Ein Erdbeben der Stärke 5.9 hat am frühen Sonntagmorgen den Großraum Tokyo und die ostjapanische Region Kanto erschüttert. Nach Angaben der Japanischen Meteorologischen Behörde gab es keine Tsunami-Gefahr. Behörden prüfen mögliche Schäden und Verletzte.
Das Beben und seine seismischen Auswirkungen
Das Erdbeben ereignete sich am Sonntag, dem 22. August 2026, um kurz nach 2:00 Uhr Ortszeit (wobei Berichte auch den Zeitpunkt am Samstagabend um 6 Uhr britischer Zeit nannten). Das Hypozentrum lag nach Angaben der Japanischen Meteorologischen Behörde im Süden der Präfektur Ibaraki in einer Tiefe von 70 Kilometern (beziehungsweise 42 Meilen). Die US-amerikanische Erdbebenwarte USGS maß eine vorläufige Magnitude von 5.8.
Die Erschütterungen erreichten auf der japanischen siebenstufigen Shindo-Skala in mehreren Gebieten den Wert von Lower 5 (untere Fünf). Betroffen davon waren unter anderem der Tokyoter Stadtbezirk Adachi (in Berichten auch Adachi City genannt) sowie zehn Städte in der Präfektur Ibaraki, vier Standorte in der Präfektur Saitama und zwei in der Präfektur Chiba. In weiteren Teilen Tokyos sowie in den Bezirken Tochigi, Gunma und Kanagawa registrierten die Messgeräte Stärke 4. Erschütterungen der Stärke Lower 5 können laut Angaben der Meteorologischen Behörde dazu führen, dass Gegenstände von Regalen fallen und Menschen sich aufgrund heftiger Erschütterungen festhalten müssen.
Frühwarnsysteme und Reaktionen in der Region Kanto
Mobiltelefone im betroffenen Gebiet lösten kurz vor den spürbaren Erschütterungen automatische Erdbeben-Frühwarnungen aus, die von Sirenen und Gemeinschaftslautsprechern begleitet wurden und viele Einwohner aufschreckten. Die BBC-Auslandskorrespondentin Kurumi Mori schilderte die Situation kurz nach dem Erdbeben in einem Post auf X und berichtete, dass auf ihren Telefonen der Erdbebenalarm ausgelöst worden sei, gefolgt von Erschütterungen in Tokyo mit einer Magnitude von 5.9 in der Präfektur Ibaraki direkt neben Tokyo um 2:02 Uhr, wobei es keine Tsunami-Warnung gegeben habe. In einem weiteren Post auf Japanisch fügte sie hinzu, dass es sie jedes Mal aufs Neue sehr erschrecke, egal wie oft sie es höre.

In einigen Gebieten hielten die Erschütterungen bis zu einer Minute an. Zudem wurde nach Angaben von NHK in der Stadt Kawaguchi in der Präfektur Saitama, in der Stadt Urayasu in der Präfektur Chiba sowie in den Tokyoter Bezirken Koto und Edogawa ein langperiodisches Bodenbeben der Stärke 2 beobachtet. Solche langsamen, langanhaltenden Erschütterungen können dazu führen, dass Hochhäuser beträchtlich schwanken. Bei Stärke 2 haben Menschen möglicherweise Schwierigkeiten zu stehen, und Möbel oder andere Gegenstände können sich bewegen oder umfallen.
Die Japan Tourism Agency stellt die App „Safety Tips“ bereit, die bei Erdbeben ab Stärke 4 oder bei Tsunami-Warnungen sofortige Benachrichtigungen und Evakuierungstipps liefert sowie Erschütterungen in Echtzeit anzeigt. Nach Angaben aus Berichten markiert dieses Ereignis den größten Erdbebenausschlag im Laufe des letzten Monats in der Region Kanto.”
Schadensbilanz, Infrastruktur und Kernkraftwerke
Die staatlichen Stellen nahmen umgehend die Überprüfung der Infrastruktur auf. Premierministerin Sanae Takaichi erklärte auf X, dass im Krisenmanagementzentrum des Regierungsbüros unmittelbar nach dem Beben eine Verbindungsselle (ein Krisenstab) eingerichtet wurde, um das Ausmaß möglicher Schäden zu ermitteln. Sie betonte, dass genaue und zeitnahe Informationen an die Öffentlichkeit weitergegeben würden. In einer direkten Ansprache wandte sich die Regierungschefin an die Bevölkerung: „To those in the areas where the shaking was strong, I ask that you continue to remain vigilant for the possibility of another earthquake of similar magnitude.
Während NHK-Fernsehaufnahmen zeigten, dass der Verkehr auf den Straßen in nahegelegenen Städten wie Mito und Saitama normal zu verlaufen schien, meldeten Behörden erste lokale Zwischenfälle. So berichtete die Stadt Kawasaki um 3:00 Uhr morgens über zwei Verletzte. Im östlichen Tokyoter Bezirk Koto (im Bereich Kiyosumi) trat an einer Straße Wasser aus einem geplatzten unterirdischen Wasserrohr aus, wobei Nachrichtenberichte anfügten, dass die genaue Ursache noch nicht abschließend geklärt war. Das Energieunternehmen TEPCO Power Grid verzeichnete in Tokyo kurzzeitig Stromausfälle bei etwa 460 Haushalten. Das Bahnunternehmen JR East prüfte eventuelle Schäden und stellte bis 4:30 Uhr morgens Nachforschungen an, um über die planmäßige Betriebsaufnahme der ersten Züge zu entscheiden.

Die japanische Atomaufsichtsbehörde Nuclear Regulation Authority erklärte, dass von rund einem Dutzend Kernkraftwerken und anderen Anlagen für nukleare Materialien keine Auffälligkeiten gemeldet wurden. Im Dorf Tokai in der Präfektur Ibaraki – dem Standort der Atomkraftwerke Tokai und Tokai No. 2 der Japan Atomic Power Company – erreichten die Erschütterungen auf der Shindo-Skala Stärke 3. Die Betreibergesellschaft teilte mit, dass am Reaktor Tokai No. 2 nach dem Beben keine Anomalien festgestellt worden seien und die Überprüfungen am Tokai-Kraftwerk noch andauerten. Das Kraftwerk Tokai befindet sich gegenwärtig im Rückbau (Decommissioning), während der Block Tokai No. 2 bereits seit längerer Zeit offline ist.
Das Ereignis folgte auf ein schweres Erdbeben im Vormonat, bei dem eine Magnitude von 7.1 das Gebiet um Kumamoto auf der südlichsten Hauptinsel Kyushu getroffen hatte. Damals kamen 38 Menschen ums Leben, 364 wurden verletzt, über 1.500 Gebäude wurden zerstört und rund 20.000 weitere beschädigt.
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