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Welt

Siemens-Chef fordert EU zu schnellem Umtausch von KI-Regulierungen

Siemens-Chef Roland Busch hat die Europäische Union aufgefordert, das Tempo bei der Zulassung neuer KI-Technologien drastisch zu erhöhen. Der Manager warnte im August 2026 vor den Folgen schwerfälliger Regulierung, während der Konzern dank starker Nachfrage nach Rechenzentren das höchste Quartalsergebnis seiner Unternehmensgeschichte vorlegte.

Der Technologiekonzern Siemens profitiert massiv vom globalen Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz. Doch trotz Rekordergebnissen und prüllvollen Auftragsbüchern wächst bei der Unternehmensführung die Sorge, dass Europa den technologischen Anschluss verliert. Konzernchef Roland Busch fordert deshalb ein radikales Umdenken bei regulatorischen Prozessen in Brüssel.

Roland Busch kritisiert langsame KI-Gesetzgebung in der EU

In einem Interview mit der Welt am Sonntag, das im Rahmen der Leading European Newspaper Alliance (Lena) geführt wurde, übte der Siemens-Vorstandsvorsitzende scharfe Kritik am bürokratischen Tempo der Europäischen Union. Busch betonte, dass langwierige Gesetzgebungsverfahren wie der EU AI Act oder der Data Act nicht mehr mit der Realität der Marktentwicklung Schritt halten können.

Zur Veranschaulichung des zeitlichen Verzugs nannte der Siemens-Chef konkrete Zeiträume. Man denke nur daran, wie lange es dauert, bis ein ‚AI Act‘ oder ‚Data Act‘ verabschiedet wird – vielleicht zwei Jahre, gab Busch zu bedenken. In dieser kurzen Frist könnten sich KI-Modelle bereits sechs- oder achtmal weiterentwickelt haben. Wenn eine Verordnung dann tatsächlich in Kraft trete, bewege sich die zugrundeliegende Technologie längst in eine völlig andere Richtung. Wir hinken stets hinterher, warnte der Konzernlenker.

Rekordergebnis dank globalem KI- und Daten-Zentrum-Boom

Die Forderung nach mehr Tempo steht im Kontrast zu den glänzenden Geschäftszahlen des Dax-Konzerns. Im am Ende Juni abgeschlossenen dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres steigerte Siemens den industriellen Gewinn um 25 Prozent auf €3.52 billion (entsprechend rund 4,09 Milliarden US-Dollar). Damit übertraf das Unternehmen deutlich die von Analysten in einer firmeninternen Konsensumfrage erwarteten €3.18 billion.

Der Umsatz legte um 7 Prozent auf €20.79 billion zu, während der Auftragseingang einen neuen Quartalsrekord von €27.90 billion erreichte.

Hintergrund dieser Dynamik ist die weltweit explodierende Nachfrage nach Rechenzentren, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen benötigt werden. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur werden die Investitionen der fünf größten Technologiekonzerne in diesem Sektor im Jahr 2026 voraussichtlich um 75 Prozent auf mehr als 400 Milliarden US-Dollar steigen, verglichen mit über 400 Milliarden Dollar im Vorjahr 2025.

Keine KI-Blase: Warum Siemens-Chef Busch die Marktlage optimistisch sieht

Roland Busch teilt diese Sorge jedoch nicht und bewertet das aktuelle Marktumfeld als grundsolide.

Siemens is displayed on the opening day of Innovation For All (IFA), a technology and industry trade fair, in Berlin
Photo: reuters.com

Ein beträchtlicher Teil der Investitionsmittel stamme direkt von Unternehmen, die einen substanziellen Cashflow erwirtschaften. Die ersten positiven Effekte zeigten sich bereits deutlich in der industriellen Praxis, wo künstliche Intelligenz dazu beitrage, Prozesse zu beschleunigen, Ressourcen einzusparen und die Effizienz zu steigern.

Wettbewerb mit China und Warnung vor pauschalen EU-Zöllen

Neben der Regulierungsthematik äußerte sich Busch kritisch zu umfassenden Handelsschranken und protektionistischen Zöllen der Europäischen Union gegenüber China. Es könne zwar Gründe für wenige, gezielte Zölle geben, man müsse jedoch äußerst vorsichtig agieren und keinesfalls mangelnde eigene Wettbewerbsfähigkeit durch Zölle abschirmen wollen, da sich ein solcher Protektionismus langfristig rächen werde.

Siemens-Chef fordert EU zu schnellem Umtausch von KI-Regulierungen
Photo: Manager Magazin

Die industriellen Herausforderungen Europas im Verhältnis zu China ließen sich nicht allein auf staatliche Subventionen oder unfaire Handelspraktiken reduzieren. Die Wahrheit sei vielmehr, dass europäische Konzerne in China auf hochleistungsfähige Wettbewerber mit exzellent ausgebildeten Ingenieuren und schlagkräftigen Teams treffen, die innovative Produkte entwickeln und neue Technologien wie KI in rasantem Tempo adaptieren. Diese neue Wettbewerbslandschaft müsse Europa anerkennen und durch eigene Innovationskraft beantworten.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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