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Gesundheit

Reese Richardson deckt tausende manipulierte Antikörper-Bilder auf

Wissenschaftler haben in Produktkatalogen von 15 Firmen mehr als 18.000 fragwürdige Abbildungen entdeckt, die angeblich die Qualität von Antikörpern belegen sollten. Die am 25. August veröffentlichten Daten offenbaren digital veränderte Western Blots und werfen neue Fragen zur Verlässlichkeit kommerzieller Laborreagenzien auf.

Antikörper gehören zu den wichtigsten Werkzeugen in der biologischen und medizinischen Forschung. Sie spüren spezifische Proteine auf, markieren zelluläre Strukturen und liefern entscheidende Daten für Experimente. Doch ausgerechnet bei der Dokumentation ihrer Leistungsfähigkeit greifen Hersteller offenbar massiv zu Bildmanipulationen. Reese Richardson, ein Metawissenschaftler an der Northwestern University in Evanston, Illinois, hat nach einer ersten Untersuchung im Mai nun eine deutlich umfassendere Analyse vorgelegt.

Tausende manipulierte Validierungsbilder in Firmenkatalogen

Am 25. August machte Richardson eine Datenbank öffentlich, die mehr als 18.000 fragwürdige Abbildungen umfasst. Diese Bilder waren in den Online-Katalogen von insgesamt 15 kommerziellen Antikörper-Anbietern zu finden. Die betroffenen Grafiken sollten als sogenannte Validierungsbilder dienen und Forschern zeigen, dass das jeweilige Produkt zuverlässig funktioniert.

Um diese Unstimmigkeiten aufzudecken, entwickelte Richardson ein computergestütztes Programm. Damit untersuchte er mehr als 270.000 Bilder, indem er die Schwarz- und Weißwerte gezielt veränderte, um den Kontrast zu erhöhen und versteckte Bildretuschen sichtbar zu machen. Die Manipulationen reichen von der Entfernung störenden Hintergrundrauschens bis hin zu Kopier- und Einfügevorgängen, mit denen positive Ergebnisse künstlich erzeugt wurden. Solche Eingriffe wären im akademischen Publikationswesen ein direkter Grund für den Rückruf einer wissenschaftlichen Arbeit.

Welche Unternehmen besonders betroffen sind

Die Verteilung der problematischen Bilder über die verschiedenen Anbieter ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Während die meisten der 15 Unternehmen jeweils einige hundert fragwürdige Einträge aufweisen, konzentriert sich ein Großteil der Fälle auf vier große Firmen. An der Spitze steht G-Biosciences mit Sitz in Missouri, das mit 6.388 manipulierten Abbildungen verknüpft ist. Dicht gefolgt wird das Unternehmen von Thermo Fisher Scientific in Waltham, Massachusetts, bei dem 5.580 fragwürdige Bilder identifiziert wurden. Bei LSBio in Newark, Kalifornien, fanden sich 2.695 Einträge, während Origene in Rockville, Maryland, mit 2.236 Bildern gelistet wird.

Die betroffenen Unternehmen reagierten unterschiedlich auf die Vorwürfe. Das Unternehmen bleibe von der Qualität seiner Produkte überzeugt. Ein Sprecher von LSBio teilte mit, dass die beanstandeten Einträge weniger als 0,04 Prozent des gesamten Angebots ausmachen würden, das Unternehmen die Bedenken jedoch ernst nehme und eine Untersuchung mit seinen Partnern einleite. G-Biosciences und Origene äußerten sich dagegen nicht auf entsprechende Anfragen.

Die Folgen für die Forschung und das Problem unwirksamer Reagenzien

In der wissenschaftlichen Praxis stellen diese Katalogdaten oft die einzige Orientierungshilfe dar. Forscher durchsuchen umfangreiche Datenbanken nach geeigneten Reagenzien und stützen sich dabei auf Western Blots. Bei dieser Methode werden Proteine aufgetrennt und durch Antikörper markiert, wobei funktionierende Produkte eine klare Bande hinterlassen, während schlechte Antikörper unscharfe Ergebnisse liefern. Wie der britische Molekularbiologe Sholto David betont, sind diese Abbildungen wirklich eines der wenigen Dinge, die man hat, auf die man sich verlassen kann bei der Kaufentscheidung.

Die Debatte verdeutlicht ein ohnehin bekanntes und kostspieliges Problem in den Lebenswissenschaften: die mangelhafte Zuverlässigkeit kommerzieller Antikörper. Eine im Jahr 2023 veröffentlichte Untersuchung, die 614 im Handel erhältliche Antikörper testete, ergab, dass mehr als 50 Prozent der Produkte nicht wie beworben funktionierten. Die jährlichen Kosten für wirkungslose Reagenzien belaufen sich schätzungsweise auf mehr als eine Milliarde US-Dollar. Experten wie Simona Colantonio, Leiterin des Antikörper-Charakterisierungslabors am Frederick National Laboratory for Cancer Research in Maryland, zeigten sich enttäuscht, aber nicht überrascht von den neuen Enthüllungen, da sie selbst wiederholt Produkte erworben habe, die ihren Zweck nicht erfüllten.

Forderungen nach branchenweiten Reformen

Das Ausmaß der entdeckten Bildmanipulationen hat in der wissenschaftlichen Gemeinschaft Alarm ausgelöst. Harvinder Virk, Pulmonologe und Mitbegründer der Open-Science-Initiative Only Good Antibodies im britischen Leicester, bezeichnete die Situation als systemweites Problem, das auch eine systemweite Lösung erfordert.

Reese Richardson deckt tausende manipulierte Antikörper-Bilder auf
Photo: nature.com

Bislang haben die betroffenen Firmen weder ihre Kataloge flächendeckend bereinigt noch unabhängige Prüfverfahren angekündigt, die über interne Untersuchungen hinausgehen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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