Inmitten festgefahrener Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa gerät China zunehmend ins Zentrum des Konflikts. Die US-Regierung wirft Kanada vor, unzureichend gegen den Transit chinesischer Stahl- und Aluminiumwaren vorzugehen. Zugleich baut Ottawa seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking aus, was in den USA scharfe Kritik auslöst.
Handelskonflikt und der Streit um den Transitschmuggel
Der jüngste Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada hat eine weit entfernte Macht in den Mittelpunkt gerückt: China. Im Zentrum des Konflikts steht das Phänomen des Transits – die Umleitung von Waren über ein Zwischenland vor Erreichen des Endmarkts.
Bereits im Jahr 2019 hatten die beiden Länder in einer gemeinsamen Erklärung versucht, dieses Risiko einzudämmen. Damals vereinbarten Washington und Ottawa, den Schmuggel von Stahl und Aluminium aus Drittstaaten zu unterbinden. Handelsfalken in den USA fordern nun jedoch deutlich härtere Schutzvorkehrungen, da die US-Regierung den chinesischen Einfluss in kritischen Fertigungslieferketten drastisch zurückdrängen möchte.
Kanadas Maßnahmen gegen billigen Stahl und der neue Kurs mit Peking
Kanadische Regierungsvertreter betonen, dass sie bereits Vorkehrungen treffen, um den heimischen Markt vor einer Überschwemmung mit ausländischem Stahl zu schützen. So limitiert Ottawa bestimmte Stahlimporte aus Ländern ohne Freihandelsabkommen, darunter China, und erhebt einen Zuschlag von 50 Prozent, sobald diese Obergrenzen überschritten werden. Gleichzeitig hat die kanadische Regierung jedoch begonnen, die Handelsbeziehungen zu Peking zu vertiefen, was den Kurs der US-Regierung konterkariert.

Im März öffnete China seinen Markt erneut für mehrere kanadische Agrar- und Meeresfrüchteexporte, darunter Raps, Erbsen, Hummer und Krabben. Im Gegenzug richtete Kanada ein jährliches Kontingent von 49.000 Elektrofahrzeugen aus China zum Meistbegünstigungstarif von 6,1 Prozent ein und hob den zuvor erhobenen Schutzzoll von 100 Prozent auf. Zudem wurde die Zollbefreiung für bestimmte chinesische Stahl- und Aluminiumprodukte verlängert, die nach Angaben offizieller Stellen auf dem kanadischen Markt Mangelware sind. Diese Schritte erfolgen vor dem Hintergrund, dass China Kanadas zweitgrößter Warenhandelspartner ist.
Auswirkungen auf das Verhältnis der Verbündeten
Die Annäherung an Peking stößt in Washington auf scharfe Kritik. Kritiker in den USA bemängeln, dass sich Kanada in die entgegengesetzte Richtung der von der US-Regierung angestrebten, gegenüber China abgeschotteten nordamerikanischen Handelszone bewegt. Für die US-Verhandler steht nun die Frage im Raum, ob Ottawa bereit ist, den Kurs Washingtons mitzutragen, oder ob die Ausweitung des Handels mit China zu einem dauerhaften Zankapfel in den ohnehin angespannten bilateralen Beziehungen wird.

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