OpenAI und CEO Sam Altman sehen sich nach einer Welle neuer Klagen im Zusammenhang mit dem Amoklauf im kanadischen Tumbler Ridge mit massiven rechtlichen Schritten konfrontiert. Nach Angaben von Vertretern wurden am Mittwoch in einem Bundesgericht in San Francisco, Kalifornien, 30 neue Beschwerden eingereicht. Zu den Klägern gehören unter anderem überlebende Schüler, Lehrer und ein Schullerektor, die bei dem Massaker im Februar anwesend waren. Die Klagen schließen sich sieben früheren Schriftsätzen an, die im April eingereicht worden waren.
Neue Klagen gegen OpenAI nach Amoklauf eingereicht
Der Vorfall ereignete sich in Tumbler Ridge in der kanadischen Provinz British Columbia und zählt zu den schwersten Amokläufen der kanadischen Geschichte. Die Polizei teilte mit, dass die 18-jährige Täterin Jesse Van Rootselaar zunächst ihre Mutter und ihren Halbbruder tötete, bevor sie zur Tumbler Ridge Secondary School ging und das Feuer eröffnete. Dabei wurden fünf Kinder und eine Lehrkraft getötet, und über 25 weitere Personen wurden verletzt. Die Täterin starb infolge einer Schussverletzung, die sie sich nach Angaben der Polizei selbst zufügte.
Vorwürfe wegen unterlassener Meldung und Priorisierung von PR
In den neuen Klagen wird dem Unternehmen vorgeworfen, die öffentliche Sicherheit hinter das Unternehmensimage gestellt zu haben. Demnach hatten automatisierte Systeme von OpenAI das Konto der Täterin bereits rund acht Monate vor der Bluttat im Juni 2025 wegen Aktivitäten im Zusammenhang mit Waffengewalt und Angriffsplanung markiert. Ein internes Sicherheitsteam des Unternehmens prüfte den Vorgang demnach und empfahl, die Chat-Protokolle an die Strafverfolgungsbehörden zu übergeben.
Leitende Angestellte, darunter laut den Klagen der Chief Global Affairs Officer Chris Lehane sowie CEO Sam Altman, sollen diese Empfehlung jedoch überstimmt haben. Das Konto wurde zwar deaktiviert, doch Van Rootselaar konnte ein neues Konto registrieren und den Chatbot weiterhin nutzen. Die Kläger argumentieren, dass die Entscheidung gegen eine Meldung an die Polizei von der Unternehmensführung getroffen wurde, um die Bekanntgabe von gewaltbezogenen Gesprächen und mögliche politische oder öffentlichkeitswirksame Folgen zu verhindern. Unter anderem reichte die Lehrerin Deidre Rushlow, die sich während des Angriffs mit ihren Schülern unter dem Pult versteckte, eine entsprechende Beschwerde ein.
Antwort des Unternehmens und bisherige Reaktionen
OpenAI reagierte auf die neuen Vorwürfe mit Stellungnahmen von Jason Kwon, dem Chief Strategy Officer des Unternehmens. Kwon bestritt eine Beteiligung von Chris Lehane an der ursprünglichen Entscheidungsfindung und erklärte, dass die Ermittler nicht an ihn berichten. Wir gehen diese Rechtsstreitigkeiten mit Respekt für den juristischen Prozess sowie für die Familien und Opfer dieser Tragödie an, und wir werden uns weiterhin nach Treu und Glauben an diesem Prozess beteiligen, erklärte Kwon in einem am Mittwoch auf X veröffentlichten Beitrag, den unter anderem Al Jazeera zitierte. CEO Sam Altman hatte im April einen offenen Brief an die Gemeinschaft in Tumbler Ridge gerichtet und sich entschuldigt, dass das Unternehmen die Behörden nicht gewarnt hatte.

Am Mittwoch beantragte OpenAI zudem vor Gericht die Abweisung der ursprünglichen sieben Tumbler Ridge-Klagen mit dem Argument, dass die Verfahren in British Columbia besser aufgehoben wären. Die juristischen Auseinandersetzungen um die Rolle von ChatGPT bei Vorfällen von Selbst- und Fremdverletzungen belasten den Konzern weiterhin, während die laufenden Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten fortgesetzt werden.
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