Am Sonntag, den 30. August 2026, startet das Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA vom Kennedy Space Center in Florida.
Früher als ursprünglich geplant öffnet sich am Sonntagmittag das Startfenster für das nächste große Vorzeigeteleskop der US-Weltraumbehörde NASA. Die Mission, die sich direkt in eine Reihe mit den bekannten Observatorien Hubble und James Webb einreiht, bricht vom Startkomplex 39A des Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida auf. Ursprünglich war die Fertigstellung für Mai 2027 anvisiert, doch der reibungslose Zeitplan zog den Termin auf Ende 2026 und schließlich auf den 30. August vor.
Ein Spionagesatelliten-Spiegel für den Blick in den Kosmos
Das Kernstück des Teleskops bringt eine faszinierende Vorgeschichte mit sich. Das Gerät nutzt einen 2,4 Meter großen Hauptspiegel, der ursprünglich für einen klassifizierten Spionagesatelliten gebaut wurde. Nachdem das dortige Programm gestrichen worden war, donierte das National Reconnaissance Office den Spiegel an die NASA. Die Namensgeberin des Teleskops, die verstorbene Astronomin Nancy Grace Roman, gilt als „Mutter von Hubble, da sie den Wert von Weltraumteleskopen während ihrer Karriere vorantrieb und maßgeblich an der Entwicklung des Hubble-Weltraumteleskops beteiligt war.
Mit einer Masse von rund 8.000 Kilogramm — ein Vergleich, den die NASA anschaulich mit der Masse eines Tyrannosaurus rex beschreibt — entfaltet das Teleskop im All eine beachtliche Größe von 12,7 Metern Länge und 4,4 Metern Breite. Angetrieben von einer Falcon-Heavy-Rakete von SpaceX ist der Flug zum rund eine Million Meilen entfernten Lagrange-Punkt L2 geplant. Dort befindet sich bereits das James Webb Space Telescope in einer stabilen gravitativen Zone, die einen sparsamen Treibstoffverbrauch ermöglicht.
Rekordverdächtige Datenflut und das Hubble-Dilemma
Die Leistungsfähigkeit der Instrumente übertrifft bisherige Standards bei Weitem. Ausgestattet mit einer 300-Megapixel-Kamera aus 18 Detektorteilen wird das Teleskop nach Angaben der Verantwortlichen den Himmel in enormer Detailtiefe abscannen. Die NASA rechnet mit täglichen Datenmengen von 1,4 Terabyte, was die primäre Mission über fünf Jahre auf insgesamt mehr als 20 Petabyte summiert.

„The speed at which we’ll be scanning the sky, delivering vast amounts of data and returning results will be at an unprecedented rate, never done before,“
Niki Fox, NASA science chief
Diese schiere Leistung soll unter anderem das sogenannte „Hubble-Dilemma“ klären. Roman könnte helfen, einen Konflikt zwischen der Stärke der Dunklen Energie im sehr frühen Universum, gemessen durch Sonden, die das Nachleuchten des Urknalls untersuchen, und den Hubble-Beobachtungen bestimmter Supernovae zu lösen, die auf einen leicht anderen Wert hindeuten.”
Dunkle Energie und zehntausende neue Exoplaneten
Die Hauptaufgabe der Mission besteht darin, die ungelösten Rätsel der Dunklen Materie und der Dunklen Energie zu entschlüsseln. Die repulsive Kraft der Dunklen Energie treibt die Ausdehnung des Kosmos seit rund fünf Milliarden Jahren beschleunigt voran. Durch die Erstellung einer gigantischen dreidimensionalen Karte des Universums soll die Himmelsdurchmusterung Aufschluss über diese kosmischen Kräfte geben.

Parallel dazu widmet sich das Teleskop der Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Die Entdeckung von über 100.000 neuen Exoplaneten wird angestrebt; darunter sollen sich Hunderte erdgroße Welten befinden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der sogenannten Galactic Bulge Time-Domain Survey, bei der das Teleskop in Richtung des Zentrums der Milchstraße blickt. Mittels des Mikrolinseneffekts, bei dem vorbeiziehende Exoplaneten das Licht entfernter Sterne kurzzeitig verstärken, sollen auf diese Weise rund 2.500 Exoplaneten aufgespürt werden. Weitere rund 100.000 Funde sollen über die Transitmethode gelingen.
Die gesamte Reise und Inbetriebnahme nimmt nach Angaben der Raumfahrtbehörde einen Zeitraum von etwa 90 Tagen in Anspruch, während die Veröffentlichung erster wissenschaftlicher Aufnahmen für Anfang 2027 erwartet wird.
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