Nach Konflikten am Limmatquai und am Bahnhof Enge formiert sich nun im Steinfels-Areal im Kreis 5 heftiger Widerstand gegen ein neues, gross dimensioniertes Fast-Food-Lokal mit ausgedehnten Nachtöffnungszeiten.
Der US-amerikanische Fast-Food-Gigant hat es derzeit schwer in Zürich. Wo immer sich das Unternehmen ausbreiten will, schlägt ihm eine Welle von Kritik, Wut und juristischen Einsprachen entgegen. Nachdem die Amerikaner am Limmatquai eine Niederlage einstecken mussten, droht nun im Steinfels-Areal der nächste Konflikt. Anwohner und Geschäftstreibende in diesem urbanen Quartier, das für seine Kinos, Restaurants und Bars bekannt ist, wollen die Eröffnung eines neuen McDonald’s an der Heinrichstrasse verhindern.
Widerstand im Steinfels-Areal und umstrittene Dimensionen
Die Dimensionen des geplanten Imbiss-Restaurants im Kreis 5 sorgen in der Nachbarschaft für helle Aufregung. Nach Angaben von Kritikern, die sich in einer Chat-Gruppe austauschen, sind 161 Sitzplätze sowie ein Take-away- und McDelivery-Dienst vorgesehen. Besonders die geplanten Öffnungszeiten rufen die Nachbarn auf den Plan: Von Sonntag bis Mittwoch soll das Lokal jeweils von 08.00 bis 02.00 Uhr morgens geöffnet sein, donnerstags bis 04.00 Uhr und freitags sowie samstags sogar bis 06.00 Uhr in der Früh.
Einer der Wortführer der Kritiker ruft in der Chat-Gruppe dazu auf, während der laufenden Auflagefrist ein Zustellbegehren zu stellen. Dies sei zwar noch keine Einsprache und verpflichte zu nichts, verschaffe aber Einsicht in alle Unterlagen des Baugesuchs. Die Frist läuft in diesen Tagen aus, am 2. September 2026 ist Eingabeschluss. In einem nächsten Schritt soll es darum gehen, möglichst viele Einsprachen beim zuständigen Baurekurs-Gericht einzureichen, falls die Stadt Zürich grünes Licht erteilt.
Die Sorge vor Lärm, Abfall und den Erfahrungen aus Kreis 2
Die Protestierenden verweisen auf die negativen Begleiterscheinungen vergleichbarer Standorte. Sie befürchten, dass Nachtlärm, Lieferverkehr, Gerüche, Müll und Verschmutzung die Lebensqualität im Quartier massiv beeinträchtigen. Als Negativbeispiel dient der McDonald’s am Zürcher Bahnhof Enge im Kreis 2. Dort türmten sich nachts die Abfallberge vor dem Lokal, was laut Beteiligten einen Vorgeschmack auf das gibt, was nun an der Heinrichstrasse im Kreis 5 droht. Das geplante neue Restaurant soll zudem grösser werden als jener umstrittene Standort im Kreis 2.
Der Widerstand in Zürich hat System und stützt sich auf gegenseitige Vernetzung. So tauschen sich die Zürcher Initiativen eng miteinander aus. Gegen diesen Entscheid hat das Unternehmen allerdings Rekurs erhoben, womit der Fall nun beim Zürcher Verwaltungsgericht liegt.
Parallelen am Limmatquai: Wie Anwohner den Protest organisierten
Die aktuelle Welle der Entrüstung erinnert an die Vorgänge am Zürcher Limmatquai, wo im ehemaligen H&M-Modegeschäft auf zwei Etagen und mit 87 Sitzplätzen eine weitere Filiale entstehen soll. Damals fiel die Nachbarschaft aus allen Wolken, da auf dem Aushängeschild im Schaufenster lediglich von einem Boulevardcafé die Rede war. Simon Staub, der direkt neben dem geplanten Standort lebt, erfuhr nur durch Zufall von den Plänen.
Staub ergriff daraufhin sofort Massnahmen und gründete drei Tage nach der Planauflage die Interessengemeinschaft Ankengasse, der sich rasch die Mehrheit der Nachbarn anschloss. Auf Anraten seines Anwalts formierte sich kurz darauf zusätzlich der Verein Rathausquartier, in dem sich über 20 Parteien zusammenschlossen, um juristisch gegen das Projekt vorzugehen. Neben den Anwohnern, die Lärm im ruhigen Innenhof bei der Ankengasse befürchten, meldeten sich auch lokale Zünfte zu Wort. So kritisierte Christian Bretscher, Zunftmeister der Zunft zum Kämbel, die Pläne gegenüber der Presse scharf und erklärte, man wünsche sich eine andere Nachbarschaft für die gepflegten Boulevardrestaurants.
McDonald’s reagiert auf die Kritik und sucht den Dialog
Angesichts der wachsenden Fronten versucht die Unternehmensführung, die Wogen zu glätten. McDonald’s-Sprecher Alberto Picece betonte im Gespräch mit der Öffentlichkeit, dass Mitarbeiter die Umgebung aktiv beobachten und bei Bedarf das Gespräch mit Gästen suchen würden. Auch zusätzliche Abfalleimer und tägliche Aufräumtouren rund um das Restaurant seien Teil des Konzepts. Zu den kritisierten Öffnungszeiten erklärte Picece, man habe sich bei der Baueingabe zwar an den gesetzlichen Vorgaben orientiert, gehe aber davon aus, dass das neue Restaurant am Wochenende deutlich früher schliessen wird als gesetzlich erlaubt.

Ob die Pläne schliesslich Realität werden, ist völlig offen. Zunächst müssen die städtischen Behörden einen Bauentscheid fällen. Selbst bei einem positiven Bescheid für das Unternehmen können Rekursberechtigte innerhalb einer Frist von 30 Tagen den Rechtsweg beschreiten und ihre Einsprachen einreichen.