vor allem stark steigende Energiepreise belasten laut Analysen der Federal Reserve Bank of New York die Budgets von Haushalten mit geringerem Einkommen deutlich. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter und die Erntezeit bleibt die Nachfrage nach Diesel und dem chemisch ähnlichen Heizöl hoch, was die Preise in den kommenden Monaten stützen dürfte.
Auch interessant