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Technik und Wissenschaft

Akademien der Wissenschaften Schweiz schätzen AKW-Kosten auf bis zu 43 Milliarden

Der Bau eines neuen Kernkraftwerks in der Schweiz würde nach Berechnungen der Akademien der Wissenschaften Schweiz zwischen 14 und 43 Milliarden Franken kosten. Wie aus einem Bericht hervorgeht, wäre ein solches Grossprojekt voraussichtlich nur mit erheblicher staatlicher Unterstützung finanzierbar. Urs Neu, der die Energiekommission der Akademien der Wissenschaften Schweiz leitet, betonte, dass ein Neubau nur mit wesentlicher staatlicher Unterstützung realisierbar wäre.

Neuer Bericht schätzt Kosten für Schweizer AKW-Neubau auf bis zu 43 Milliarden Franken

Hintergrund der Debatte ist die Absicht von Bundesrat und Parlament, das bestehende AKW-Neubauverbot zu kippen. Das Stimmvolk hatte dieses Verbot vor neun Jahren mit einem klaren Mehr beschlossen. Während die Axpo in früheren Diskussionen von rund 10 Milliarden Franken sprach und ETH sowie Axpo unter günstigen Voraussetzungen auch Kosten von rund acht Milliarden Franken für möglich halten, fällt die Schätzung der Akademien deutlich höher aus.

Zwei Szenarien und grosse Preisunterschiede bei Reaktoren

Die grosse Spannbreite der Gesamtkosten ergibt sich aus verschiedenen Szenarien und den infrage kommenden Reaktor-Typen. Laut dem Bericht kommen für Schweizer Projekte im Wesentlichen nur die Anbieter EDF/Framatome aus Frankreich sowie Westinghouse aus den USA infrage. Russische oder chinesische Firmen kommen aus geopolitischen Überlegungen kaum infrage, und Anbieter aus Japan oder Südkorea dürften sich laut Einschätzung der Energiekommission kaum bewerben.

In einem optimistischen Szenario kalkulieren die Autoren mit folgenden Beträgen:

  • Westinghouse-Reaktor (USA): Rund 14 Milliarden Franken für ein Modell mit 1250 Megawatt Leistung.
  • EDF-Reaktor (Frankreich): Etwa 21 Milliarden Franken für das etwas grössere Modell mit 1630 Megawatt Leistung.

Sollte sich die Kostenentwicklung jedoch ähnlich fortsetzen wie bei bisherigen Projekten weltweit – bedingt durch übliche Bauverzögerungen und steigende Kosten von Kraftwerk zu Kraftwerk –, klettern die Schätzungen deutlich nach oben. Zudem berücksichtigen die Schätzwerte auch die Finanzierungskosten während der Bauzeit, welche die Gesamtsumme um weitere 20 bis 30 Prozent verteuern können.

Rolle des Staates und finanzielle Risiken im zweistelligen Milliardenbereich

Die Studie unterstreicht, dass sich private Investoren in den vergangenen Jahren weltweit nur noch an Atomkraft-Grossprojekten beteiligten, wenn der Staat einen grossen Teil der Finanzierung übernimmt oder die Risiken stark abfedert. Laut dem Bericht dürfte sich das finanzielle Risiko möglicher Mehrkosten bei einem Schweizer Neubau im zweistelligen Milliardenbereich bewegen und damit bei der öffentlichen Hand liegen.

Akademien der Wissenschaften Schweiz schätzen AKW-Kosten auf bis zu 43 Milliarden
Photo: 20min

Zudem weist der Bericht auf eine Schweizer Besonderheit hin: Da potenzielle Betreiber wie Axpo oder BKW ganz oder teilweise im Besitz der Kantone sind, wäre die öffentliche Hand bei einer solchen Milliardeninvestition ohnehin indirekt betroffen und würde die Risiken mittragen. Befürworter neuer Kernkraftwerke wie ETH-Professor Horst-Michael Prasser argumentieren im Gegensatz dazu, dass AKWs über Jahrzehnte rund um die Uhr verlässlichen Strom liefern und gerade im Winter oder für die Industrie unverzichtbar sind.

Zeitlicher Druck und technische Alternativen

Um bis dahin drohende Versorgungslücken im Winter zu schliessen, drängt bei einem konkreten Zeitplan die Zeit. Für eine Fertigstellung in den 2050er-Jahren müsste der Bau Anfang der 2040er-Jahre beginnen und die Ausschreibung bereits Anfang der 2030er-Jahre starten, wofür zunächst gesetzliche Anpassungen nötig wären.

Neue AKW kosten bis zu 43 Milliarden Franken
Photo: Blick

Hinsichtlich kleiner modularer Reaktoren mahnen die Akademien zur Vorsicht, da weltweit erst in Kanada mit dem Bau eines solchen Moduls begonnen wurde und konkrete Erfahrungen zu Kosten, Betrieb oder Rentabilität erst noch abgewartet werden müssen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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