Wissenschaftler in Schweden haben 2026 neue Daten zur Darmkrebsvorsorge veröffentlicht, wonach die aktive Teilnahme das Sterberisiko um bis zu 43 Prozent senkt. Gleichzeitig hat die US-Arzneimittelbehörde FDA einen neuartigen Bluttest zugelassen, der als Alternative zu Stuhlproben dienen soll. Beide Entwicklungen unterstreichen die laufenden Bemühungen, die Früherkennung von Darmkrebs zu verbessern.
Ergebnisse der schwedischen Vorsorgestudie und Senkung der Sterblichkeit
Eine 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Auswertung von Forschern des Karolinska Institutet und der Umeå University zeigt, dass Menschen, die aktiv an der Darmkrebsvorsorge teilnehmen, ein deutlich geringeres Risiko haben, an der Erkrankung zu sterben. Die Untersuchung stützt sich auf bis zu 14 Jahre Nachbeobachtungsdaten aus dem Stockholm-Gotland screening program, die in Schweden frühzeitig mit routinemäßigen Tests begonnen hatten.
In Schweden wird die Untersuchung für Personen im Alter von 60 bis 74 Jahren alle zwei Jahre angeboten. Die Teilnehmer erhalten ein Testkit per Post nach Hause, um eine Stuhlprobe auf verstecktes Blut untersuchen zu lassen. Fällt das Ergebnis auffällig aus, wird eine weiterführende Untersuchung wie eine Darmspiegelung angeboten. Durch statistische Methoden konnten die schwedischen Forscher Verzerrungen durch Nichtteilnehmer und spätere Programmteilnahmen ausgleichen.
Laut der Studie war eine reine Einladung mit einer Senkung des Sterberisikos um 26 Prozent verbunden. Bei den Personen, die tatsächlich aktiv an den Tests teilnahmen, sank das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um bis zu 43 Prozent. An der Untersuchung nahmen insgesamt 376.511 Personen teil, wobei im Beobachtungszeitraum 1,668 Todesfälle durch Darmkrebs verzeichnet wurden. Finanziert wurde die Forschungsarbeit unter anderem vom schwedischen Krebsverein, dem schwedischen Forschungsrat sowie der Region Stockholm.
Zulassung des neuen Bluttests SimpleScreen CRC durch die FDA
Während in Schweden auf die klassische Stuhlprobe gesetzt wird, geht die US-Gesundheitspolitik neue Wege bei der Früherkennung. Die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA erteilte dem Unternehmen Freenome die Zulassung für dessen Bluttest namens SimpleScreen CRC. Das Produkt richtet sich an durchschnittlich gefährdete Erwachsene ab 45 Jahren und stellt das erste kommerzielle Angebot des Unternehmens dar.
Die Vermarktung in den USA übernimmt exklusiv das Unternehmen Abbott im Rahmen einer im Jahr 2025 geschlossenen Vereinbarung, die bei behördlicher Zulassung eine Meilensteinzahlung von $100 million an Freenome vorsieht. Der Test wertet DNA-Fragmente im Blutkreislauf aus, die auf Darmkrebs hinweisen können. Analysten bewerten den Schritt als bedeutend für den US-Markt, da ein erheblicher Teil der Bevölkerung bisher keine Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nimmt.

In einer umfangreichen klinischen Studie mit über 48.000 Erwachsenen an mehr als 200 Standorten wurde der Bluttest bewertet. Dabei wies das Verfahren in einer vorab spezifizierten Analyse eine Sensitivität von 81,1 Prozent für die Erkennung von Darmkrebs auf. Für fortgeschrittene Krebsvorstufen lag die Empfindlichkeit bei 13,7 Prozent, wobei der Wert für hochriskante Vorstufen 30,7 Prozent erreichte. Mit der FDA-Zulassung erfüllt das Produkt die Kriterien für eine Kostenübernahme durch Medicare, während Blutuntersuchungen zur Darmkrebsvorsorge bereits in aktualisierte Richtlinien der American Cancer Society aufgenommen wurden.
Aspirin als präventiver Ansatz und wissenschaftliche Evidenz
Neben Früherkennungsprogrammen und neuen Labortests befasst sich die medizinische Forschung seit Jahren auch mit medikamentösen Vorbeugungsmaßnahmen. Daten zeigen, dass die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASA) das Auftreten von Darmkrebs verringern kann, dieser Effekt jedoch erst nach längerer Anwendung eintritt.

Auswertungen randomisierter kontrollierter Studien und Beobachtungsstudien verdeutlichen, dass ASA die Krebsinzidenz erst mindestens zehn Jahre nach Beginn der Einnahme senkt. In der Women’s Health Study reduzierte die Einnahme von 100 mg Aspirin jeden zweiten Tag über einen durchschnittlichen Zeitraum von zehn Jahren die Erkrankungshäufigkeit nach 17,5 Jahren um etwa 20 Prozent. Ähnliche Ergebnisse lieferte das CAPP2-Programm, das Patienten mit erblich bedingtem Lynch-Syndrom über vier Jahre untersuchte und bei einer Analyse nach zehn Jahren eine Schutzwirkung feststellte.
Auch die Datenlage zu Sterblichkeitsraten durch aspirinbasierte Prävention zeigt, dass entsprechende Effekte meist erst nach einem Zeitraum von zehn bis zwanzig Jahren statistisch greifbar werden.