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Gesundheit

Vitamin-K-Verweigerung bei Neugeborenen in den USA steigt um 57 Prozent

Die Verweigerung von standardmäßigen Vitamin-K-Inpfungen bei Neugeborenen ist in den USA in der ersten Jahreshälfte 2026 um mehr als 57 Prozent gestiegen. Laut einer exklusiven Datenauswertung von Truveta für Reuters sehen Kinderärzte dadurch ein drastisch erhöhtes Risiko für lebensgefährliche Hirn- und Magenblutungen bei Säuglingen.

Ein dramatischer Anstieg der Verweigerungen in US-Kliniken

Im ersten Halbjahr des Jahres 2026 hat sich der Anteil von Eltern und Pflegepersonen, die eine routinemäßige Vitamin-K-Injektion für ihre neugeborenen Kinder ablehnen, rasant beschleunigt. Eine umfassende Datenauswertung von Gesundheitsakten für mehr als eine Million Geburten durch das Analyseunternehmen Truveta belegt einen Sprung der Verweigerungsraten um über 57 Prozent allein im Zeitraum von Januar bis Juni.

Während die Ablehnung von Vitamin K bereits in den Vorjahren kontinuierlich zunahm, zeigt die aktuelle Analyse, dass die Quote der Neugeborenen ohne Inpfung im ersten Halbjahr 2026 zweieinhalbmal so hoch war wie der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024. Gegenüber dem Jahr 2025 bedeutet dies einen Anstieg um das 1,4-Fache.

Medizinische Risiken und die Rolle des Gesundheitsministeriums

Säuglinge kommen von Natur aus mit sehr geringen Vitamin-K-Spitzenwerten zur Welt, da der Nährstoff nur in geringen Mengen die Plazenta passiert und auch Muttermilch arm daran ist. Das Vitamin ist jedoch unerlässlich für die Blutgerinnung. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC schützt die Injektion unmittelbar nach der Geburt vor der sogenannten Vitamin-K-Mangelblutung. Ohne diese Prophylaxe haben Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ein um das 81-fache erhöhtes Risiko für lebensgefährliche Blutungen im Gehirn oder im Magen-Darm-Trakt.

An illustration photo shows Phytonadione, a synthetic version of vitamin K, at a pediatrics clinic in Ann Arbor, Michigan
Photo: Reuters

Einer von fünf Säuglingen, die schwere Hirn- oder Magenblutungen erleiden, stirbt daran. Ohne die schützende Injektion tritt eine solche lebensbedrohliche Blutung bei einem von 59 Neugeborenen auf. Führende Kinderärzte und Neonatologen sehen in dem jüngsten Trend eine besorgniserregende Entwicklung. Dr. Karen Puopolo, Vorsitzende des Ausschusses für Fötus und Neugeborene der American Academy of Pediatrics, betonte, der Bericht spiegele den Alltag von Kinderärzten wider, die zunehmend gegen Fehlinformationen ankämpfen.

It’s really terrifying. It’s like we’re going backwards. We’re trying really hard to keep little babies alive. Dr. Nia Heard-Garris, Pädiatrische Ärztin und Wissenschaftlerin am Lurie Children’s Hospital in Chicago, via Reuters

Politische Debatte und Vertrauensverlust in öffentliche Institutionen

Mediziner verweisen darauf, dass die gewachsenen Zweifel an medizinischen Standardmaßnahmen auch durch politische Botschaften auf Bundesebene genährt werden. Seit Jahrzehnten schürt US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Skepsis gegenüber etablierten Impfstoffen und Medikamenten. Der aktuelle Anstieg bei Vitamin K fällt zeitlich mit seiner im Januar getroffenen Entscheidung zusammen, die Empfehlungen für die Hepatitis-B-Impfung bei der Geburt sowie fünf weiterer Standardimpfungen im Kindesalter zu streichen.

Vitamin-K-Verweigerung bei Neugeborenen in den USA steigt um 57 Prozent
Photo: Staradvertiser

Grace Davis Jamison, Sprecherin des US-Gesundheitsministeriums (HHS), erklärte dazu, die Behörde und die CDC würden die verfügbaren Daten zu Vitamin-K-Verweigerungen und damit zusammenhängenden Blutungsereignissen auswerten.

Grace Davis Jamison, Sprecherin des US-Gesundheitsministeriums, erklärte über Staradvertiser, dass Bedenken hinsichtlich Vitamin K und das schwindende Vertrauen in öffentliche Gesundheitseinrichtungen schon vor dieser Regierung bestanden hätten.

Regionale Unterschiede und Konsequenzen für die Praxis

Die Verweigerungshaltung betrifft nicht alle Neugeborenen gleichermaßen.

Vor Ort spüren medizinische Einrichtungen die Folgen unmittelbar.

Im Juli hatten die Kongressabgeordnete Kim Schrier und Senatorin Angela Alsobrooks den damaligen kommissarischen CDC-Direktor Jay Bhattacharya aufgefordert, die Verweigerungsraten sowie daraus resultierende Todesfälle systematisch zu erfassen und öffentlich zu machen. Laut Senatorin Alsobrooks blieb die Behörde eine Antwort auf dieses Schreiben bisher schuldig.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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