Zum Inhalt springen
Nachrichten

Kaiser Otto der Große erhält neuen Sarg im Magdeburger Dom

Nach einer rund 20-monatigen Sanierung wird Kaiser Otto der Große am 1. September feierlich in seiner Grabstätte im Magdeburger Dom wiederbeigesetzt. Die Maßnahme war notwendig, da ein Monitoring im Jahr 2024 massive Beschädigungen am historischen Grabmal aufgedeckt hatte. Laut der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt wird der Sarkophag am Tag der Beisetzung offen präsentiert, bevor er wieder mit der antiken Marmor-Deckplatte verschlossen wird.

Ein neuer Sarg aus Titan und Gold

Im Zentrum der Wiederbeisetzung steht ein neuer Sarg, den die hallesche Künstlerin Silke Trekel gestaltet hat. Das Objekt besteht aus Titan und Gold und ist als langgezogener Körper konzipiert, dessen Deckel eine leichte Drehung aufnimmt. Die Notwendigkeit für den neuen Sarg ergab sich aus der Untersuchung des ursprünglichen hölzernen Sarges, der im Inneren des Kalksteinsarkophags gefunden wurde und an der Unterseite durch Feuchtigkeit stark geschädigt war.

Sicherung eines gefährdeten Denkmals

Die Sanierung begann Anfang 2025, nachdem festgestellt wurde, dass das Grabmal akut gefährdet war. Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra warnte vor einem möglichen Zusammenbruch, da eine rund 300 Kilogramm schwere Marmorplatte auf zentimeterdünnen Wänden ruhte. Weitere Schadensursachen waren Haarrisse im Kalkstein sowie korrodierende Metallklammern und Nägel aus früheren Reparaturen, die den Stein über Jahrzehnte gesprengt hatten.

Um das Denkmal dauerhaft zu stabilisieren, wurde der Untergrund gesichert und die äußere Steinhülle mit von außen unsichtbaren Edelstahlstützen verstärkt. Landesarchäologe Harald Meller erklärte gegenüber MDR KULTUR, dass das Grab durch diese Maßnahmen nun für die nächsten 1.000 Jahre gesichert sei. Die Arbeiten wurden in enger Zusammenarbeit zwischen der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, der Denkmalpflege, Archäologen, der Domgemeinde und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland durchgeführt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und medizinische Diagnose

Die Öffnung des Grabes ermöglichte umfassende anthropologische und genetische Untersuchungen. Eine genetische Analyse bestätigte, dass es sich bei den Gebeinen tatsächlich um die des Kaisers handelt.

Kaiser Otto der Große erhält neuen Sarg im Magdeburger Dom
Photo: MDR

Neben den Gebeinen wurden textile Fragmente sowie organische Reste wie Insekten und Obstkerne geborgen. Wissenschaftler hoffen, aus diesen Funden Erkenntnisse über die ursprüngliche Bestattung sowie die Umbettung nach dem Dombrand von 1207 zu gewinnen. Die Forschung dauert auch nach der Wiederbeisetzung an; Ziele sind eine zuverlässige Gesichtsrekonstruktion sowie die Ermittlung von Haut-, Haar- und Augenfarbe. Die genaue Todesursache des Kaisers ist derzeit noch ungeklärt.

Archäologische Entdeckungen im Domchor

Da der Kalksteinsarkophag für die Arbeiten aus dem Hohen Chor gehoben wurde, konnten Archäologen den Untergrund untersuchen. Dabei fanden sich Sandsteinquader mit spätmittelalterlichen Steinmetzzeichen, was darauf hindeutet, dass der Sarg über die Jahrhunderte mehrfach versetzt wurde. Laut Harald Meller gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Grabstätte bereits im Vorgängerbau des Doms an derselben Stelle befand, sodass der ursprüngliche Bestattungsort im Dom offen bleibt.

DOMRADIO.DE Logo
Photo: Domradio.de

Zudem wurden weitere Funde gesichert:

  • Artefakte: Münzen, Glasperlen, Töpferwaren und Fragmente von Gips-Kristallfenstern.
  • Baufunde: Bemalte Putzreste, die belegen, dass frühere Kirchenbauten an dieser Stelle farbig gestaltet waren.
  • Infrastruktur: Ein Tunnelsystem unter dem Hohen Chor, dessen Gänge teilweise aus dem Mittelalter stammen und im 19. Jahrhundert verfüllt wurden, um ein Absacken des Bodens zu verhindern.

Historischer Kontext

Kaiser Otto I., auch Otto der Große genannt, gilt als eine der bedeutendsten Figuren der europäischen Geschichte. Er wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt und erhob 968 Magdeburg zum Erzbistum. Durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums schuf er die Basis für das spätere Heilige Römische Reich. Nach seinem Tod im Jahr 973 wurde er im Magdeburger Dom an der Seite seiner 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt.

Otto find ich gut: Untersuchungen am Kaisergrab im Magdeburger Dom
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.