Zum Inhalt springen
Welt

Burg Hirosaki: Menschen ziehen 360-Tonnen-Turm von Hand

In Hirosaki in der Präfektur Aomori bewegen tausende Menschen den 360 bis 400 Tonnen schweren Hauptturm der Burg Hirosaki von Hand. Die historische Aktion namens Hikiya soll den Turm an seinen ursprünglichen Standort zurückbringen und bindet die Bevölkerung in die langjährigen Restaurierungsarbeiten nach einer beschädigten Steinmauer ein.

Ein ungewöhnlicher Kraftakt bewegt derzeit den Norden Japans: In der Präfektur Aomori ziehen tausende freiwillige Teilnehmer einen tonnenschweren Burgturm an seinen historischen Platz zurück. Die Stadt Hirosaki setzt bei dem monumentalen Rücktransport auf menschliche Muskelkraft, gepaart mit traditionellen Seilen und Rollen.

Tausende Hände bewegen den Turm von Hirosaki

Die Angaben zur exakten Anzahl der Beteiligten und zum Gewicht des historischen Bauwerks variieren je nach Bericht leicht. Berichten zufolge ziehen insgesamt rund 4.100 Menschen an den Seilen, während andere Meldungen von etwa 1.000 ausgelosten Teilnehmern sprechen, die in 14 Gruppen aufgeteilt wurden. Das Gewicht des Hauptturms wird in den vorliegenden Berichten auf 360 bis 400 Tonnen beziffert. Ausgestattet mit 30 Meter langen Seilen und auf den gemeinsamen Ruf Sore hin, setzten die Gruppen das tonnenschwere Transportgestell in Bewegung.

Diese traditionelle Methode des Gebäudeversatzes von Hand wird in Japan als Hikiya bezeichnet. Die Stadt bindet die lokale Bevölkerung aktiv in die laufenden Instandsetzungsmaßnahmen ein, um den Abschluss der jahrelangen Arbeiten zu begleiten. Nach Angaben der Medienberichte bewältigten die Teilnehmenden bei der öffentlichen Aktion zunächst eine Strecke von gut einem Meter bis zu knapp fünf Metern. Für die verbleibende Distanz der insgesamt rund 73 bis 78 Meter langen Strecke kommen schwere Maschinen und technische Hilfsmittel zum Einsatz. Bis zum Jahresende oder bis Ende August soll der Turm vollständig an seinen alten Platz zurückkehren.

Steinmauer-Reparaturen und Erdbebenschutz als Auslöser

Der aktuelle Transport ist der vorläufige Schlusspunkt einer jahrelangen Baumaßnahme. Der Hauptturm war im Jahr 2015 von seinem ursprünglichen Sockel weg in die Mitte des Burggeländes verschoben worden. An der östlichen Steinmauer des Hauptbereichs hatten sich zuvor gefährliche Verformungen gebildet, die nach einem starken Erdbeben einzustürzen drohten. Anstatt den historischen Bau zu zerlegen, hoben Arbeiter das Gebäude an und rollten es auf Schienen an einen provisorischen Standort.

In den Jahren von 2016 bis 2018 entnahmen Handwerker rund 2.185 Steine aus der beschädigten Mauer und nummerierten jeden einzelnen Stein penibel. Der eigentliche Wiederaufbau lief von 2020 an und war erst im Dezember 2024 abgeschlossen, als der letzte Stein an seinen Platz zurückkehrte. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass dies nicht das erste Mal ist: Bereits 1897 war das Gebäude nach dem teilweisen Einsturz einer nördlichen Mauer auf Befehl eines lokalen Baumeisters verschoben und 1915 an seinen ursprünglichen Standort zurückgebracht worden.

Architektonisches Erbe der Edo-Zeit und moderne Fundamente

Das Gebäude gehört zu den seltenen Kulturgütern des Landes. Der heutige Burgturm wurde im Jahr 201810 1810 während der Edo-Zeit errichtet, nachdem ein Vorgängerbau im Jahr 1627 nach einem Blitzschlag abbrannte. Hirosaki besitzt damit einen von nur zwölf noch erhaltenen historischen Burgtürmen in ganz Japan, die die Zeiten vor dem Ende des Feudalsystems überstanden haben. Neben dem Hauptturm sind auch drei Wachtürme und fünf Tore aus dem Jahr 1611 erhalten.

In der japanischen Präfektur Aomori haben 1.000 Freiwillige den Turm der Burg Hirosaki auf seinen ursprünglichen Sockel
Photo: Sumikai

Um das historische Bauwerk künftig besser vor Naturkatastrophen zu schützen, erhielt der Turm ein komplett neues Fundament. Vier massive Betonpfähle mit einem Durchmesser von jeweils etwa zwei Metern reichen rund 35 Meter tief in den Boden hinab. Darauf ruht eine Betonplatte, die das Gewicht des Gebäudes trägt, sodass der Turm nicht mehr unmittelbar auf der historischen Steinmauer ruht. Sobald der Rücktransport abgeschlossen ist, folgen noch Restaurierungsarbeiten an Dach und Wänden. Das Innere der Anlage bleibt voraussichtlich bis zum Abschluss der Haushaltsjahre für Besucher geschlossen; die Wiedereröffnung ist für das Haushaltsjahr 2033 anvisiert.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.