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Welt

Ceuta: Demonstranten legen Feuer in Migranten-Notlager

Demonstranten haben in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta Feuer in einem provisorischen Lager von Migranten gelegt und die sofortige Rückführung der Menschen nach Marokko gefordert. Die am Donnerstag eskalierten Auseinandersetzungen führten zu Polizeieinsätzen, während die linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez wegen der anhaltenden Migrationskrise unter starkem politischen Druck steht.

Brandanschlag und Polizeieinsatz am Strand von Benítez

Die Lage in der spanischen Exklave Ceuta hat sich drastisch zugespitzt. Wie unter anderem WELT berichtet, kam es zu verstörenden Szenen am Strand Benítez, wo Demonstranten in einem Notlager von Migranten Feuer legten. Aufnahmen des spanischen Fernsehens zeigten, wie Zivilisten immer wieder Gegenstände in die Flammen warfen und die sofortige Ausweisung der Menschen nach Marokko forderten.

Die Regionalsender onda cero meldet, dass Dutzende Anwohner den Strand des Trampolins stürmten, um temporäre Unterkünfte und Zelte zu zerstören, bevor sie diese anzündeten und das Eigentum der Geflüchteten ins Meer warfen. Die Einsatzkräfte schritten ein, trennten die aufgebrachten Bürger von den Migranten und setzten Gummigeschosse ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Die Migranten selbst hatten sich auf eine Mole und hinter eine Polizeisperre zurückgezogen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Blockade von Hilfsgütern und Proteste gegen das Rote Kreuz

Bereits im Vorfeld der Krawalle hatten Anwohner versucht, die Versorgung der Geflüchteten zu unterbinden. Die Protestierenden trugen spanische Flaggen und skandierten lautstark feindselige Parolen gegen die Hilfsorganisation und die dort verbliebenen Menschen.

Trotz der Aufforderung eines Teilnehmers an die Menge, die Straße zu räumen, um den Einsatzkräften die Arbeit zu ermöglichen, blieben die Bürger auf der Fahrbahn. Die Demonstranten riefen dabei Ceuta no se vende, Ceuta se defiende und no me voy a ir de Ceuta, no me van a echar, wie die Berichte übereinstimmend festhalten.

Hintergrund der Krise und politische Spannungen in Madrid

Die Ausschreitungen stehen im direkten Zusammenhang mit dem Massenandrang Ende Juli, bei dem bis zu 80.000 Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangten – viele davon schwimmend. Nach offiziellen Angaben starben dabei mindestens 96 Menschen. Während ein Großteil der Migranten kurz nach der Ankunft wieder zurückkehrte, verharren seither mehrere Tausend Menschen in der Exklave.

Ceuta: Demonstranten legen Feuer in Migranten-Notlager
Photo: DIE ZEIT

Die konservative spanische Opposition fordert laut Tagesspiegel die sofortige Rückführung der Betroffenen. Internationale Abkommen und spanische Gerichtsurteile verbieten jedoch Kollektivabschiebungen und verlangen Einzelfallprüfungen. Unter den Verbliebenen befinden sich rund 1.500 unbegleitete Minderjährige, von denen 500 besonders gefährdete Mädchen auf das spanische Festland gebracht werden sollen.

Ceuta: Demonstranten legen Feuer in Migranten-Notlager
Photo: WELT

Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez sieht sich derweil heftiger Kritik ausgesetzt. Die Opposition wirft ihr vor, die Bevölkerung von Ceuta im Stich gelassen zu haben. Zudem offenbarten sich innerhalb der Regierung widersprüchliche Angaben darüber, ob die Behörden im Vorfeld vor dem massiven Zustrom gewarnt worden waren. Verteidigungsministerin Margarita Robles erklärte, der Geheimdienst CNI habe gewarnt, während Innenminister Fernando Grande-Marlaska und andere Regierungsmitglieder das Ausmaß der Warnungen relativierten. Ministerpräsident Sánchez hat angekündigt, sich am 3. September im Parlament zu der Krise zu erklären.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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