Die Schweiz hinkt im internationalen Vergleich beim Umstieg auf die Elektromobilität weiter hinterher. Im ersten Halbjahr 2026 legten die Verkäufe von Steckerfahrzeugen zwar zu, Branchenverbände fordern jedoch dringend stärkere Rahmenbedingungen.
Vergleich der Schweiz mit internationalen Märkten wie China
Der Blick über die Landesgrenzen offenbart einen spürbaren Rückstand. Während in Staaten wie Uruguay, Singapur und Hongkong der Anteil vollelektrischer Autos bei den Neuzulassungen zwischen 53 und 77 Prozent liegt, kommen Schweizer Strassen deutlich langsamer voran. In China knackten vollelektrische Fahrzeuge im Juli 2026 mit fast 647’000 Einheiten und einem Marktanteil von 44,3 Prozent einen neuen Rekord, wie aus aktuellen Berichten von Branchen- und Forschungsverbänden hervorgeht. Weitere 20,8 Prozent waren teilelektrische Plug-in-Hybride, womit elektrifizierte Autos im weltweit grössten Automarkt zwei von drei Neuzulassungen ausmachen. Die Schweiz zählte einst zu den führenden fünf E-Auto-Nationen in Europa, hat diesen Platz jedoch im internationalen Vergleich längst eingebüsst.
Marktanteile und Rekorde im ersten Halbjahr 2026
Steckerfahrzeuge und Neuwagen in der Schweiz und in Liechtenstein
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten Steckerfahrzeuge, bestehend aus reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden, in der Schweiz einen Marktanteil von 36,3 Prozent. Im Juni durchbrachen diese Fahrzeuge erstmals die Marke von 40 Prozent. Sie jagen damit die Hybride, die mit 36,5 Prozent hauchdünn vorne liegen. Insgesamt wurden in der Schweiz und in Liechtenstein in den ersten sechs Monaten knapp 117’000 Neuwagen verkauft, was einem Zuwachs von drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Getrieben wurde der Anstieg laut Erhebungen des Verbandes Auto-Schweiz vor allem durch hohe Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs. Ein Fünftel mehr reine Stromer und ein Viertel mehr Plug-in-Hybride rollten auf die Strasse.

Traditionelle Verbrenner verlieren parallel weiter an Boden und kommen auf einen Marktanteil von 27,2 Prozent. Dennoch blicken die hiesigen Importeure nicht ungetrübt auf die Entwicklung. Das Angebot an Modellen in allen Preiskategorien ist zwar mittlerweile gross, doch greifen Käufer im internationalen Vergleich deutlich zögerlicher zu. Weniger als zehn Prozent aller Autos auf Schweizer Strassen haben heute einen Stecker.
Verfehlte Roadmaps und die Kritik von Swiss E-Mobility
Ziele der Roadmap 2025 und Einschätzungen von Krispin Romang
Vor Jahren hatte sich der Bund in einer Roadmap das Ziel gesetzt, den Anteil von Steckerfahrzeugen bei den Neuzulassungen bis Ende 2025 auf 50 Prozent zu steigern. Dieses Ziel gilt jedoch als kaum noch erreichbar. Der Direktor des Elektromobilitätsverbands Swiss E-Mobility, Krispin Romang, erklärte im «Tages-Anzeiger», dass das Ziel der Roadmap 2025 deutlich verfehlt wird. Der Verband geht im schlechtesten Fall erst für das Jahr 2029 mit dem Erreichen dieser Marke aus. Im Jahr 2023 erreichten Elektroautos erstmals mehr als 30 Prozent Marktanteil bei rund 252’000 verkauften Neuwagen, wobei reine Elektrofahrzeuge (BEV) 20.9 Prozent und Plug-in-Hybride (PHEV) 9,2 Prozent ausmachten. Der Steckeranteil 2023 liegt damit um vier Prozent höher als 2022. Von rund 4,8 Millionen Personenwagen auf Schweizer Strassen sind nach analysierten Marktdaten weiterhin nur 175’000 rein elektrisch unterwegs, wodurch die Schweiz bei den Ländern mit den meisten Steckerautos letztes Jahr auf Platz 11 zurückgefallen ist.

Als zentrales Hindernis benennen Verbände das fehlende politische Bekenntnis. Swiss eMobility fordert deshalb ein klares Ausstiegsziel für fossile Antriebe sowie verbindliche Vorgaben. Zudem fehlt weiterhin ein gesetzlicher Rechtsanspruch für Mieterinnen und Mieter, eine eigene Ladestation in Immobilien einzubauen.
Forderungen nach Steuersenkungen und besseren Rahmenbedingungen
Forderungen des Verbandes Auto-Schweiz und Direktor Thomas Rücker
Die Automobilimporteure sehen akuten Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. Auto-Schweiz-Direktor Thomas Rücker warnt, dass das Wachstum der E-Mobilität hinter den Erwartungen zurückbleibe. Die mehr als 350 elektrischen Modelle in allen Preisklassen überzeugen noch nicht alle Neuwagenkäufer, und Vorurteile gegen Stromer blieben weit verbreitet. Er kritisiert, dass steigende und intransparente Energiepreise, eine unzureichende Ladeinfrastruktur sowie neue Steuerpläne Private und Firmen verunsichern.
Konkret fordert der Importeureverband Steuererleichterungen für Stromer, mehr Ladesäulen und günstige Energiepreise. Auch der Ausbau von intelligenten Ladesystemen im privaten und gewerblichen Raum sowie die Sistierung der Automobilsteuer für Elektrofahrzeuge gelten als Grundvoraussetzung, um den Wandel im Strassenverkehr nachhaltig zu beschleunigen.
Verwandte Artikel