Die USA und Kanada haben ihren Handelskonflikt mit heftigen, wechselseitigen Zöllen drastisch verschärft. Nach dem Scheitern von Verhandlungen setzte die US-Regierung Zölle in Höhe von 50 Prozent auf kanadische Ausfuhren in Kraft. Die Maßnahmen betreffen kanadische Exporte im Wert von rund 28 Milliarden US-Dollar, was etwa fünf Prozent der gesamten Ausfuhren Kanadas in die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr entspricht. Zu den betroffenen Gütern zählen unter anderem Zement, Wein, Möbel, Milchprodukte, Bekleidung, Fischereiausrüstung und Eishockeyausrüstung.
Eskalation im Handelskonflikt: USA und Kanada belegen sich gegenseitig mit Zöllen
Kanadischer Premierminister Mark Carney reagierte scharf auf das Vorgehen und kündigte entsprechende Gegenmaßnahmen an. Carney warf den US-Unterhändlern vor, in letzter Minute unfaire und unökonomische Bedingungen gestellt zu haben, die zudem die Souveränität Kanadas bei Handelsabkommen mit anderen Staaten eingeschränkt hätten. In Ottawa äußerte er sich verärgert vor Journalisten und erklärte laut Blockonomi, man befinde sich im Krieg, wenn man angegriffen werde, und man sei angegriffen worden. Kanadas Gegenmaßnahmen wurden für den 8. September terminiert und sollen sich gegen amerikanische Güter wie Stahl, Milchprodukte, Haushaltsgeräte, Landwirtschaftsmaschinen und Elektronik richten.
Autosektor als zentraler Streitpunkt und Reaktionen aus der Wirtschaft
Als wesentliches Hindernis bei den zuvor gescheiterten Gesprächen erwies sich der Automobilsektor. Zwar stand offenbar eine Einigung im Raum, die Zölle auf Autos von 25 Prozent auf 15 Prozent zu senken, doch kam es beim Status von mittelschweren und schweren Lkw zum Bruch. Kanadische Offizielle forderten für Fahrzeuge wie den Ford F-350 oder den Chevrolet Silverado dieselbe bevorzugte Behandlung wie für leichtere Pkw, was US-Unterhändler ablehnten. Ontario-Premierminister Doug Ford unterstützte Carneys Entscheidung zum Abbruch der Gespräche und betonte, es sei ein schlechter Deal für den Automobil-, Stahl- und Fertigungssektor gewesen.

Die Handelsspannungen belasten auch stark verflochtene Industriezweige. Ein Bericht der Canadian Chamber of Commerce wies darauf hin, dass besonders Regionen in Ontario wie Oshawa, London und Kitchener-Cambridge-Waterloo verwundbar sind, da sie stark an den US-Markt gebunden sind. Die Handelskammer kündigte an, Mitgliedsunternehmen beim Abfedern der Folgen zu unterstützen.
Aussichten auf Entspannung und wirtschaftlicher Hintergrund
Trotz der harten Fronten halten Analysten eine spätere Einigung zwischen den Nachbarländern für möglich. Beobachter verweisen darauf, dass Verhandlungen zwischen den USA und Kanada traditionell hart geführt werden und frühere Krisen ebenfalls durchstanden wurden. Die von den USA verhängten Zölle decken nur einen Teil des Handels ab, und die von Carney angekündigten Vergeltungszölle treten erst Anfang September in Kraft. Auch US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer versuchte zunächst, den Streit herunterzuspielen und bezeichnete ihn als Sturm im Wasserglas, während US-Behörden betonen, dass weitreichende Autozölle erst zum Jahreswechsel greifen würden. Dennoch bleibt unklar, wann offizielle Gespräche wieder aufgenommen werden, da laut US-Handelsvertretern derzeit keine neuen Verhandlungen angesetzt sind.

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