Die Bregenzer Festspiele steuern auf einen neuen Besucherrekord zu. Am Sonntag endet die 80. Jubiläumssaison mit voraussichtlich 273.000 Gästen, obwohl eine Regenabsage den Spielbetrieb auf der Seebühne traf. Wegen gekürzter Subventionen streicht das Festival im kommenden Jahr das Schauspiel und hebt die Ticketpreise an.
Mit einer nahezu hundertprozentigen Auslastung blicken die Bregenzer Festspiele auf eine historische und in jeder Hinsicht erfolgreiche Spielzeit zurück. Wie die Verantwortlichen am Freitag bei der traditionellen Bilanzpressekonferenz mitteilten, zieht das Festival trotz einer wetterbedingten Absage am Donnerstagabend eine positive Zwischenbilanz. Sollten die letzten drei Aufführungen wie geplant über die Seebühne gehen, verzeichnet das Festival zum Abschluss am Sonntagabend exakt 273.000 Besucherinnen und Besucher. Damit steuert das Kulturereignis in seinem Jubiläumsjahr auf einen neuen Bestwert zu.
Erfolgreiche Seebühne und musikalische Highlights zum Jubiläum
Den Kern des Publikumsinteresses bildete einmal mehr die Seebühne, auf der in diesem Sommer im zweiten Jahr in Folge Verdis Oper La traviata
aufgeführt wurde. In insgesamt 28 ausverkauften Vorstellungen sahen 193.500 Gäste die Inszenierung. Dass die Produktion derart große Massen anzog, lag laut dem kaufmännischen Direktor Michael Diem auch an der Zugkraft des Hauptwerks: Wenn die Lokomotive Seebühne funktioniert, zieht das auch die anderen Produktionen mit
, erklärte Diem bei der Pressekonferenz. Lediglich am Donnerstag machte das Wetter dem Team einen Strich durch die Rechnung, als die erste Vorführung der Saison wegen Regens ins Festspielhaus verlegt werden musste.

Beim Singalong am 1. Schwaebische kamen mehr als 6.000 Sängerinnen und Sänger aus der Region und dem weiteren Umland auf der Tribüne zusammen, um gemeinsam mit den Solisten auf der Bühne berühmte Opernchöre zu schmettern. Intendantin Lilli Paasikivi zeigte sich begeistert von der Resonanz und betonte, man habe mit diesem besonderen Moment die Verbindung zum Publikum feiern wollen. Ergänzt wurde das Programm durch drei Uraufführungen sowie stark nachgefragte Raritäten wie Leoš Janáčeks Oper Die Ausflüge des Herrn Brouček
, deren Aufführungen im Festspielhaus mit einer Auslastung von 98 Prozent nahezu ausverkauft waren.
Subventionskürzungen zwingen zum radikalen Umbau des Programms
Trotz der beeindruckenden Publikumszahlen wirft die kommende Spielzeit finanzielle Schatten voraus. Bund, Land und die Stadt Bregenz hatten die Förderungen für die Jahre 2025 und 2026 kurzfristig um 30 Prozent gekürzt, was jährliche Einbußen von 2,1 Millionen Euro bedeutet. Wie die Leitung des Festivals betonte, ist die finanzielle Zukunft für das Jahr 2027 noch völlig unklar. Wir wissen noch nicht, was 2027 sein wird
, sagte Michael Diem mit Blick auf die Verhandlungen mit den Fördergebern, mit denen man sich derzeit in guten Gesprächen befinde.

Um das künstlerische Niveau auf der Hauptbühne zu halten, zieht die Festivalleitung die Reißleine und konzentriert sich künftig stärker auf die Kernidentität des Hauses. Die langjährige Kooperation mit dem Wiener Burgtheater, dessen Gastspiele in diesem Sommer ebenfalls zu 98 Prozent ausgelastet waren, wird im kommenden Jahr ausgesetzt. Auch die Ticketpreise sollen moderat angepasst werden, wobei die Erhöhung nach Angaben der Direktion im Schnitt unter der Inflationsrate bleiben wird. Ungeachtet der Einsparungen soll das beliebte Opernstudio erhalten bleiben, um jungen Künstlern weiterhin eine Chance zu geben.
Vorausblick auf die Spielzeit 2027 und Vorverkaufsstart
Der Blick richtet sich bereits auf den nächsten Sommer. Lilli Paasikivi bezeichnete das Werk als ein sehr starkes, hochdramatisches Werk
. Tags darauf, am 22. Juli 2027, folgt die Wiederaufnahme von Verdis La traviata
auf der Seebühne. Als dritter Höhepunkt steht für das Jahr 2028 bereits Richard Wagners Der fliegende Holländer
fest.
Besucherinnen und Besucher müssen sich für den Erwerb von Eintrittskarten nicht lange gedulden. Der offizielle Vorverkauf für die Festspielsaison 2027 startet bereits am kommenden Sonntagabend um 21.00 Uhr direkt im Webshop sowie telefonisch, wie die Verantwortlichen ankündigten.
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