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Technik und Wissenschaft

Nepal: Über 600 Tote nach Gletschersturz und Sturzflut

Nach einem verheerenden Berg- und Gletschersturz an der Grenze zwischen China und Nepal ist die Zahl der Todesopfer bis Ende August 2026 auf mehr als 600 gestiegen. Tausende Menschen werden weiterhin vermisst. Rettungskräfte kämpfen im Katastrophengebiet gegen Schlammassen und anhaltenden Regen.

Eine gewaltige Sturzflut hat nach Angaben von Behörden und Medienberichten schwere Verwüstungen in den engen Tälern des Himalajas angerichtet. Die Wassermassen rissen ganze Ortschaften mit sich, zerstörten Brücken und begruben Strassen unter meterhohem Schlamm. Auslöser der Katastrophe war ein massiver Gletscherabbruch im Grenzgebiet von Nepal und Tibet, den unter anderem Aufnahmen des Nasa-Satelliten Landsat 9 dokumentierten.

Todesopfer und Suchmassnahmen in Nepal und Tibet

Die offiziellen Opferzahlen sind im Laufe der Woche drastisch gestiegen. Die nepalesische Polizei meldete, dass inzwischen mindestens 616 Leichen geborgen wurden. Zusammen mit den gemeldeten Toten aus China beläuft sich die Gesamtzahl der Todesopfer auf 623. Die Wassermassen hatten viele Opfer Dutzende Kilometer weit fortgespült; allein im südlich gelegenen Bezirk Chitwan an der Grenze zu Indien wurde mehr als ein Drittel der Leichen entdeckt.

Parallel dazu läuft ein Grossaufgebot an Rettungskräften. Laut Angaben der nepalesischen Behörden konnten bereits mehrere Tausend Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Katastrophenschutzbehörde bezifferte die Zahl der Geretteten bis Freitagabend auf mehr als 4400. Dennoch bleibt die Lage dramatisch: Zusammengerechnet gelten in den betroffenen Regionen mehr als 2500 Menschen als vermisst. Darunter befinden sich nach Angaben der nepalesischen Behörden allein 1924 Vermisste in Nepal, zu denen auch hunderte ausländische Staatsangehörige zählen.

Schweizer betroffen und internationale Hilfe angelaufen

Von den ursprünglich drei als vermisst gemeldeten Schweizer Staatsangehörigen konnten zwei Personen lebend aufgefunden und kontaktiert werden. Eine Schweizerin, die zuvor vermisst gemeldet war, wurde vom Nepal Tourism Board über deren X-Account als gerettet gemeldet; diesen Erfolg bestätigte auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Von einer weiteren Person aus der Schweiz fehlt hingegen nach wie vor jede Spur.

Die internationale Gemeinschaft hat umgehend Hilfsmassnahmen eingeleitet. Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung stellte knapp eine Million Franken für erste Nothilfemassnahmen bereit, während Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen eigenes Personal in die Krisenregion entsandten. Aus China traf ein erstes Hilfsteam mit 141 Einsatzkräften in dem schwer getroffenen Grenzort Gyirong ein. Zudem kündigte Chinas Zentralbank an, den Wiederaufbau in der Region Tibet mit zinsgünstigen Krediten im Gegenwert von rund 590 Millionen Franken zu unterstützen.

Witterung und Schlammmassen erschweren Rettungsarbeiten

Die Bergungsteams arbeiten unter extrem schwierigen Bedingungen. Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle, erklärte Armeesprecher Raja Ram Basnet in Battar Bazar. Durch die meterdicken Schlammmassen sei es für Helikopter kaum möglich, in den schwer zugänglichen Gebieten wie Temure, Syabrubesi oder Mailung zu starten oder zu landen. Die nepalesische Armee hat rund 14 Rettungshelikopter im Dauereinsatz, um Eingeschlossene zu versorgen und Verletzte auszufliegen.

Rettung in Nepal: Mädchen (6) überlebt 3 Tage im Schlamm
Photo: Blick

Zusätzliche Gefahrenherde bilden verschüttete Straßentunnels im Gebirge. Während Rettungskräfte dort nach Überlebenden suchten, gelang es der Armee unter anderem, zwei mit Schlamm überzogene Arbeiter lebend aus einem Tunnel an einem Wasserkraftwerk zu bergen. Den Einsatz vor Ort erschweren zudem anhaltende Regenfälle. Da sich Asien nach wie vor in der von den Sommermonaten bis September dauernden Monsun-Regenzeit befindet, drohten laut meteorologischen Berichten vom Samstag weitere Niederschläge in dem Katastrophengebiet.

Spektakuläre Rettung eines Kindes und neue Damm-Gefahr

Inmitten der Zerstörung sorgte eine Rettungsaktion für Aufsehen: Einsatzkräfte befreiten am Freitagabend ein 6-jähriges Mädchen nach fast drei Tagen aus Trümmern und Schlamm. Ein von der nepalesischen Polizei veröffentlichtes Video zeigte, wie Polizisten das Kind mit blossen Händen ausgruben. Das Mädchen wurde in kritischem Zustand in ein Spital geflogen und sprach nach Angaben von Ärzten erstmals am Samstagmorgen. Auch die Eltern des Kindes, die zwischenzeitlich ebenfalls vermissten waren, wurden gerettet und in Kathmandu medizinisch versorgt.

Nach Sturzflut im Himalaya: Schlamm und Regenfälle erschweren Rettungseinsätze

Auf chinesischer Seite bereitet den Behörden vor allem ein neu angestauter See oberhalb von Gyirong Sorge, der sich infolge der Sturzflut gebildet hat. Es bestand die Befürchtung, dass ein Bruch des aus Geröll und Schlamm bestehenden Dammes eine weitere Flutwelle auslösen könnte. Entwarnung gab jedoch ein chinesisches Erkundungsteam: Da das Wasser aus dem See bereits auf natürlichem Wege abfliesse, habe sich die akute Gefahr deutlich verringert, wie der Leiter des Teams, Chen Hanxiao, im Staatsfernsehen erläuterte.

Katastrophe in Nepal: Sturzflut und Schlammlawinen fordern Tote und hunderte Vermisste
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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