Wissenschaftler in China haben in einer Studie mit achtzig chronisch anwesenden Insomnia-Patienten untersucht, wie Kapseln mit Spenderstuhl den Schlaf verbessern können. Die im Journal of Internal Medicine veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass sich die Schlafeffizienz der behandelten Gruppe nach einem Monat von rund 79 auf 93 Prozent steigerte, während die Kontrollgruppe kaum veränderte Werte zeigte.
Die Behandlung von chronischen Schlafstörungen greift im medizinischen Alltag meist zu bewährten Verhaltenstherapien oder Schlafmitteln. Eine neue Forschungsarbeit verfolgt nun einen völlig anderen Ansatz und nimmt den menschlichen Darm in den Blick. Dabei testeten Mediziner in China die Wirksamkeit von fäkalen Mikrobiotatransplantationen bei langjähriger Schlaf-Inkompetenz, um die biologischen Steuerungssysteme des menschlichen Schlafs direkt über das Mikrobiom zu beeinflussen.
Studienaufbau und Ablauf der Kapseltherapie in China
Für die Untersuchung rekrutierten die Verantwortlichen exakt achtzig Erwachsene mit chronischer Insomnia in China. Zunächst erhielt die Hälfte der Teilnehmenden eine zweitägige Antibiotikagabe, um die bereits vorhandenen Darmbakterien im System weitgehend zu reduzieren. Anschließend schluckten diese Probanden insgesamt sechzig Kapseln, die Bakterien aus Stuhlproben enthielten. Als Spender dienten ausschließlich gesunde Personen, die keinerlei Schlafstörungen oder psychiatrische Auffassungen aufwiesen. Nach zwei Wochen folgte eine weitere Dosis von zwanzig Kapseln als Booster.
Um die objektive Schlafqualität der Teilnehmenden zu messen, verwendeten die Forscher eine polysomnografische Untersuchung. Diese nächtliche Aufzeichnung erfasste Gehirnwellen, Augenbewegungen, die Herzfrequenz, den Sauerstoffgehalt sowie die jeweiligen Atemmuster. Im Vergleich dazu nahm die andere Hälfte der Probanden ein Placebo ein, ohne dass Beteiligte oder Forscher im Vorfeld wussten, wer welches Präparat erhalten hatte.
Deutliche Steigerung der Schlafeffizienz bei den Probanden
Die Auswertung der erhobenen Daten nach einem Monat offenbarte markante Unterschiede zwischen den Gruppen. Bei der Gruppe mit den Transplantat-Kapseln kletterte die Schlafeffizienz — also der prozentuale Anteil der tatsächlichen Schlafzeit im Bett — von zuvor 79 Prozent auf 93 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichnete die Placebogruppe kaum nennenswerte Verschiebungen und bewegte sich von anfangs rund 85 Prozent auf 87 Prozent nach oben.
Zudem zeigte sich, dass die behandelten Personen im Verlauf der Nacht deutlich seltener aufwachten. Die Zeit, die sie nach dem Einschlafen wach verbrachten, sank von anfänglich 79 Minuten auf 17 Minuten ab. Bei der Placebogruppe stieg dieser Wert im selben Zeitraum von 37 auf 42 Minuten an. Laut den Selbstauskünften der Teilnehmenden hielten die positiven Effekte bei der behandelten Gruppe sogar bis zu sechs Monate lang an.
Einordnung der Ergebnisse und Stimmen aus der Forschung
Hinter der Untersuchung stehen unter anderem die Studienautoren Zhe Wang vom Institute of Brain Science and Brain-Inspired Research an der Shandong First Medical University im chinesischen Jinan sowie Yanping Bao vom National Institute on Drug Dependence der Peking University in Beijing in ihren Rückmeldungen an die Öffentlichkeit. Die beiden Forscher betonen, dass diese Daten klinische Belege dafür liefern, dass das Darmmikrobiom als modulierbarer Bestandteil die biologischen Systeme steuert, die den menschlichen Schlaf regulieren.

Auch externe Experten bewerten den Ansatz als plausibel, weisen jedoch auf offene Fragen hin. Kenji Hashimoto, ein forensischer Forscher für psychische Gesundheit, erläuterte dazu, dass die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn über chemische Substanzen erfolgt, die von Mikroben gebildet und über den Blutkreislauf transportiert werden. Diese Botenstoffe können Entzündungen, Stressreaktionen und die Kontrolle des Schlaf-Wach-Rhythmus lenken.
Erica Jansen, Assistenzprofessorin für Ernährungswissenschaften an der University of Michigan, die nicht an der Untersuchung beteiligt war, merkt an, dass die gegenseitige Beeinflussung von Darmgesundheit und Gehirnfunktion biochemisch gut nachvollziehbar ist. Bestimmte Bakterien wie Lactobacillus und Bifidobacterium stehen demnach über eine verbesserte Serotoninproduktion mit dem Schlaf in Verbindung, während andererseits Schlafentzug nützliche Bakterien reduzieren kann.
Grenzen der Methode und offene wissenschaftliche Fragen
Trotz der verbesserten Werte weisen die beteiligten Wissenschaftler selbst auf Einschränkungen hin. Mit achtzig Teilnehmern ist die Basis für weitreichende klinische Empfehlungen noch zu klein. Zudem bleibt durch den gleichzeitigen Einsatz von Antibiotika unklar, in welchem Ausmaß die Medikamente selbst oder die eigentlichen Transplantate die Schlafverbesserung herbeigeführt haben. Es ist zudem ungeklärt, welche spezifischen Mikroorganismen die exakte Wirkung auslösen und ob andere Spenderprofile vergleichbare Resultate erzielen würden.

Die Studie lässt zudem die Frage offen, ob eine veränderte Darmflora Auslöser oder Folge der Schlafstörung ist. Dennoch sehen die Fachleute in dem Verfahren einen wichtigen Baustein, um den Zusammenhang zwischen dem Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achsen-System und neuropsychiatrischen Beschwerden wie Schlafstörungen weiter zu entschlüsseln.
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