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Welt

Schweizer Armee stellt Projekt Eiger für Drohnen und Robotik vor

Die Schweizer Armee hat ihr Programm «Projekt Eiger» vorgestellt, mit dem die Truppe ab 2027 schrittweise auf Drohnen und Robotik umgestellt wird. Verteidigungsminister Martin Pfister, Armeechef Benedikt Roos und Rüstungschef Urs Loher präsentierten auf dem Waffenplatz Thun neue Ausrüstungen, darunter Spezialmunition und unbemannte Systeme für alle Verbände.

Die Schweizer Armee treibt ihre sicherheitspolitische Neuausrichtung mit einem umfassenden Investitionsprogramm für unbemannte Systeme voran. Unter dem Codenamen Projekt Eiger, den VBS-Chef Martin Pfister persönlich bestimmt hat, soll die Truppe von einer traditionellen Ausrichtung auf eine moderne Verteidigungsdoktrin umgestellt werden. Der Name stehe symbolisch für die steile Nordwand, die man jetzt im Sprint überwinden müsse, um auf dem Gipfel anzukommen, wie Armeechef Benedikt Roos erklärte. VBS-Chef Martin Pfister (Die Mitte) erklärte, er habe eine Leidenschaft für den Umbau der Armee, von einer Friedensarmee hin zu einer, die den Fokus wieder auf Verteidigung setze. Der Ukrainekrieg zeige, dass eine Technologie schon nach ein bis zwei Wochen veraltet sein könne, weshalb die Schweiz technologisch stets vorn mit dabei sein müsse.

Drohnen-Rekrutenschule ab 2027 und ein neues Bataillon

Das Reformvorhaben sieht konkrete Etappen für die Integration neuer Technologien vor. Ab 2027 startet eine spezialisierte Drohnen-Rekrutenschule, gefolgt von der Aufstellung eines speziellen Drohnen-Bataillons im Jahr 2028. Daneben erhalten auch viele andere Verbände kleine Fluggeräte, beispielsweise für die Aufklärung. Am G7-Gipfel in Evian spürte die Armee 250 illegale Drohnen in der Sperrzone auf – gegen drei Piloten läuft ein Strafverfahren.

Zentrum Unbemannte Systeme unter Andrea Marrazzo und Kai Holtmann

Zur Koordination dieser Fähigkeiten wird das «Zentrum Unbemannte Systeme» gegründet, welches dereinst von Andrea Marrazzo und Kai Holtmann geleitet wird. Es soll in wenigen Monaten seinen Betrieb aufnehmen – noch fehlt aber der finale Entscheid für einen Standort. Das Kompetenzzentrum besteht aus einem zivilen «Techhub», in dem Wissenschaft und Wirtschaft zeigen, was sie können – steht aber unter militärischem Kommando. Ziel ist es, Drohnen schnell vom Labor aufs Feld zu bringen, Feldversuche inklusive, erklärte Pfister.

Demonstration in Thun: Spezialmunition und Angriffsdrohnen

Truppenvorführung auf dem Waffenplatz Thun mit Swiss P Defence und Auterion

Bei einer Truppenvorführung auf dem Waffenplatz Thun demonstrierte die Armee die praktische Anwendung der neuen Ausrüstung. Soldaten erprobten unter anderem die Munition «SHATTER4K», einen neuen Typ aus der Munitionsfabrik «Swiss P Defence». Die ehemalige Munitionsfabrik des Bundes befindet sich seit wenigen Jahren im Besitz des italienischen Waffenherstellers Beretta, produziert aber in Thun und wird angepriesen als «ein Drohnenkiller für jeden Soldaten». Das im Sturmgewehr eingesetzte Geschoss teilt sich nach dem Verlassen des Laufes in mehrere kleine Projektile auf, was die Trefferwahrscheinlichkeit erhöht und auf kurzen Distanzen effektiv ist. Insgesamt vier Drohnen holten die zwei Soldaten bei dieser Vorführung innert kurzer Zeit vom Himmel.

Zudem ließ die Firma Auterion aus Zürich medienwirksam ihre «SLM10»-Angriffsdrohne in einen Schützenpanzer der Armee krachen. Die Drohne wird dabei zerstört, und wäre sie mit Sprengstoff bestückt gewesen, wäre es der Panzer auch. Der Anlass reiht sich ein in eine ganze Reihe von Medienterminen der Armee, begonnen letzten Winter mit Erprobungen beim San-Bernardino-Pass und fortgesetzt diesen Frühling mit einer Angriffs-Demonstration auf dem Glarner Schiessplatz «Wichlen».

Luftraumüberwachung und internationale Entwicklungen

Produktionssteigerung bei Delair durch Luc Arnaud und Bastien Mancini

Parallel dazu läuft im internationalen Raum eine rasante Entwicklung im Bereich unbemannter Systeme. So hat der französische Drohnenhersteller Delair, ein in Toulouse ansässiges Unternehmen, seine Produktion stark hochgefahren. Seit einem Anderthalb Jahren hat das Unternehmen seine Produktion verdreifacht und ist von einer Hundert Drohnen pro Jahr auf über 250 gestiegen, wie Produktionsleiter Luc Arnaud schildert. Der Mitbegründer Bastien Mancini leitet Delair seit seiner Gründung im Jahr 2011 und führt an, dass das Unternehmen mittlerweile 170 Personen zählt und im vergangenen Jahr 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete.

Drones armés et robots : au coeur de l'innovation militaire 🪖
Schweizer Armee stellt Projekt Eiger für Drohnen und Robotik vor
Photo: 20min

Delair bietet hauptsächlich drei Drohnen an, die der Beobachtung und Überwachung dienen. Zudem ist das Unternehmen auf dem ukrainischen Markt aktiv, wo es mit der ersten französischen Munition téléopérée, einem Drohnen-Kamikaze namens «Oskar», eingreift, von dem Ende 2024 hundert Exemplare an die ukrainischen Streitkräfte geliefert wurden. Claude Chenuil, ehemaliger Generalingenieur für Rüstung und Drohnenspezialist beim GICAT, lobt, dass Delair wusste, wie man innovativ ist und Risiken eingeht. Léo Péria-Peigné, Forscher am Centre des études de sécurité des Ifri, betont zudem, dass alle westlichen Armeen extrem anfällig für einfache und günstige Waffen sind und der Drohnensektor daher eine Investitionspriorität sein muss.

IA Militaire, drones, robots soldats : la guerre technologique. Avec Yan de retour du front.
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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